Schwanger und auf der Suche

nach Hebammenbetreuung? Nimm Dir gern etwas Zeit, Dich auf den folgenden Seiten in Ruhe umzusehen. Du findest Informationen zu meinem Angebot für werdende Eltern vor und nach der Geburt und auch Kursdaten für meine Geburtsvorbereitungs- und Rückbildungskurse. Wenn Du noch mehr wissen oder ein persönliches Gespräch verabreden möchtest, nimm gerne Kontakt auf!

Meine Angebote auf einem Blick:

In der Schwangerschaft: Schwangerenvorsorge lt. Mutterschaftsrichtlinien (Hausbesuch), Hilfe und Beratung in der Schwangerschaft und bei Beschwerden (Hausbesuch), Geburtsvorbereitungskurse (Einzel, Gruppe, Paare), „Entspannung(skurs)“

Nach der Geburt: Wochenbettbetreuung, Rückbildungsgymnastik (Einzel, Gruppe, „Still“), „Entspannung(skurs)“

 

Biochemie

Die Schüssler-Salze sind homöopathisch aufbereitete Mineralsalze, die in der naturheilkundlichen Praxis und von vielen Anwendern in der Selbstmedikation bei verschiedenen Beschwerden eingesetzt werden. Der Begründer der biochemischen Heilweise, Dr. Wilhelm Heinrich Schüssler, war überzeugt, dass Krankheit immer dann entsteht wenn in den Körperzellen ein Mangel an Mineralsalzen vorliegt. Als Biochemie nach Schüssler bezeichnet man die Therapie mit einem oder mehreren von 12 Funktionsmitteln und 15 Ergänzungsmitteln. Das wohl bekannteste Salz ist das Kochsalz. Chemisch heißt es Natriumchlorid (NaCl). In der Homöopathie ist es das Natrium chloratum, im System nach Schüssler das Salz Nr. 8.

Kräutermedizin Pflanzenheilkunde

…gehört zu den ältesten medizinischen Therapien und ist auf allen Kontinenten und in allen Kulturen beheimatet. Ziel der Pflanzenheilkunde ist es, Heilpflanzen und ihre Inhaltsstoffe hinsichtlich ihrer therapeutischen Wirkung zu erforschen. Grundlage sollte die Identifikation alter Pflanzennamen sein, um nicht durch Verwechslungen und Irrtümer in der Überlieferung altes Erfahrungswissen zu übersehen. Es kommen ganze Pflanzen oder Pflanzenteile (Blüten, Blätter, Samen, Rinden, Wurzeln) zur Anwendung. In der Pharmazie Drogen genannte Ausgangssotffe werden frisch oder als Aufguss bzw. Tee, Saft, Tinktur, Extrakt, Pulver, ätherisches Öl…therapeutisch angewendet. Die Pflanzenheilkunde basiert teilweise auf traditioneller Medizin. Erfahrungswerte, überliefertes Wissen und Traditionen spielen eine wichtige Rolle. Nicht immer lassen sich die Wirkungen von Heilpflanzen wissenschaftlich nachweisen. Die moderne Pflanzenheilkunde folgt den Grundsätzen der naturwissenschaftlich begründeten Medizin, indem sie von einer Dosis-Wirkungs-Beziehung ausgeht und ähnliche Krankheitsbilder definiert.

Antroposophische Arzneimittel

Antroposophische Medizin ist eine in Deutschland gesetzlich anerkannte Heilkunde, die sich als Ergänzung zur konventionellen Medizin versteht. Sie begreift einen Menschen als leibliches, seelisches und geistiges Wesen und behandelt ihn entsprechend ganzheitlich. Vor rund 100 Jahren wurde sie von Rudolf Steiner und Ita Wegman begründet. Sie orientiert sich an der geisteswissenschaftlichen Natur- und Menschenerkenntnis Rudolf Steiners. Antroposophische Arzneimittel für Schwangerschaft, Wochenbett, Stillzeit, Babys finden wir u.a. bei den Firmen Weleda und Wala.

Kinesiologisches Taping

Kinesis bedeutet Bewegung. Leben ist Bewegung. Bewegung und Beweglichkeit sind grundlegende Qualitäten. Bewegungsarmut führt zu unzureichender Durchbewegung von Muskulatur, Bändern, Gelenke und Sehnen. Das Tape wird direkt auf die Haut geklebt, diese besitzt sehr viele Rezeptoren die durch das Tape aktiviert werden. Diese Rezeptoren haben nun eine Wirkung auf die gesamte Muskulatur, auf Bänder, Gelenke, Nerven, das Lymphsystem und die Durchblutung. Über die Aktivierung der Rezeptoren kommt es zu einer Normalisierung des Muskeltonus, zur Durchblutungsförderung und einem schnelleren Abtransport von Schadstoffen. Somit werden die natürlichen Selbstheilungskräfte des Körpers aktiviert.

Anwendbar zum Beispiel in der Schwangerschaft und in der Rückbildungsphase bei verspannter oder zu schwacher Muskulatur, Überbelastung von Sehnen und Bändern, Gelenken, Schwellungen mit Nervenirritation, Ödeme, Gewicht des Bauches (unterstützend), Narbenbehandlung, allgemeine Schmerzen wie Kopfschmerzen, Nackenschmerzen, Rückenschmerzen, Schulter- und Armschmerzen, Karpaltunnelsyndrom, Hüft- und Knieprobleme…

Kontra: Hautverletzungen und Wunden, Hautallergien, Knochenbrüche

Homöopathie

Der deutsche Arzt Dr. Samuel Hahnemann erarbeitete die Homöopathie als Heilmethode in lebenslanger, intensiver Forschung. Der Homöopath betrachetet den Menschen als unteilbar Ganzes, eingebettet in seine Umgebung und Lebensumstände. Der Angriffspunkt der Therapie ist keine lokale Krankheitserscheinung, sondern die tiefer liegende Ursache, die aus unterschiedlichen Gründen das gesunde, harmonische Zusammenspiel der Lebensvorgänge aus dem Gleichgewicht gebracht hat. Der Heilungsweg geht von innen nach außen, von oben nach unten, in umgekehrter Reihenfolge ihrer ursprünglichen Entwicklung. Die Potenzierung der Arzneimittel: Je höher die Verdünnung, desto weniger Reaktionen beim gesunden Menschen.

Bach-Blütentherapie

Die Anwendung der verschiedenen Bach-Blüten ist eine unterstützende Therapie wenn behandlungsbedürftige emotionale Leiden vorliegen. Sie ist ganzheitlich und frei von Nebenwirkungen. Der englische Arzt Dr. Bach war Gründer dieses sanften, feinstofflichen Heilsystems. Seine 38 Blütenessenzen (Blütenpflanzen, Baumblüten, heilkräftige Quelle) entsprechen genau definierten negativen psychischen, emotionalen oder mentalen Zuständen. Sie dienen der Wiederherstellung des inneren Gleichgewichtes. Bis heute ist die Wirkungsweise wissenschaftlich nicht erklärbar. Die Rescue Remedy (Notfall) Tropfen sind ein gutes Beispiel einer Bachblütenmischung die eine beruhigende Wirkung haben. Die Mischung besteht aus fünf Essenzen: Star of Bethlehem (Dolden-Milchstern) wirkt gegen alle Formen von Schock und Trauma, Rock Rose (Sonnenröschen) gegen akute Angst und Panik, Clematis (Echte Waldrebe) wirkt gegen Geistesabwesenheit oder Ohnmacht, sowie mangeldem Bezug zur Gegenwart, Impatiens (Drüsiges Springkraut) gegen Unruhe und Ungeduld, Cherry Plum (Kirschpflaume) bei einer überlasteten Psyche.

Aromapflege

Ätherische Öle werden zur Steigerung des Wohlbefindens (Aromapflege), zur Linderung von physischen und psychischen Krankheitszuständen (Aromatherapie) genutzt. Ätherische Öle sind hochkonzentrierte Substanzen und beinhalten die Lebenskraft der Pflanze. Durch sie tritt die Pflanze in Kontakt mit der Umwelt. Pflegeprodukte für Schwangere, Wöchnerinnen, Kinder sind zu beziehen u.a. bei Ingeborg Stadelmann, Bahnhof Apotheke Kempten, Primavera,

 

Kontakt

Wenn Sie Fragen oder Anregungen haben, freue ich mich auf Ihren Anruf oder eine E-Mail.

Anja Handrich-Haack
24226 Heikendorf

Tel.: 0179-5251137 (bitte jeweils eine Nachricht hinterlassen-Mailbox oder SMS- ich melde mich nur dann zurück)
E-Mail: anja.heikendorf@gmx.de

 

© Anja Handrich-Haack 2018

Die Schwangerschaft

 Eine Zeit des HineinWachsens, der Hoffnung auf das Neue und der sanften Bewegung.

Schwangerenvorsorge

Die Vorsorgeuntersuchungen und deren Eintrag in den Mutterpass werden von mir im häuslichen Umfeld der Schwangeren und in Begleitung der ärztlichen Untersuchungen im Rahmen der Mutterschaftsrichtlinien durchgeführt. Eine Auskunft über meine Leistungen gebe ich gerne im persönlichen Gespräch.

 

Beratung und Hilfe bei Beschwerden

Mit der Schwangerschaft gehen große Veränderungen einher – manchmal ist es schwierig selbst wieder in die Balance zu kommen, körperlich, wie auch mental. Alle Beschwerden die in deiner Schwangerschaft auftreten oder durch diese verstärkt werden und die dich in deinem Alltagsleben „beschweren“, sind es wert angeschaut und vielleicht behandelt zu werden.

Geburtsvorbereitung für Frauen mit einer Partnereinheit

In der Geburtsvorbereitung bekommst du die Möglichkeit, dich einzulassen und dir zu vertrauen deinen schlummernden Gebärcode zu wecken. Wir gehen mental, körperlich und informativ durch die Geburt – kehren immer wieder zum Atem, den verschiedenen Möglichkeiten der Entspannung z.B. Klängen und Tönen und der Bewegung zurück. Du kannst erfahren, wie das Gedankenkarussell Kopf allmählich ruhiger wird und dein Körper, dein Atem oder deine Stimme in den Vordergrund treten – eine Geburt ist immer körperlich. Im weiteren Verlauf des Kurses wenden wir uns der Zeit mit Baby und des Eltern-seins mit seiner Neuorientierung zu. An einem gemeinsamen Partnertag (4*60min) erfährt der Partner, wie er seine Partnerin unter der Geburt und in der Zeit mit Baby begleiten und selbst für sich beginnt Vater zu werden.

Kurs in Schönberg:

Donnerstag, 25.04.19-23.05.19, 19.30-21.30 Uhr

5*2 Stunden (Frauen) sowie eine Einheit mit Partner am Samstag, 18.05.19 von 9.30-13.30 Uhr im Familienzentrum Amt Probstei/Schrevenborn. Der Partnerbeitrag beträgt 32 Euro.

Donnerstag, 06.06.19-04.07.19, 19.30-21.30 Uhr

5*2 Stunden (Frauen) sowie eine Einheit mit Partner am Samstag, 22.06.19 von 9.30-13.30 Uhr im Familienzentrum Amt Probstei/Schrevenborn. Der Partnerbeitrag beträgt 32 Euro.

Kurs in Kiel:

Montag,  12.08.19 – 09.09.19, 19.30-21.30 Uhr, Anmeldung über die Zukunftswerkstatt Kiel e.V.

5*2 Stunden (Frauen) in Kiel Neumühlen-Dietrichsdorf, Groß Ebbenkamp Nr. 5, sowie eine Einheit mit Partner am Samstag, 31.08.19 von 9.30-13.30 Uhr, die Partnereinheit findet ggf. in den Räumen der Zukunftswerkstatt, Lerchenstr. 22 in Kiel statt. Der Partnerbeitrag beträgt 32 Euro.

Montag, 07.10.19 – 04.11.19, 19.30-21.30 Uhr, Anmeldung über die Zukunftswerkstatt Kiel e.V.

5*2 Stunden (Frauen) in Kiel Neumühlen-Dietrichsdorf, Groß Ebbenkamp Nr. 5, sowie eine Einheit mit Partner am Samstag, 19.10.19 von 9.30-13.30 Uhr, die Partnereinheit findet ggf. in den Räumen der Zukunftswerkstatt, Lerchenstr. 22 in Kiel statt. Der Partnerbeitrag beträgt 32 Euro.

 

Geburtsvorbereitung Kompakt

Diese Kursart eignet sich für Paare oder Frauen, die wenig Zeit unter der Woche zur Verfügung haben, oder „spät dran“ sind. Wir arbeiten uns an einem Wochenende (2*7 Stunden) durch die Geburt, das Wochenbett und die Stillzeit.

Anmeldungen über die Zukunftswerkstatt Kiel e.V.

Einzelgeburtsvorbereitung zu Hause oder in der Klinik bei Bettruhe

In Situationen die eine Teilnahme an einem Kurs verhindern, z.B. vorzeitige Wehentätigkeit, Gebärmutterhalsverkürzung o.a., die eine Bettruhe zuhause oder in der Klinik erforden, kann ich mit einem Rezept über Einzelgeburtsvorbereitung, vor Ort arbeiten.

Auszeit- Zeit für dich Selbst

Für Schwangere und Mütter, für dich selbst in deinem häuslichen Umfeld oder in einer kleinen Gruppe. Wir erfahren in einer Zeit der Neuorientierung den Umgang mit uns selbst, unsere Ressourcen, Möglichkeiten der Entschleunigung und in einer offenen Gruppe den positiven Austausch im Gespräch zwischen werdenden Müttern und gewordenen Müttern.

 

Nähere Informationen, sowie Termine und Beitrag (möglicherweise keine Kassenleistung) auf Anfrage.

 

Alles ist anders, früher Abschied

Auch wenn das Baby nicht gesund sein sollte oder im Mutterleib verstirbt, kann die Hebamme eine gute Begleitung in dieser Zeit sein. Nimm gerne mit deiner Hebamme Kontakt auf.

Neben den allgemeinen Schwangerenberatungsstellen von Profamilia, der Diakonie, Donum Vitae und der Caritas gibt es spezielle bundesweite Beratungsstellen und Angebote beispielsweise:

Beratungsstelle für Trauernde, Berlin

Beratungsstelle für Natürliche Geburt und Elternsein eV, München (Fachstelle Pränataldiagnostik, Psychosoziale Beratung zur Pränataldiagnostik und bei belasteter Schwangerschaft)

LEONA -Verein für Eltern chromosomal geschädigter Kinder e.V.

Bundesverband Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister in Deutschland e.V: , Leipzig

Regionale Angebote auf Anfrage

 

 

 

 

Die Geburt

Das Unsichtbare begibt sich auf den Weg sichtbar zu werden.

Ich selbst begleite keine Geburten.

Es ist ein zukünftiger Wunsch, Frauen und Paare während der Geburt in einer Klinik zu begleiten, als eine Person die im Hintergrund bleibt und sozusagen ‚das Händchen mit hält’…vielleicht kann das Werden.

Wo kann das Kind zur Welt kommen? Alternativen gibt es einige. Sich mit den verschiedenen Geburtsorten auseinanderzusetzen lohnt sich. Ob in der Klinik, im Geburtshaus oder zu Hause – bei gesunder Schwangerschaft sind alle Geburtsorte gleich sicher. Weiterführende Informationen auf folgenden Seiten:

Deutscher Hebammenverband

Hebammenverband Schleswig-Holstein

Berufsverband Bund freiberuflicher Hebammen

Informationen über die Dokumentation ausserklinischer Geburtshilfe (www.quag.de)

Geburt naturgemäß www.greenbirth.de

Geburtshaus – Alternative zwischen der Wahl Krankenhaus oder zu Hause. Weiterführende Informationen: Netzwerk der Geburtshäuser

Hebammenkreißsaal – Ähnlich wie in einem Geburtshaus Betreuung durch Hebammen zur Geburt. Weiterführende Informationen: Hebammenkreißsaal Kiel im Städtischen Krankenhaus

Hausgeburt – Weiterführende Informationen: Deutscher Fachverband für Hausgeburtshilfe e.V.

Hebammen mit Hausgeburtshilfe im Umkreis Kiel und Kreis Plön sind zu finden unter

Hebammenverband Schleswig-Holstein

Hebammensuche.de

Die Kieler Hebammenliste

Beleghebamme – Zusammenarbeit einer freiberuflichen Hebamme mit einer Klinik. Die Beleghebamme begleitet bereits in der Schwangerschaft, während der Geburt und im Wochenbett.

Hebammenverband Schleswig-Holstein

Hebammensuche.de 

Die Kieler Hebammenliste 

UKSH Hebammenhilfe rund um die Geburt

Ambulante Geburt – Geburt im Krankenhaus, Geburtshaus oder Hebammenkreißsaal mit der Möglichkeit nach zwei bis sechs Stunden nach Geburt nach Hause zu gehen – vorausgesetzt Mutter und Kind sind wohlauf. In der Regel kann die Mutter trotz angestrebter ambulanter Geburt ihre Entscheidung kurzfristig ändern. Bei Interesse können Sie mich gerne ansprechen.

Kliniken in Kiel und Kreis Plön

UKSH Frauenklinik

Städtisches Krankenkaus

Klinik Preetz

Eutin Sana Kliniken Ostholstein

 

 

Die Wochenbettbetreuung

Für einen Moment war Stille als sich das Neugewordene in die Welt hineinbewegte.

 

Die erste Zeit nach der Geburt ist eine Phase der Wandlung, alle Beteiligten befinden sich in einem Übergang und suchen ein neues Gleichgewicht. Frau und Baby bedürfen gleichermassen Schutz, Sicherheit, Zuwendung und Reizabschirmung. Hilfe die auf verschiedenen Ebenen wärmt, Halt und Nähe geben kann, lässt die natürlichen Ressourcen zum Tragen kommen, die die Mutter-Kind-Beziehung, das Stillen, das Bindungsgeflecht in der Familie und die Elternkompetenz günstig beeinflussen.

….oder „eine faule Wöchnerin ist ein Segen für die Familie“ (Schweizer Sprichwort)

 

Der Körper erholt und heilt sich in den nächsten Wochen von den schwangerschafts- und geburtsbedingten Veränderungen. Es entwickelt sich langsam eine Neuorientierung und Stabilisierung.

 

Unsere Begleitung bietet den täglichen Hausbesuch vom 1. Tag nach Entbindung bis zum 10. Tag nach Entbindung und sechzehn Besuche in den ersten drei Lebensmonaten des Kindes und weitere Hausbesuche über die gesamte Stillzeit spätestens bis zum 9. Lebensmonat, wenn gewünscht. Wir sprechen die Abstände der Besuche miteinander ab, wie es dem jeweiligen Bedarf entspricht. Wir schauen im FrühWochenbett (1.-10. Tag) nach den Rückbildungsvorgängen der schwangerschafts- und geburtsbedingten Veränderungen, fördern die Stillbeziehung, bekommen einen Eindruck von den Anpassungsvorgängen des Babys an das Leben ausserhalb des Mutterleibes und geben im Verlauf der Begleitung in den nächsten Wochen unsere Erfahrungen im Umgang mit Familie-werden weiter.

 

Früher Abschied.

Auch bei einem Kindsverlust, zunächst unabhängig vom Schwangerschaftsalter, kann eine Hebamme eine gute
Ansprechpartnerin sein. Die Frauen bekommen ebenfalls eine Betreuung in ihrem Wochenbett.

Selbsthilfegruppen und Angebote für verwaiste Eltern bundesweit

Bundesverband Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister in Deutschland e.V:

Initiative Regenbogen „Glücklose Schwangerschaft eV.

Leere Wiege Hannover e.V.

LEONA -Verein für Eltern chromosomal geschädigter Kinder e.V.

Regionale Angebote auf Anfrage

 

 

 

Die Zeit nach der Geburt

Du wirst Eltern – du wächst hinein. Jedem seine Zeit.

Rückbildungsgymnastik Gruppe

In der Zeit zwischen der 6./8. Woche nach Entbindung und dem 8./9. Lebensmonat des Kindes kannst du einen Rückbildungskurs besuchen. Langsam werden alle Muskelpartien die sich während der Schwangerschaft und Geburt verändert haben, stabilisiert und gekräftigt. Entspannung und Austausch liegen mir dabei ebenso am Herzen.

Kurse in Kiel Neumühlen-Dietrichsdorf:

Auf Anfrage

Kurse im Familienzentrum, Schönberg:

Donnerstags, 15.08.19-19.09.19, 6×100 min, 19.30-21.10 Uhr

Donnerstags, 14.11.19-19.12.19, 6x100min, 19.30-21.10 Uhr

Anmeldung und weitere Informationen über Mail oder Handy

 

Rückbildungsgymnastik Einzel

Möglich mit einem Rezept vom Gynäkologen. Nähere Informationen auf Anfrage.

Rückbildungsgymnastik für Mütter von stillgeborenen Kindern

Wir nähern uns langsam und behutsam unserem Körper in kleinen Gruppen mit 4 Teilnehmerinnen. Beginn ab dem 5. Monat nach Geburt. Ein persönliches Kennenlernen vor Kursbeginn ist wünschenswert.

Auszeit – Zeit für dich Selbst

Für Schwangere und Mütter, für dich selbst in deinem häuslichen Umfeld oder in einer kleinen Gruppe. Wir erfahren in einer Zeit der Neuorientierung den Umgang mit uns selbst, unsere Ressourcen, Möglichkeiten der Entschleunigung und in einer offenen Gruppe den positiven Austausch im Gespräch zwischen werdenden Müttern und gewordenen Müttern.

Nähere Informationen, sowie Termine und Beitrag (möglicherweise keine Kassenleistung) auf Anfrage.

 

 

Ich bin Anja Handrich-Haack…

…1974 in Leverkusen geboren, verheiratet und Mutter zweier Söhne (2001 und 2011). 1994 ging ich als nun ausgelernte Arzthelferin nach Kiel und arbeitete einige Jahre bis ich 1997 die Hebammenausbildung am UKSH begann und im April 2000 beendete. Seit dieser Zeit begleite ich als selbstständige Hebamme Frauen im Kreis Plön und im Kieler Raum.

Ich möchte Euch, den werdenden Eltern in dieser Zeit  eine stabile Grundlage zur Familienbildung bieten und die Frauen in ihrer neuen Rolle als Frau und Mutter stärken. Meine eigene Erfahrung, was es bedeutet Mutter und Eltern zu sein – Familie zu werden, spiegelt sich in einem offenen, achtsamen und indiviudellen Umgang während meiner Begleitung.

…in der Zeit zwischen meinen beiden Geburten habe ich einen Roman über eine Hebamme, ihre Familie in der Zeit zwischen 1933 und 1990 und die Auswirkungen auf zwei Generationen, geschrieben und 2014 zunächst als E Book und 2015 als Taschenbuch bei BoD veröffentlicht – quasi mein mittleres Kind.

Lies mehr dazu unter Eigentümliches

Eigentümlich und ungebrochen seit meiner Kindheit ist auch meine Liebe zu unseren Märchen und Sagen, den Pflanzen und Tieren,  dem Wald und dem Meer –  und seit meiner Ausbildung, den verschiedenen Naturheilverfahren in der Hebammenarbeit, aus denen ich eine kleine Auswahl unter „Schwanger und auf der Suche“ vorstelle.

„Eine alte Wahrheit sagt: Liebe immer den Ort, an dem du bist, das, was du tust und jeden, mit dem du zusammen bist – so wirst du Freude finden. Wenn wir unsere Freude finden, finden wir unser Paradies. Und das ist der Sinn des Lebens.“ (Peter Dawkins)

Es gibt viele Wege, die ich in einem Leben gehen kann, für die ich mich entscheiden kann – oder auch nicht. Ich bin bereits einige Wege gegangen.

2014 habe ich den Weg zu mir selbst zurück und in mein Herz zu gehen gewählt.

2018 habe ich die geomantische Ausbildung bei Hans Hansen in Eckernförde begonnen. Mehr über die Geomantie findest du unter Eigentümliches.

 

 

 

 

Kolleg*innen

Wir arbeiten in einem losen Verbund im Umkreis zusammen, vertreten uns, tauschen uns aus und bilden uns fort:

 

Annette Wulff, 24235 Stein, Schwangerenbetreuung, Wochenbettbetreuung, Familienhebamme

Homepage: www.gral-seminare.de

 

Birte Holthausen, 24211 Preetz, Wochenbettbetreuung, Stillberatung

 

Kathrin Seltmann, 24248 Mönkeberg, Schwangerenbetreuung, Vorsorge, Wochenbettbetreuung,

Homepage: www.hebamme-moenkeberg.de

 

Annette Siemsglüß, 24232 Schönkirchen, Schwangerenbetreuung, Wochenbettbetreuung, Trageberatung

Carmen Laydorff, Rückbildungsgymnastik, Yoga für Schwangere

Leena Janzik, 24145 Kiel-Wellsee, Schwangerenbetreuung, Wochenbettbetreuung, Akupunktur zur Geburtsvorbereitung

Marie-Luise Weiß, 24248 Mönkeberg, Schwangerenbetreuung, Geburtsvorbereitung, Wochenbettbetreuung, Rückbildungsgymnastik

Homepage:www.hevana-probstei.de

 

Die Kieler Hebammenliste

 

Hebammenpraxis Preetz

 

Hebammensuche Schleswig-Holstein

 

Hebammensuche

 

 

Natürlich befinden sich im Kreis Plön, der Region Probstei und in Kiel weitaus mehr Kolleginnen als hier vorgestellt.

Interdisziplinäres

Verschiedene Fächer stellen sich vor, die Euch auf Eurem Weg in ein entspanntes Elternsein begleiten können:

Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung Kreis Plön, 24232 Schönkirchen, Izabela Thomas,  04348-917321, izabela.thomas@awo-sh.de

Familienbildungsstätte der AWO, 24232 Schönkirchen, 04348-917311: Beratung, Kursangebote, www.awo-fbs.de

Familienzentrum Amt Probstei/Schrevenborn, 24217 Schönberg, 0171-2421232, Katrin Taubner

Haus der Familie Kiel, 24105 Kiel, Erika Boyens-Piepgras, 0431-24890-46: Beratung, Kursangebote, www.haus-der-familie.de

Trageberatung in Kiel  Anke Pawel, 24113 Kiel, +49 (0)176/20532247

Zukunftswerkstatt Kiel e.V.

Eigentümliches

 

 

Das Buch.

Johannas Reise

Johannas Reise erzählt die Geschichte der Hebamme Johanna, ihres jüdischen Mannes und deren Kinder vor der Kulisse der aufkeimenden NS-Zeit bis zum Kriegsende. Die Zeit des Mauerfalls 1990 bringt in der nunmehr Achtigzährigen etwas in Fluss: sie schaut sich selbst an. Daraufhin haben die drei Generationen; Großmutter Johanna, Tochter Sara und Enkelin Franziska die Chance, einander und sich selbst wieder näher zu kommen – sich zu vergeben. Die großen Themen sind die vielschichtige Rolle der Hebammen in dieser Zeit und die Kommunikation innerhalb der Familie mit ihren möglichen Auswirkungen auf zwei nachfolgende Generationen. Johannas Reise ist nicht autobiografisch, dennoch fließen manch eigene Familienaspekte mit ein. Das Schreiben des ersten Romans habe ich als sehr intensiven, langjährigen Prozess empfunden. Die ausgeprägte Recherche zum Nationalsozialismus, mich als Mutter, Hebamme und Kriegsenkelin in das Zeitgeschehen und die Menschen jener Zeit hineinfühlen zu können, hat auch meine eigene Entwicklung in Gang gesetzt und so ist eine facettenreiche, kraftvolle Protagonistin gewachsen: Die Figuren wurden für mich nach und nach lebendig – sie taten nicht mehr das, was ich mit ihnen vor hatte; sie schrieben sich selbst. Meinen Roman widmete ich meiner Großmutter Charlotte Emma Haberland und ihren Kindern. Es ist eine Danksagung an die Kraft, den Mut und die Zuversicht der Frauen dieser Zeit. Johannas Reise ist erhältlich als Taschenbuch und E-Book (Ebook Pseudonym Charlotte Emma Haberland). Im Onlinehandel, bestellbar in Buchhandlungen und bei Book on Demand.

 

 

 

Die Geomantie.

Was ist Geomantie

Ersteinmal,  – salopp gesagt – ist für mich Geomantie das europäische Feng Shui und Feng Shui die asiatische Geomantie. Und natürlich auch wieder nicht – es gibt da nicht nur kulturelle Unterschiede.

Zur historischen Entwicklung der modernen Geomantie in Europa sind Artikel von Marco Bischof erschienen in Hagia Chora 7/2000: http://www.geomantie.net/article/Serie_Geschichte_der_Geomantie/index.html

Geo-manteia = Erde-Divination, Weissagung, Mantik. Seine wörtliche Bedeutung ist Wahrsagung aus der Erde oder durch die Erde. „Der Kunde vom Verborgenen“.

Geomantie ist nichts Fertiges, Festgelegtes, Starres – und in ihrem Ursprung meiner Empfindung nach aus dem Schamanischen kommend.

Sie ist in ständiger Entwicklung begriffen, wie auch der Mensch der sie anwendet. So entwickelt jeder im Laufe der Zeit seinen eigenen Stil.

Der Mensch, der mit ihr umgeht nimmt seine Umgebung in der er steht wahr. Aus dem Herz heraus fühlt er die beseelte Landschaft. Er „schaut“ da-hinter oder da-zwischen, nicht mit seinem Intellekt – mit seiner Wahr-nehmung.

In liebevoller Verbundenheit und Hinwendung zu dem was um ihn ist und seine Aufmerksamkeit weckt, öffnet er sich den Schwingungen der Landschaft. Diese Schwingungen wiederum aktivieren Stimmungen in ihm, gehen mit ihm in Resonanz, die sich dann in Gedanken, Bildern, Gefühlen oder körperlichen Reaktionen äußern.

Dadurch kann sich Wandlung entfalten: „Ich wandle mich und die Erde wandelt sich, ich heile mich und die Erde heilt sich.“

Dabei geht es um die innere und äußere Ausrichtung; was in mir ist, ist auch außerhalb von mir.

Die Wiederherstellung des Gleichgewichts, der ursprünglichen Kraft, der Harmonie.

Der Geomant versteht die Erde als lebendiges Wesen, das ebenso wie der Mensch, Ausdruck, Vitalkräfte und seelisch-geistiges Bewusstsein besitzt und mit ihr und ihren Wesen einen respektvollen Umgang pflegt.

Der geomantisch arbeitende Mensch ist Mittler einer höheren Kraft, die bei der Wiederherstellung des Gleichgewichts, der ursprünglichen Kraft, der göttlichen Harmonie eines Ortes, eines Hauses, Grundstückes oder Raumes hilft.

 

 

 

Die Pflanzen und Bäume und ihre Geschichten rund um Schwangerschaft, Geburt und Kinder.

Ackerschachtelhalm

Equisetum arvense. Als Tee oder Abkochung als harntreibendes, durchspülendes und reinigendes Mittel. Es kommt zum Einsatz bei Nierenschmerzen, Gebärmutterblutungen, Blut im Urin, Harnverhalten und wird gynäkologisch genutzt, indem die Frau es während der Geburt trinkt. (S.73), Die streng rhythmisch gegliederten, kieselhaltigen Triebe erinnern an das menschliche Skelett, insbesondere den segmentierten Aufbau der Wirbelsäule. Tatsächlich wirkt eine Abkochung des Schachtelhalmkrauts knochenstärkend und heilend. Der Sud stärkt das Bindegewebe und fördert die Gelenkschmiere, die den Knorpel nährt. (S. 162)  Quelle: Wolf-Dieter Storl, Ur-Medizin, 2015 AT-Verlag
 

Augentrost

Euphrasia officinalis. Die Blüte des kleinen Rachenblütlers soll an ein Triefauge erinnern. Ein Augenbad mit dem Tee hilft sehr gut bei Bindehautentzündung, Gerstenkorn und ermüdeten roten Augen. (S.162) Quelle: Wolf-Dieter Storl, Ur-Medizin, 2015 AT-Verlag

Beifuß

Artemesia vulgaris. Sonnwendgürtel und Pflanze der Mondgöttin Artemis. Universalentgiftungskraut, er zählt weltweit zu den Räucherpflanzen der Schamanen und ist das Moxakraut der chinesischen Medizin. Es gehört neben dem Frauenmantel zu den wichtigsten heimischen Gebär-, Frauen- und Mutterkräutern. (Quelle: Margret Madejsky, Alchemilla, Goldmann-Arkana, 7. Auflage, 2000). Wie der Wacholder ist auch der Beifuß eine der ersten Pflanzen, welche die vom Eis freigegebenen Kaltsteppen besiedelten. Die Mammut- und Rentierjäger am Rande der Gletscher kannten das graue, herb würzige Kraut gut. Sie räucherten damit um ungute Geister und negative Einflüsse zu vertreiben, benutzten es als Hebammenkraut und Frauenheilpflanze…(S.84-85), Quelle: Wolf-Dieter Storl, Ur-Medizin, 2015, AT-Verlag

Birke

Betula spp. Im Frühling, wenn die Lichtjungfrau, die Weiße Göttin, wieder erscheint und frischer Saft und Kraft in die Bäume schießt, da haben die nacheiszeitlichen Jäger und Sammler die Birken angezapft und den Saft aufgefangen (S.45). Die Birke war einer der Erstbesiedler der Tundra nach dem Rückzug der Gletscher. Der lichtliebende Baum war seit der Eiszeit Begleiter und Freund des Menschen, die im zirkumpolaren Raum lebten. Zum einen konnte die innerste Rinde, wenn das Essen knapp wurde, gekocht und als „Gemüse“ gegessen werden. Auch benutzten die altsteinzeitlichen Jäger das aus Birkenrinde destillierte Birkenpech, um die Steinklingen an die Speerschäfte zu kleben. Auch wasserdichte Behälter und Kochtöpfe stellten die Steinzeitmenschen aus Birkenrinde her. Da Birkenrinde viele ätherische Öle enthält eignet sie sich auch bei Regenwetter zum Anzünden von Feuer. Für die Steinzeitmenschen der Alten wie auch der Neuen Welt, für Sibirer und Indianer war und ist die Birke eine wahrhafte Apotheke. Zu den Anwendungen gehören Knospen, Wurzelpulver und Rinde als Abkochung bei Magenschmerzen, Durchfall, Hämorrhoiden und Verdauungsstörungen; Heilsalben aus der Rinde dienten dem Hautpilz, Ausschlägen und zur Wundheilung. Tees aus der Rinde oder Blättern werden bei Erkältungen und Lungenerkrankungen getrunken. Überhaupt wirkt der Tee aus Rinde und Blättern schmerzstillend, fiebersenkend, krampflösend, harntreibend, blutreinigend, desinfizierend…Die Birke wurde überall, wo sie wächst, zum Symbol des Lichtes. Es ist der Baum der Weißen Göttin, der Frühlingsgöttin, der keltischen Brigit wie auch der indischen Sarasvati, der Göttin der Inspiration und des wahren Wortes. Wie die junge Göttin selbst symbolisiert die Birke überall Reinigung und Neuanfang. Mit Besen aus Birkenreisig kehrte man die Stube und sakrale Plätze; bei der alemannischen Fasnet, dem archaischen Fest des Durchzugs der Geister im Februar, schieben die „Hexen“ noch immer Birkenreisigbesen vor sich her. (S.68-69) Quelle: Wolf-Dieter Storl, Ur-Medizin, 2015 AT-Verlag

Brennessel

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Buche

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Eiche

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Eisenkraut

Verbena officinalis. Kraut der Mondgöttin Isis. Gürtlerkraut; wurde früher zu Brautkränzen gewunden. Heidnisches Wundkraut und Gebärmuttertonikum; enthält Wehen erregendes Verbenalin, daher seit Jahrhunderten zur Geburtserleichterung als Tee getrunken. (Quelle: Margret Madejsky, Alchemilla, Goldmann-Arkana, 7. Auflage, 2000.) Die steinernen Götteraltäre wurden mit Eisenkrautwedeln gereinigt und geweiht. Vor allem die Altäre der Blitz- und Donnergötter. Die Römer weihten ihre Jupiteraltäre mit den Ruten dieser herba sacra. Mircea Eliade vermutet, dass die Schmiede, diese Meister des Feuers, die urprünglichen Schamanen waren und dass sie das hartstängelige, drahtige Eisenkraut in ihre Schmiederituale einbezogen. (S. 351-357) Quelle: Wolf-Dieter Storl, Pflanzen der Kelten, 4.Auflage, 2005, AT-Verlag

Erle

Alnus glutinosa. Wächst an recht unheimlichen Sumpforten. Noch lange wusste das einfache Landvolk um die Erlenfrau oder Tochter des Erlkönigs. Hinter den Gestalten der rauen Ilse und Erlkönigs Tochter verbirgt sich die archaische Göttin, dieselbe Große Göttin, die sich in ihrer strahlenden Jugend in der hellen Birke und als Braut des Sonnengottes im blühenden Weißdorn offenbart. In der Erle ist sie die Totengöttin. Erlengründe waren schon im vorkeltischen Neolithikum Orte der Toten. Auch das Moor, der morastige Erlenbruch, ist der Kessel der Göttin, in dem das Leben vergeht und sich wieder erneuert. In der Volksmedizin wurde die Erle wenig genutzt. Mit der Rinde wurde Leder schwarz gegerbt, Hausväter schnitzten Holzschuhe aus Erlenholz, aus den Zapfen Tinte hergestellt. Zum Abstillen taten Mütter einen Blätterumschlag auf die Brust. (S. 276-279, Quelle: Wolf-Dieter Storl, Pflanzen der Kelten, 4.Auflage, 2005, AT-Verlag
 

Esche

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Fenchel

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Frauenmantel

Alchemilla vulgaris. In der Volksmedizin werden die Alchemilla-Arten zur Behandlung von Wunden, Blutungen, Frauenkrankheiten…verwendet. Dabei werden alle mitteleuropäischen Arten als Volksarzneipflanzen und als Kult- bzw. Zauberpflanzen verwendet. Der Frauenmantel umfasst etwa zwanzig Kleinarten.
 

Gänseblümchen

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Hagebutte/Rosa canina

Volksnamen: Heckenrose, Hundsrose, Hagrose, Hagedorn, Hetschipetsch. Verwendete Teile: Blüten, Früchte. Inhaltsstoffe: Fruchtsäuren, Vitamine C, A, B1, B2, K, P, Mineralstoffe, Pektine, Zucker, Gerbstoffe, ätherisches Öl, Flavonoide.

Hasel

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Himbeere

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Hirtentäschel

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Holunder

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Hopfen

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Johanniskraut

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Kamille

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Kümmel

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Lavendel

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Linde

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Ringelblume

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Salbei

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Schafgarbe

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Schlehe

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Schlüsselblume

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Thymian

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Wacholder

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Wegwarte

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Weide

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Weißdorn

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Die Märchen. Die Liebe. Die Weisheit.

 

 

Märchen - eine Ansicht

Unsere Volkserzählungen geben uns ein Bild der Weisheit unserer Vorfahren. Sie spiegeln den Jahreslauf, den Zyklus der Natur – allen Lebens: Geburt, Leben, Sterben, Wiedergeburt – Wandlung. Auch der Mensch ist in diesen Rhythmus eingewebt. In den großen Kreislauf wie auch in seinen eigenen Lebenskreislauf in dem er reift und wächst, sich ständig wandelt. Auch er stirbt immer wieder aufs Neue und bekommt dafür Helfer an die Seite gestellt: Die Anderswelt, für unsere Kinder von wertvoller Bedeutung, ist in den Märchen als Wirklichkeit erlebbar – der Mensch geht mit ihr um als etwas Alltägliches. In den alten Erzählungen erfahren wir auch; alles ist beseelt, hat seinen Platz und seinen Dienst im Leben- vom Kleinsten bis zum Größten – und ist stetiger Wandlung unterworfen… …ein Teil der Schätze die in unseren ursprünglichen Märchen und Sagen enthalten sind…Nachfolgend Auszüge aus Grimms Kinder- und Hausmärchen in der Fassung um 1857 (Quelle: www.grimmsmaerchen.net)

 

 

 

Gebet an die Quelle/die Mutter

Mutter, deine Liebe ist tief und weit.

Du bist die unerschöpfliche Quelle allen Lebens.

Aus dir kommt alles, zu dir geht alles was ist und wird neu geboren.

Du bist der Kreis im Kreis. Wir sind der Kreis im Kreis mit allem was da ist.

Lehre mich deine Schönheit, Weisheit und Freude, so kann ich sie teilen mit meinen Geschwistern – Menschen, Tiere, Pflanzen, Steine und mit allen die deine Kinder sind.

Lass mich zurück fallen in deinen Schoß, immer wieder neu zu werden, damit ich werde die ich bin und immer schon war.

Lass mich in deine Wasser eintauchen, damit ich wieder werde wie ein Kind.

Lass mich in deine Erde gehen, damit ich deinen Herzschlag aufnehmen und mich wurzeln kann.

Lass mich in deinen Lüften schweben, damit ich klar erkenne.

Lass mich in deinem Feuer wandeln und in deinem Herz mit dem Licht eins werden.

2018, Anja Handrich-Haack

 

 

Das Wasser des Lebens

97. Das Wasser des Lebens Es war einmal ein König, der war krank, und niemand glaubte daß er mit dem Leben davon käme. Er hatte aber drei Söhne, die waren darüber betrübt, giengen hinunter in den Schloßgarten und weinten. Da begegnete ihnen ein alter Mann, der fragte sie nach ihrem Kummer. Sie sagten ihm ihr Vater wäre so krank, daß er wohl sterben würde, denn es wollte ihm nichts helfen. Da sprach der Alte „ich weiß noch ein Mittel, das ist das Wasser des Lebens, wenn er davon trinkt, so wird er wieder gesund: es ist aber schwer zu finden.“ Der älteste sagte „ich will es schon finden,“ gieng zum kranken König und bat ihn er möchte ihm erlauben auszuziehen um das Wasser des Lebens zu suchen, denn das könnte ihn allein heilen. „Nein,“ sprach der König, „die Gefahr dabei ist zu groß, lieber will ich sterben.“ Er bat aber so lange, bis der König einwilligte. Der Prinz dachte in seinem Herzen „bringe ich das Wasser, so bin ich meinem Vater der liebste und erbe das Reich.“ Also machte er sich auf, und als er eine Zeitlang fortgeritten war, stand da ein Zwerg auf dem Wege, der rief ihn an und sprach „wo hinaus so geschwind?“ „Dummer Knirps,“ sagte der Prinz ganz stolz, „das brauchst du nicht zu wissen“ und ritt weiter. Das kleine Männchen aber war zornig geworden und hatte einen bösen Wunsch gethan. Der Prinz gerieth bald hernach in eine Bergschlucht, und je weiter er ritt, je enger thaten sich die Berge zusammen, und endlich ward der Weg so eng, daß er keinen Schritt weiter konnte; es war nicht möglich das Pferd zu wenden oder aus dem Sattel zu steigen, und er saß da wie eingesperrt. Der kranke König wartete lange Zeit auf ihn, aber er kam nicht. Da sagte der zweite Sohn „Vater, laßt mich ausziehen und das Wasser suchen,“ und dachte bei sich „ist mein Bruder todt, so fällt das Reich mir zu.“ Der König wollt ihn anfangs auch nicht ziehen lassen, endlich gab er nach. Der Prinz zog also auf demselben Weg fort, den sein Bruder eingeschlagen hatte, und begegnete auch dem Zwerg, der ihn anhielt und fragte wohin er so eilig wollte. „Kleiner Knirps,“ sagte der Prinz, „das brauchst du nicht zu wissen“ und ritt fort ohne sich weiter umzusehen. Aber der Zwerg verwünschte ihn, und er gerieth wie der andere in eine Bergschlucht und konnte nicht vorwärts und rückwärts. So gehts aber den Hochmüthigen. Als auch der zweite Sohn ausblieb, so erbot sich der jüngste auszuziehen und das Wasser zu holen, und der König mußte ihn endlich ziehen lassen. Als er dem Zwerg begegnete, und dieser fragte wohin er so eilig wolle, so hielt er an, gab ihm Rede und Antwort und sagte „ich suche das Wasser des Lebens, denn mein Vater ist sterbenskrank.“ „Weißt du auch wo das zu finden ist?“ „Nein“ sagte der Prinz. „Weil du dich betragen hast, wie sichs geziemt, nicht übermüthig wie deine falschen Brüder, so will ich dir Auskunft geben und dir sagen wie du zu dem Wasser des Lebens gelangst. Es quillt aus einem Brunnen in dem Hofe eines verwünschten Schlosses, aber du dringst nicht hinein, wenn ich dir nicht eine eiserne Ruthe gebe und zwei Laiberchen Brot. Mit der Ruthe schlag dreimal an das eiserne Thor des Schlosses, so wird es aufspringen: inwendig liegen zwei Löwen, die den Rachen aufsperren, wenn du aber jedem ein Brot hinein wirfst, so werden sie still und dann eile dich und hol von dem Wasser des Lebens bevor es zwölf schlägt, sonst schlägt das Thor wieder zu und du bist eingesperrt.“ Der Prinz dankte ihm, nahm die Ruthe und das Brot, und machte sich auf den Weg. Und als er anlangte, war alles so, wie der Zwerg gesagt hatte. Das Thor sprang beim dritten Ruthenschlag auf, und als er die Löwen mit dem Brot gesänftigt hatte, trat er in das Schloß und kam in einen großen schönen Saal: darin saßen verwünschte Prinzen, denen zog er die Ringe vom Finger, dann lag da ein Schwert und ein Brot, das nahm er weg. Und weiter kam er in ein Zimmer, darin stand eine schöne Jungfrau, die freute sich, als sie ihn sah, küßte ihn und sagte er hätte sie erlöst, und sollte ihr ganzes Reich haben, und wenn er in einem Jahr wieder käme, so sollte ihre Hochzeit gefeiert werden. Dann sagte sie ihm auch, wo der Brunnen wäre mit dem Lebenswasser, er müßte sich aber eilen und daraus schöpfen eh es zwölf schlüge. Da gieng er weiter und kam endlich in ein Zimmer, wo ein schönes frischgedecktes Bett stand, und weil er müde war, wollt er erst ein wenig ausruhen. Also legte er sich und schlief ein: als er erwachte, schlug es drei Viertel auf zwölf. Da sprang er ganz erschrocken auf, lief zu dem Brunnen und schöpfte daraus mit einem Becher, der daneben stand, und eilte daß er fortkam. Wie er eben zum eisernen Thor hinaus gieng, da schlugs zwölf, und das Thor schlug so heftig zu, daß es ihm noch ein Stück von der Ferse wegnahm. Er aber war froh daß er das Wasser des Lebens erlangt hatte, gieng heimwärts und kam wieder an dem Zwerg vorbei. Als dieser das Schwert und das Brot sah, sprach er „damit hast du großes Gut gewonnen, mit dem Schwert kannst du ganze Heere schlagen, das Brot aber wird niemals all.“ Der Prinz wollte ohne seine Brüder nicht zu dem Vater nach Haus kommen und sprach „lieber Zwerg, kannst du mir nicht sagen, wo meine zwei Brüder sind? sie sind früher als ich nach dem Wasser des Lebens ausgezogen und sind nicht wiedergekommen.“ „Zwischen zwei Bergen stecken sie eingeschlossen,“ sprach der Zwerg, „dahin habe ich sie verwünscht, weil sie so übermüthig waren.“ Da bat der Prinz so lange, bis der Zwerg sie wieder los ließ, aber er warnte ihn und sprach „hüte dich vor ihnen, sie haben ein böses Herz.“ Als seine Brüder kamen, freute er sich und erzählte ihnen wie es ihm ergangen wäre, daß er das Wasser des Lebens gefunden und einen Becher voll mitgenommen und eine schöne Prinzessin erlöst hätte, die wollte ein Jahr lang auf ihn warten, dann sollte Hochzeit gehalten werden, und er bekäme ein großes Reich. Danach ritten sie zusammen fort und geriethen in ein Land, wo Hunger und Krieg war, und der König glaubte schon er müßte verderben, so groß war die Noth. Da gieng der Prinz zu ihm und gab ihm das Brot, womit er sein ganzes Reich speiste und sättigte: und dann gab ihm der Prinz auch das Schwert, damit schlug er die Heere seiner Feinde und konnte nun in Ruhe und Frieden leben. Da nahm der Prinz sein Brot und Schwert wieder zurück, und die drei Brüder ritten weiter. Sie kamen aber noch in zwei Länder, wo Hunger und Krieg herrschten, und da gab der Prinz den Königen jedesmal sein Brot und Schwert, und hatte nun drei Reiche gerettet. Und danach setzten sie sich auf ein Schiff, und fuhren übers Meer. Während der Fahrt da sprachen die beiden ältesten unter sich „der jüngste hat das Wasser des Lebens gefunden und wir nicht, dafür wird ihm unser Vater das Reich geben, das uns gebührt, und er wird unser Glück wegnehmen.“ Da wurden sie rachsüchtig und verabredeten mit einander daß sie ihn verderben wollten. Sie warteten bis er einmal fest eingeschlafen war, da gossen sie das Wasser des Lebens aus dem Becher und nahmen es für sich, ihm aber gossen sie bitteres Meerwasser hinein. Als sie nun daheim ankamen, brachte der jüngste dem kranken König seinen Becher, damit er daraus trinken und gesund werden sollte. Kaum aber hatte er ein wenig von dem bitteren Meerwasser getrunken, so ward er noch kränker als zuvor. Und wie er darüber jammerte, kamen die beiden ältesten Söhne und klagten den jüngsten an er hätte ihn vergiften wollen, sie brächten ihm das rechte Wasser des Lebens, und reichten es ihm. Kaum hatte er davon getrunken, so fühlte er seine Krankheit verschwinden, und ward stark und gesund wie in seinen jungen Tagen. Danach giengen die beiden zu dem jüngsten, verspotteten ihn und sagten „du hast zwar das Wasser des Lebens gefunden, aber du hast die Mühe gehabt und wir den Lohn; du hättest klüger sein und die Augen aufbehalten sollen, wir haben dirs genommen während du auf dem Meere eingeschlafen warst, und übers Jahr da holt sich einer von uns die schöne Königstochter. Aber hüte dich daß du nichts davon verräthst, der Vater glaubt dir doch nicht, und wenn du ein einziges Wort sagst, so sollst du noch obendrein dein Leben verlieren, schweigst du aber, so soll dirs geschenkt sein.“ Der alte König war zornig über seinen jüngsten Sohn und glaubte er hätte ihm nach dem Leben getrachtet. Also ließ er den Hof versammeln und das Urtheil über ihn sprechen daß er heimlich sollte erschossen werden. Als der Prinz nun einmal auf die Jagd ritt und nichts Böses vermuthete, mußte des Königs Jäger mitgehen. Draußen, als sie ganz allein im Wald waren, und der Jäger so traurig aussah, sagte der Prinz zu ihm „lieber Jäger, was fehlt dir?“ Der Jäger sprach „ich kanns nicht sagen und soll es doch.“ Da sprach der Prinz „sage heraus was es ist, ich will dirs verzeihen.“ „Ach,“ sagte der Jäger, „ich soll euch todtschießen, der König hat mirs befohlen.“ Da erschrack der Prinz, und sprach „lieber Jäger, laß mich leben, da geb ich dir mein königliches Kleid, gib mir dafür dein schlechtes.“ Der Jäger sagte „das will ich gerne thun, ich hätte doch nicht nach euch schießen können.“ Da tauschten sie die Kleider, und der Jäger gieng heim, der Prinz aber gieng weiter in den Wald hinein. Über eine Zeit, da kamen zu dem alten König drei Wagen mit Gold und Edelsteinen für seinen jüngsten Sohn: sie waren aber von den drei Königen geschickt, die mit des Prinzen Schwert die Feinde geschlagen und mit seinem Brot ihr Land ernährt hatten, und die sich dankbar bezeigen wollten. Da dachte der alte König „sollte mein Sohn unschuldig gewesen sein?“ und sprach zu seinen Leuten „wäre er noch am Leben, wie thut mirs so leid, daß ich ihn habe tödten lassen.“ „Er lebt noch,“ sprach der Jäger, „ich konnte es nicht übers Herz bringen euern Befehl auszuführen,“ und sagte dem König wie es zugegangen war. Da fiel dem König ein Stein von dem Herzen, und er ließ in allen Reichen verkündigen, sein Sohn dürfte wiederkommen und sollte in Gnaden aufgenommen werden. Die Königstochter aber ließ eine Straße vor ihrem Schloß machen, die war ganz golden und glänzend, und sagte ihren Leuten wer darauf geradeswegs zu ihr geritten käme, das wäre der rechte, und den sollten sie einlassen, wer aber daneben käme, der wäre der rechte nicht, und den sollten sie auch nicht einlassen. Als nun die Zeit bald herum war, dachte der älteste er wollte sich eilen, zur Königstochter gehen und sich für ihren Erlöser ausgeben, da bekäme er sie zur Gemahlin und das Reich daneben. Also ritt er fort, und als er vor das Schloß kam und die schöne goldene Straße sah, dachte er „das wäre jammerschade, wenn du darauf rittest,“ lenkte ab und ritt rechts nebenher. Wie er aber vor das Thor kam, sagten die Leute zu ihm er wäre der rechte nicht, er sollte wieder fortgehen. Bald darauf machte sich der zweite Prinz auf, und wie der zur goldenen Straße kam, und das Pferd den einen Fuß darauf gesetzt hatte, dachte er „es wäre jammerschade, das könnte etwas abtreten,“ lenkte ab und ritt links nebenher. Wie er aber vor das Thor kam, sagten die Leute er wäre der rechte nicht, er sollte wieder fortgehen. Als nun das Jahr ganz herum war, wollte der dritte aus dem Wald fort zu seiner Liebsten reiten und bei ihr sein Leid vergessen. Also machte er sich auf, und dachte immer an sie und wäre gerne schon bei ihr gewesen, und sah die goldene Straße gar nicht. Da ritt sein Pferd mitten darüber hin, und als er vor das Thor kam, ward es aufgethan, und die Königstochter empfieng ihn mit Freuden und sagte er wär ihr Erlöser und der Herr des Königreichs, und ward die Hochzeit gehalten mit großer Glückseligkeit. Und als sie vorbei war, erzählte sie ihm daß sein Vater ihn zu sich entboten und ihm verziehen hätte. Da ritt er hin und sagte ihm alles, wie seine Brüder ihn betrogen und er doch dazu geschwiegen hätte. Der alte König wollte sie strafen, aber sie hatten sich aufs Meer gesetzt und waren fortgeschifft und kamen ihr Lebtag nicht wieder.

Die weiße Schlange

17. Die weiße Schlange Es ist nun schon lange her, da lebte ein König, dessen Weisheit im ganzen Lande berühmt war. Nichts blieb ihm unbekannt, und es war als ob ihm Nachricht von den verborgensten Dingen durch die Luft zugetragen würde. Er hatte aber eine seltsame Sitte. Jeden Mittag, wenn von der Tafel alles abgetragen und niemand mehr zugegen war, mußte ein vertrauter Diener noch eine Schüssel bringen. Sie war aber zugedeckt, und der Diener wußte selbst nicht was darin lag, und kein Mensch wußte es, denn der König deckte sie nicht eher auf und aß nicht davon, bis er ganz allein war. Das hatte schon lange Zeit gedauert, da überkam eines Tages den Diener, der die Schüssel wieder wegtrug, die Neugierde, daß er nicht widerstehen konnte, sondern die Schüssel in seine Kammer brachte. Als er die Thür sorgfältig verschlossen hatte, hob er den Deckel auf und da sah er daß eine weiße Schlange darin lag. Bei ihrem Anblick konnte er die Lust nicht zurückhalten, sie zu kosten; er schnitt ein Stückchen davon ab und steckte es in den Mund. Kaum aber hatte es seine Zunge berührt, so hörte er vor seinem Fenster ein seltsames Gewisper von feinen Stimmen. Er gieng und horchte, da merkte er daß es die Sperlinge waren, die mit einander sprachen und sich allerlei erzählten, was sie im Felde und Walde gesehen hatten. Der Genuß der Schlange hatte ihm die Fähigkeit verliehen, die Sprache der Thiere zu verstehen. Nun trug es sich zu, daß gerade an diesem Tage der Königin ihr schönster Ring fort kam und auf den vertrauten Diener, der überall Zugang hatte, der Verdacht fiel er habe ihn gestohlen. Der König ließ ihn vor sich kommen und drohte ihm unter heftigen Scheltworten wenn er bis morgen den Thäter nicht zu nennen wüßte, so sollte er dafür angesehen und gerichtet werden. Es half nichts daß er seine Unschuld betheuerte, er ward mit keinem bessern Bescheid entlassen. In seiner Unruhe und Angst gieng er hinab auf den Hof und bedachte wie er sich aus seiner Noth helfen könne. Da saßen die Enten an einem fließenden Wasser friedlich neben einander und ruhten, sie putzten sich mit ihren Schnäbeln glatt und hielten ein vertrauliches Gespräch. Der Diener blieb stehen und hörte ihnen zu. Sie erzählten sich wo sie heute Morgen all herumgewackelt wären und was für gutes Futter sie gefunden hätten, da sagte eine verdrießlich „mir liegt etwas schwer im Magen, ich habe einen Ring, der unter der Königin Fenster lag, in der Hast mit hinunter geschluckt.“ Da packte sie der Diener gleich beim Kragen, trug sie in die Küche und sprach zum Koch „schlachte doch diese ab, sie ist wohl genährt.“ „Ja,“ sagte der Koch, und wog sie in der Hand, „die hat keine Mühe gescheut sich zu mästen und schon lange darauf gewartet gebraten zu werden.“ Er schnitt ihr den Hals ab, und als sie ausgenommen ward, fand sich der Ring der Königin in ihrem Magen. Der Diener konnte nun leicht vor dem Könige seine Unschuld beweisen, und da dieser sein Unrecht wieder gut machen wollte, erlaubte er ihm sich eine Gnade auszubitten und versprach ihm die größte Ehrenstelle, die er sich an seinem Hofe wünschte. Der Diener schlug alles aus und bat nur um ein Pferd und Reisegeld, denn er hatte Lust die Welt zu sehen und eine Weile darin herum zu ziehen. Als seine Bitte erfüllt war, machte er sich auf den Weg und kam eines Tags an einem Teich vorbei, wo er drei Fische bemerkte, die sich im Rohr gefangen hatten und nach Wasser schnappten. Obgleich man sagt, die Fische wären stumm, so vernahm er doch ihre Klage daß sie so elend umkommen müßten. Weil er ein mitleidiges Herz hatte, so stieg er vom Pferde ab und setzte die drei Gefangenen wieder ins Wasser. Sie zappelten vor Freude, streckten die Köpfe heraus und riefen ihm zu „wir wollen dirs gedenken und dirs vergelten daß du uns errettet hast.“ Er ritt weiter, und nach einem Weilchen kam es ihm vor als hörte er zu seinen Füßen in dem Sand eine Stimme. Er horchte und vernahm wie ein Ameisenkönig klagte „wenn uns nur die Menschen mit den ungeschickten Thieren vom Leib blieben! da tritt mir das dumme Pferd mit seinen schweren Hufen meine Leute ohne Barmherzigkeit nieder!“ Er lenkte auf einen Seitenweg ein und der Ameisenkönig rief ihm zu „wir wollen dirs gedenken und dirs vergelten.“ Der Weg führte ihn in einen Wald und da sah er einen Rabenvater und eine Rabenmutter, die standen bei ihrem Nest und warfen ihre Jungen heraus. „Fort mit euch, ihr Galgenschwengel,“ riefen sie, „wir können euch nicht mehr satt machen, ihr seid groß genug, und könnt euch selbst ernähren.“ Die armen Jungen lagen auf der Erde, flatterten und schlugen mit ihren Fittichen und schrien „wir hilflosen Kinder, wir sollen uns selbst ernähren und können noch nicht fliegen! was bleibt uns übrig als hier Hungers zu sterben!“ Da stieg der gute Jüngling ab, tödtete das Pferd mit seinem Degen und überließ es den jungen Raben zum Futter. Die kamen herbeigehüpft, sättigten sich und riefen „wir wollen dirs gedenken und dirs vergelten.“ Er mußte jetzt seine eigenen Beine gebrauchen, und als er lange Wege gegangen war, kam er in eine große Stadt. Da war großer Lärm und Gedränge in den Straßen, und kam einer zu Pferde und machte bekannt, „die Königstochter suche einen Gemahl, wer sich aber um sie bewerben wolle, der müsse eine schwere Aufgabe vollbringen, und könne er es nicht glücklich ausführen, so habe er sein Leben verwirkt.“ Viele hatten es schon versucht, aber vergeblich ihr Leben daran gesetzt. Der Jüngling, als er die Königstochter sah, ward er von ihrer großen Schönheit so verblendet, daß er alle Gefahr vergaß, vor den König trat und sich als Freier meldete. Alsbald ward er hinaus ans Meer geführt und vor seinen Augen ein goldener Ring hinein geworfen. Dann hieß ihn der König diesen Ring aus dem Meeresgrund wieder hervorzuholen, und fügte hinzu „wenn du ohne ihn wieder in die Höhe kommst, so wirst du immer aufs neue hinab gestürzt, bis du in den Wellen umkommst.“ Alle bedauerten den schönen Jüngling und ließen ihn dann einsam am Meere zurück. Er stand am Ufer und überlegte was er wohl thun sollte, da sah er auf einmal drei Fische daher schwimmen, und es waren keine anderen, als jene, welchen er das Leben gerettet hatte. Der mittelste hielt eine Muschel im Munde, die er an den Strand zu den Füßen des Jünglings hinlegte, und als dieser sie aufhob und öffnete, so lag der Goldring darin. Voll Freude brachte er ihn dem Könige und erwartete daß er ihm den verheißenen Lohn gewähren würde. Die stolze Königstochter aber, als sie vernahm, daß er ihr nicht ebenbürtig war, verschmähte ihn und verlangte er sollte zuvor eine zweite Aufgabe lösen. Sie gieng hinab in den Garten und streute selbst zehn Säcke voll Hirsen ins Gras. „Die muß er Morgen, eh die Sonne hervor kommt, aufgelesen haben,“ sprach sie, „und darf kein Körnchen fehlen.“ Der Jüngling setzte sich in den Garten und dachte nach wie es möglich wäre, die Aufgabe zu lösen, aber er konnte nichts ersinnen, saß da ganz traurig und erwartete bei Anbruch des Morgens zum Tode geführt zu werden. Als aber die ersten Sonnenstrahlen in den Garten fielen, so sah er die zehn Säcke alle wohl gefüllt neben einander stehen, und kein Körnchen fehlte darin. Der Ameisenkönig war mit seinen tausend und tausend Ameisen in der Nacht angekommen, und die dankbaren Thiere hatten den Hirsen mit großer Emsigkeit gelesen und in die Säcke gesammelt. Die Königstochter kam selbst in den Garten herab und sah mit Verwunderung daß der Jüngling vollbracht hatte was ihm aufgegeben war. Aber sie konnte ihr stolzes Herz noch nicht bezwingen und sprach „hat er auch die beiden Aufgaben gelöst, so soll er doch nicht eher mein Gemahl werden, bis er mir einen Apfel vom Baume des Lebens gebracht hat.“ Der Jüngling wußte nicht wo der Baum des Lebens stand, er machte sich auf und wollte immer zu gehen, so lange ihn seine Beine trügen, aber er hatte keine Hoffnung ihn zu finden. Als er schon durch drei Königreiche gewandert war und Abends in einen Wald kam, setzte er sich unter einen Baum und wollte schlafen: da hörte er in den Ästen ein Geräusch und ein goldner Apfel fiel in seine Hand. Zugleich flogen drei Raben zu ihm herab, setzten sich auf seine Knie und sagten „wir sind die drei jungen Raben, die du vom Hungertod errettet hast; als wir groß geworden waren und hörten daß du den goldenen Apfel suchtest, so sind wir über das Meer geflogen bis ans Ende der Welt, wo der Baum des Lebens steht, und haben dir den Apfel geholt.“ Voll Freude machte sich der Jüngling auf den Heimweg und brachte der schönen Königstochter den goldenen Apfel, der nun keine Ausrede mehr übrig blieb. Sie theilten den Apfel des Lebens und aßen ihn zusammen: da ward ihr Herz mit Liebe zu ihm erfüllt, und sie erreichten in ungestörtem Glück ein hohes Alter.

Von einem der auszog, das Fürchten zu lernen

4. Mährchen von einem, der auszog das Fürchten zu lernen Ein Vater hatte zwei Söhne, davon war der älteste klug und gescheidt, und wußte sich in alles wohl zu schicken, der jüngste aber war dumm, konnte nichts begreifen und lernen: und wenn ihn die Leute sahen, sprachen sie „mit dem wird der Vater noch seine Last haben!“ Wenn nun etwas zu thun war, so mußte es der älteste allzeit ausrichten: hieß ihn aber der Vater noch spät oder gar in der Nacht etwas holen, und der Weg gieng dabei über den Kirchhof oder sonst einen schaurigen Ort, so antwortete er wohl „ach nein, Vater, ich gehe nicht dahin, es gruselt mir!“ denn er fürchtete sich. Oder, wenn Abends beim Feuer Geschichten erzählt wurden, wobei einem die Haut schaudert, so sprachen die Zuhörer manchmal „ach, es gruselt mir!“ Der jüngste saß in einer Ecke und hörte das mit an, und konnte nicht begreifen was es heißen sollte. „Immer sagen sie es gruselt mir! es gruselt mir! mir gruselts nicht: das wird wohl eine Kunst sein, von der ich auch nichts verstehe.“ Nun geschah es, daß der Vater einmal zu ihm sprach „hör du, in der Ecke dort, du wirst groß und stark, du mußt auch etwas lernen womit du dein Brot verdienst. Siehst du, wie dein Bruder sich Mühe gibt, aber an dir ist Hopfen und Malz verloren.“ „Ei, Vater,“ antwortete er, „ich will gerne was lernen; ja, wenns angienge, so möchte ich lernen daß mirs gruselte; davon verstehe ich noch gar nichts.“ Der älteste lachte als er das hörte, und dachte bei sich „du lieber Gott, was ist mein Bruder ein Dummbart, aus dem wird sein Lebtag nichts: was ein Häckchen werden will, muß sich bei Zeiten krümmen.“ Der Vater seufzte und antwortete ihm „das Gruseln, das sollst du schon lernen, aber dein Brot wirst du damit nicht verdienen.“ Bald danach kam der Küster zum Besuch ins Haus, da klagte ihm der Vater seine Noth und erzählte wie sein jüngster Sohn in allen Dingen so schlecht beschlagen wäre, er wüßte nichts und lernte nichts. „Denkt euch, als ich ihn fragte, womit er sein Brot verdienen wollte, hat er gar verlangt das Gruseln zu lernen.“ „Wenns weiter nichts ist,“ antwortete der Küster, „das kann er bei mir lernen; thut ihn nur zu mir, ich will ihn schon abhobeln.“ Der Vater war es zufrieden, weil er dachte „der Junge wird doch ein wenig zugestutzt.“ Der Küster nahm ihn also ins Haus, und er mußte die Glocke läuten. Nach ein paar Tagen weckte er ihn um Mitternacht, hieß ihn aufstehen, in den Kirchthurm steigen und läuten. „Du sollst schon lernen was Gruseln ist,“ dachte er, gieng heimlich voraus, und als der Junge oben war, und sich umdrehte und das Glockenseil fassen wollte, so sah er auf der Treppe, dem Schallloch gegenüber, eine weiße Gestalt stehen. „Wer da?“ rief er, aber die Gestalt gab keine Antwort, regte und bewegte sich nicht. „Gib Antwort,“ rief der Junge, „oder mache daß du fort kommst, du hast hier in der Nacht nichts zu schaffen.“ Der Küster aber blieb unbeweglich stehen, damit der Junge glauben sollte es wäre ein Gespenst. Der Junge rief zum zweitenmal „was willst du hier? sprich, wenn du ein ehrlicher Kerl bist, oder ich werfe dich die Treppe hinab.“ Der Küster dachte „das wird so schlimm nicht gemeint sein,“ gab keinen Laut von sich und stand als wenn er von Stein wäre. Da rief ihn der Junge zum drittenmale an, und als das auch vergeblich war, nahm er einen Anlauf und stieß das Gespenst die Treppe hinab, daß es zehn Stufen hinab fiel und in einer Ecke liegen blieb. Darauf läutete er die Glocke, gieng heim, legte sich, ohne ein Wort zu sagen, ins Bett und schlief fort. Die Küsterfrau wartete lange Zeit auf ihren Mann, aber er wollte nicht wieder kommen. Da ward ihr endlich angst, sie weckte den Jungen, und fragte „weißt du nicht, wo mein Mann geblieben ist? er ist vor dir auf den Thurm gestiegen.“ „Nein,“ antwortete der Junge, „aber da hat einer dem Schallloch gegenüber auf der Treppe gestanden, und weil er keine Antwort geben und auch nicht weggehen wollte, so habe ich ihn für einen Spitzbuben gehalten und hinunter gestoßen. Geht nur hin, so werdet Ihr sehen ob ers gewesen ist, es sollte mir leid thun.“ Die Frau sprang fort, und fand ihren Mann, der in einer Ecke lag und jammerte, und ein Bein gebrochen hatte. Sie trug ihn herab und eilte dann mit lautem Geschrei zu dem Vater des Jungen. „Euer Junge,“ rief sie, „hat ein großes Unglück angerichtet, meinen Mann hat er die Treppe hinab geworfen daß er ein Bein gebrochen hat: schafft den Taugenichts aus unserm Hause.“ Der Vater erschrack, kam herbeigelaufen und schalt den Jungen aus. „Was sind das für gottlose Streiche, die muß dir der Böse eingegeben haben.“ „Vater,“ antwortete er, „hört nur an, ich bin ganz unschuldig: er stand da in der Nacht, wie einer der böses im Sinne hat. Ich wußte nicht wers war, und habe ihn dreimal ermahnt zu reden oder wegzugehen.“ „Ach,“ sprach der Vater, „mit dir erleb ich nur Unglück, geh mir aus den Augen, ich will dich nicht mehr ansehen.“ „Ja, Vater, recht gerne, wartet nur bis Tag ist, da will ich ausgehen und das Gruseln lernen, so versteh ich doch eine Kunst, die mich ernähren kann.“ „Lerne was du willst,“ sprach der Vater, „mir ist alles einerlei. Da hast du funfzig Thaler, damit geh in die weite Welt und sage keinem Menschen wo du her bist und wer dein Vater ist, denn ich muß mich deiner schämen.“ „Ja, Vater, wie ihrs haben wollt, wenn ihr nicht mehr verlangt, das kann ich leicht in Acht behalten.“ Als nun der Tag anbrach, steckte der Junge seine funfzig Thaler in die Tasche, gieng hinaus auf die große Landstraße und sprach immer vor sich hin „wenn mirs nur gruselte! wenn mirs nur gruselte!“ Da kam ein Mann heran, der hörte das Gespräch, das der Junge mit sich selber führte, und als sie ein Stück weiter waren, daß man den Galgen sehen konnte, sagte der Mann zu ihm „siehst du, dort ist der Baum, wo siebene mit des Seilers Tochter Hochzeit gehalten haben und jetzt das Fliegen lernen: setz dich darunter und warte bis die Nacht kommt, so wirst du schon das Gruseln lernen.“ „Wenn weiter nichts dazu gehört,“ antwortete der Junge, „das ist leicht gethan; lerne ich aber so geschwind das Gruseln, so sollst du meine funfzig Thaler haben: komm nur Morgen früh wieder zu mir.“ Da gieng der Junge zu dem Galgen, setzte sich darunter und wartete bis der Abend kam. Und weil ihn fror, machte er sich ein Feuer an: aber um Mitternacht gieng der Wind so kalt, daß er trotz des Feuers nicht warm werden wollte. Und als der Wind die Gehenkten gegen einander stieß, daß sie sich hin und her bewegten, so dachte er „du frierst unten bei dem Feuer, was mögen die da oben erst frieren und zappeln.“ Und weil er mitleidig war, legte er die Leiter an, stieg hinauf, knüpfte einen nach dem andern los, und holte sie alle siebene herab. Darauf schürte er das Feuer, blies es an und setzte sie rings herum, daß sie sich wärmen sollten. Aber sie saßen da und regten sich nicht, und das Feuer ergriff ihre Kleider. Da sprach er „nehmt euch in Acht, sonst häng ich euch wieder hinauf.“ Die Todten aber hörten nicht, schwiegen und ließen ihre Lumpen fort brennen. Da ward er bös und sprach „wenn ihr nicht Acht geben wollt, so kann ich euch nicht helfen, ich will nicht mit euch verbrennen,“ und hieng sie nach der Reihe wieder hinauf. Nun setzte er sich zu seinem Feuer und schlief ein, und am andern Morgen, da kam der Mann zu ihm, wollte die funfzig Thaler haben und sprach „nun, weißt du was gruseln ist?“ „Nein,“ antwortete er, „woher sollte ichs wissen? die da droben haben das Maul nicht aufgethan und waren so dumm, daß sie die paar alten Lappen, die sie am Leibe haben, brennen ließen.“ Da sah der Mann daß er die funfzig Thaler heute nicht davon tragen würde, gieng fort und sprach „so einer ist mir noch nicht vorgekommen.“ Der Junge gieng auch seines Weges und fieng wieder an vor sich hin zu reden „ach, wenn mirs nur gruselte! ach, wenn mirs nur gruselte!“ Das hörte ein Fuhrmann, der hinter ihm her schritt, und fragte „wer bist du?“ „Ich weiß nicht“ antwortete der Junge. Der Fuhrmann fragte weiter „wo bist du her?“ „Ich weiß nicht.“ „Wer ist dein Vater?“ „Das darf ich nicht sagen.“ „Was brummst du beständig in den Bart hinein?“ „Ei,“ antwortete der Junge, „ich wollte, daß mirs gruselte, aber niemand kann mirs lehren.“ „Laß dein dummes Geschwätz,“ sprach der Fuhrmann, „komm, geh mit mir, ich will sehen daß ich dich unterbringe.“ Der Junge gieng mit dem Fuhrmann, und Abends gelangten sie zu einem Wirthshaus, wo sie übernachten wollten. Da sprach er beim Eintritt in die Stube wieder ganz laut „wenn mirs nur gruselte! wenn mirs nur gruselte!“ Der Wirth, der das hörte, lachte und sprach „wenn dich danach lüstet, dazu sollte hier wohl Gelegenheit sein.“ „Ach schweig stille,“ sprach die Wirthsfrau, „so mancher Vorwitzige hat schon sein Leben eingebüßt, es wäre Jammer und Schade um die schönen Augen, wenn die das Tageslicht nicht wieder sehen sollten.“ Der Junge aber sagte „wenns noch so schwer wäre, ich wills einmal lernen, deshalb bin ich ja ausgezogen.“ Er ließ dem Wirth auch keine Ruhe, bis dieser erzählte nicht weit davon stände ein verwünschtes Schloß, wo einer wohl lernen könnte was gruseln wäre, wenn er nur drei Nächte darin wachen wollte. Der König hätte dem, ders wagen wollte, seine Tochter zur Frau versprochen, und die wäre die schönste Jungfrau, welche die Sonne beschien: in dem Schlosse steckten auch große Schätze, von bösen Geistern bewacht, die würden dann frei und könnten einen Armen reich genug machen. Schon viele wären wohl hinein aber noch keiner wieder heraus gekommen. Da gieng der Junge am andern Morgen vor den König und sprach „wenns erlaubt wäre, so wollte ich wohl drei Nächte in dem verwünschten Schlosse wachen.“ Der König sah ihn an, und weil er ihm gefiel, sprach er „du darfst dir noch dreierlei ausbitten, aber es müssen leblose Dinge sein, und darfst das du mit ins Schloß nehmen.“ Da antwortete er „so bitt ich um ein Feuer, eine Drehbank und eine Schnitzbank mit dem Messer.“ Der König ließ ihm das alles bei Tage in das Schloß tragen. Als es Nacht werden wollte, gieng der Junge hinauf, machte sich in einer Kammer ein helles Feuer an, stellte die Schnitzbank mit dem Messer daneben und setzte sich auf die Drehbank. „Ach, wenn mirs nur gruselte!“ sprach er, „aber hier werde ichs auch nicht lernen.“ Gegen Mitternacht wollte er sich sein Feuer einmal aufschüren: wie er so hinein blies, da schries plötzlich aus einer Ecke „au, miau! was uns friert!“ „Ihr Narren,“ rief er, „was schreit ihr? wenn euch friert, kommt, setzt euch ans Feuer und wärmt euch.“ Und wie er das gesagt hatte, kamen zwei große schwarze Katzen in einem gewaltigen Sprunge herbei, setzten sich ihm zu beiden Seiten und sahen ihn mit ihren feurigen Augen ganz wild an. Über ein Weilchen, als sie sich gewärmt hatten, sprachen sie „Kamerad, wollen wir eins in der Karte spielen?“ „warum nicht?“ antwortete er, „aber zeigt einmal eure Pfoten her.“ Da streckten sie die Krallen aus. „Ei,“ sagte er, „was habt ihr lange Nägel! wartet, die muß ich euch erst abschneiden.“ Damit packte er sie beim Kragen, hob sie auf die Schnitzbank und schraubte ihnen die Pfoten fest. „Euch habe ich auf die Finger gesehen,“ sprach er, „da vergeht mir die Lust zum Kartenspiel,“ schlug sie todt und warf sie hinaus ins Wasser. Als er aber die zwei zur Ruhe gebracht hatte und sich wieder zu seinem Feuer setzen wollte, da kamen aus allen Ecken und Enden schwarze Katzen und schwarze Hunde an glühenden Ketten, immer mehr und mehr, daß er sich nicht mehr bergen konnte: die schrien gräulich, traten ihm auf sein Feuer, zerrten es auseinander und wollten es ausmachen. Das sah er ein Weilchen ruhig mit an, als es ihm aber zu arg ward, faßte er sein Schnitzmesser und rief „fort mit dir, du Gesindel,“ und haute auf sie los. Ein Theil sprang weg, die andern schlug er todt und warf sie hinaus in den Teich. Als er wieder gekommen war, blies er aus den Funken sein Feuer frisch an und wärmte sich. Und als er so saß, wollten ihm die Augen nicht länger offen bleiben und er bekam Lust zu schlafen. Da blickte er um sich und sah in der Ecke ein großes Bett, „das ist mir eben recht“ sprach er und legte sich hinein. Als er aber die Augen zuthun wollte, so fieng das Bett von selbst an zu fahren, und fuhr im ganzen Schloß herum. „Recht so,“ sprach er, „nur besser zu.“ Da rollte das Bett fort, als wären sechs Pferde vorgespannt, über Schwellen und Treppen auf und ab: auf einmal hopp hopp! warf es um, das unterste zu oberst, daß es wie ein Berg auf ihm lag. Aber er schleuderte Decken und Kissen in die Höhe, stieg heraus und sagte „nun mag fahren wer Lust hat,“ legte sich an sein Feuer und schlief bis es Tag war. Am Morgen kam der König, und als er ihn da auf der Erde liegen sah, meinte er die Gespenster hätten ihn umgebracht, und er wäre todt. Da sprach er „es ist doch schade um den schönen Menschen.“ Das hörte der Junge, richtete sich auf und sprach „so weit ists noch nicht!“ Da verwunderte sich der König, freute sich aber, und fragte wie es ihm gegangen wäre. „Recht gut,“ antwortete er, „eine Nacht wäre herum, die zwei andern werden auch herum gehen.“ Als er zum Wirth kam, da machte der große Augen. „Ich dachte nicht,“ sprach er, „daß ich dich wieder lebendig sehen würde; hast du nun gelernt was Gruseln ist?“ „Nein,“ sagte er, „es ist alles vergeblich: wenn mirs nur einer sagen könnte!“ Die zweite Nacht gieng er abermals hinauf ins alte Schloß, setzte sich zum Feuer und fieng sein altes Lied wieder an, „wenn mirs nur gruselte!“ Wie Mitternacht herankam, ließ sich ein Lärm und Gepolter hören, erst sachte, dann immer stärker, dann wars ein bischen still, endlich kam mit lautem Geschrei ein halber Mensch den Schornstein herab und fiel vor ihn hin. „Heda!“ rief er, „noch ein halber gehört dazu, das ist zu wenig.“ Da gieng der Lärm von frischem an, es tobte und heulte, und fiel die andere Hälfte auch herab. „Wart,“ sprach er, „ich will dir erst das Feuer ein wenig anblasen.“ Wie er das gethan hatte und sich wieder umsah, da waren die beiden Stücke zusammen gefahren, und saß da ein gräulicher Mann auf seinem Platz. „So haben wir nicht gewettet,“ sprach der Junge, „die Bank ist mein.“ Der Mann wollte ihn wegdrängen, aber der Junge ließ sichs nicht gefallen, schob ihn mit Gewalt weg und setzte sich wieder auf seinen Platz. Da fielen noch mehr Männer herab, einer nach dem andern, die holten neun Todtenbeine und zwei Todtenköpfe, setzten auf und spielten Kegel. Der Junge bekam auch Lust und fragte „hört ihr, kann ich mit sein?“ „Ja, wenn du Geld hast.“ „Geld genug,“ antwortete er, „aber eure Kugeln sind nicht recht rund.“ Da nahm er die Todtenköpfe, setzte sie in die Drehbank und drehte sie rund. „So, jetzt werden sie besser schüppeln,“ sprach er, „heida! nun gehts lustig!“ Er spielte mit und verlor etwas von seinem Geld, als es aber zwölf Uhr schlug, war alles vor seinen Augen verschwunden. Er legte sich nieder und schlief ruhig ein. Am andern Morgen kam der König und wollte sich erkundigen. „Wie ist dirs diesmal gegangen?“ fragte er. „Ich habe gekegelt,“ antwortete er, „und ein paar Heller verloren.“ „Hat dir denn nicht gegruselt?“ „Ei was,“ sprach er, „lustig hab ich mich gemacht. Wenn ich nur wüßte was Gruseln wäre?“ In der dritten Nacht setzte er sich wieder auf seine Bank und sprach ganz verdrießlich „wenn es mir nur gruselte!“ Als es spät ward kamen sechs große Männer und brachten eine Todtenlade hereingetragen. Da sprach er „ha ha, das ist gewiß mein Vetterchen, das erst vor ein paar Tagen gestorben ist,“ winkte mit dem Finger und rief „komm, Vetterchen, komm!“ Sie stellten den Sarg auf die Erde, er aber gieng hinzu und nahm den Deckel ab: da lag ein todter Mann darin. Er fühlte ihm ans Gesicht, aber es war kalt wie Eis. „Wart,“ sprach er, „ich will dich ein bischen wärmen,“ gieng ans Feuer, wärmte seine Hand und legte sie ihm aufs Gesicht, aber der Todte blieb kalt. Nun nahm er ihn heraus, setzte sich ans Feuer und legte ihn auf seinen Schooß, und rieb ihm die Arme, damit das Blut wieder in Bewegung kommen sollte. Als auch das nichts helfen wollte, fiel ihm ein „wenn zwei zusammen im Bett liegen, so wärmen sie sich,“ brachte ihn ins Bett, deckte ihn zu und legte sich neben ihn. Über ein Weilchen ward auch der Todte warm und fieng an sich zu regen. Da sprach der Junge „siehst du, Vetterchen, hätt ich dich nicht gewärmt!“ Der Todte aber hub an und rief „jetzt will ich dich erwürgen.“ „Was,“ sagte er, „ist das mein Dank? gleich sollst du wieder in deinen Sarg,“ hub ihn auf, warf ihn hinein und machte den Deckel zu; da kamen die sechs Männer, und trugen ihn wieder fort. „Es will mir nicht gruseln,“ sagte er, „hier lerne ichs mein Lebtag nicht.“ Da trat ein Mann herein, der war größer als alle andere, und sah fürchterlich aus; er war aber alt und hatte einen langen weißen Bart. „O du Wicht,“ rief er, „nun sollst du bald lernen was Gruseln ist, denn du sollst sterben.“ „Nicht so schnell,“ antwortete der Junge, „soll ich sterben, so muß ich auch dabei sein.“ „Dich will ich schon packen“ sprach der Unhold. „Sachte, sachte, mach dich nicht so breit; so stark wie du bin ich auch, und wohl noch stärker.“ „Das wollen wir sehn,“ sprach der Alte, „bist du stärker als ich, so will ich dich gehn lassen; komm, wir wollens versuchen.“ Da führte er ihn durch dunkle Gänge zu einem Schmiedefeuer, nahm eine Axt und schlug den einen Amboß mit einem Schlag in die Erde. „Das kann ich noch besser“ sprach der Junge, und gieng zu dem andern Amboß: der Alte stellte sich neben hin und wollte zusehen, und sein weißer Bart hieng herab. Da faßte der Junge die Axt, spaltete den Amboß auf einen Hieb und klemmte den Bart des Alten mit hinein. „Nun hab ich dich,“ sprach der Junge, „jetzt ist das Sterben an dir.“ Dann faßte er eine Eisenstange und schlug auf den Alten los, bis er wimmerte und bat er möchte aufhören, er wollte ihm große Reichthümer geben. Der Junge zog die Axt raus, und ließ ihn los. Der Alte führte ihn wieder ins Schloß zurück und zeigte ihm in einem Keller drei Kasten voll Gold. „Davon,“ sprach er, „ist ein Theil den Armen, der andere dem König, der dritte dein.“ Indem schlug es zwölfe, und der Geist verschwand, also daß der Junge im finstern stand. „Ich werde mir doch heraushelfen können“ sprach er, tappte herum, fand den Weg in die Kammer und schlief dort bei seinem Feuer ein. Am andern Morgen kam der König und sagte „nun wirst du gelernt haben was Gruseln ist?“ „Nein,“ antwortete er, „was ists nur? mein todter Vetter war da, und ein bärtiger Mann ist gekommen, der hat mir da unten viel Geld gezeigt, aber was Gruseln ist hat mir keiner gesagt.“ Da sprach der König „du hast das Schloß erlöst und sollst meine Tochter heirathen.“ „Das ist all recht gut,“ antwortete er, „aber ich weiß noch immer nicht was Gruseln ist.“ Da ward das Gold herauf gebracht und die Hochzeit gefeiert, aber der junge König, so lieb er seine Gemahlin hatte und so vergnügt er war, sagte doch immer „wenn mir nur gruselte, wenn mir nur gruselte.“ Das verdroß sie endlich. Ihr Kammermädchen sprach „ich will Hilfe schaffen, das Gruseln soll er schon lernen.“ Sie gieng hinaus zum Bach, der durch den Garten floß, und ließ sich einen ganzen Eimer voll Gründlinge holen. Nachts, als der junge König schlief, mußte seine Gemahlin ihm die Decke wegziehen und den Eimer voll kalt Wasser mit den Gründlingen über ihn herschütten, daß die kleinen Fische um ihn herum zappelten. Da wachte er auf und rief „ach was gruselt mir, was gruselt mir, liebe Frau! Ja, nun weiß ich was Gruseln ist.“

 

Die Kristallkugel

197. Die Krystallkugel Es war einmal eine Zauberin, die hatte drei Söhne, die sich brüderlich liebten: aber die Alte traute ihnen nicht und dachte sie wollten ihr ihre Macht rauben. Da verwandelte sie den ältesten in einen Adler, der mußte auf einem Felsengebirge hausen und man sah ihn manchmal am Himmel in großen Kreißen auf und nieder schweben. Den zweiten verwandelte sie in einen Wallfisch, der lebte im tiefen Meer, und man sah nur wie er zuweilen einen mächtigen Wasserstrahl in die Höhe warf. Beide hatten nur zwei Stunden jeden Tag ihre menschliche Gestalt. Der dritte Sohn, da er fürchtete sie möchte ihn auch in ein reißendes Thier verwandeln, in einen Bären oder einen Wolf, so gieng er heimlich fort. Er hatte aber gehört daß auf dem Schloß der goldenen Sonne eine verwünschte Königstochter säße, die auf Erlösung harrte: es müßte aber jeder sein Leben daran wagen, schon drei und zwanzig Jünglinge wären eines jämmerlichen Todes gestorben und nur noch einer übrig, dann dürfte keiner mehr kommen. Und da sein Herz ohne Furcht war, so faßte er den Entschluß das Schloß von der goldenen Sonne aufzusuchen. Er war schon lange Zeit herum gezogen, und hatte es nicht finden können, da gerieth er in einen großen Wald und wußte nicht wo der Ausgang war. Auf einmal erblickte er in der Ferne zwei Riesen, die winkten ihm mit der Hand, und als er zu ihnen kam, sprachen sie „wir streiten um einen Hut, wem er zugehören soll, und da wir beide gleich stark sind, so kann keiner den andern überwältigen: die kleinen Menschen sind klüger als wir, daher wollen wir dir die Entscheidung überlassen.“ „Wie könnt ihr euch um einen alten Hut streiten?“ sagte der Jüngling. „Du weißt nicht was er für Eigenschaften hat, es ist ein Wünschhut, wer den aufsetzt, der kann sich hinwünschen wohin er will, und im Augenblick ist er dort.“ „Gebt mir den Hut“ sagte der Jüngling, „ich will ein Stück Wegs gehen, und wenn ich euch dann rufe, so lauft um die Wette, und wer am ersten bei mir ist, dem soll er gehören.“ Er setzte den Hut auf und gieng fort, dachte aber an die Königstochter, vergaß die Riesen und gieng immer weiter. Einmal seufzte er aus Herzensgrund und rief, „ach, wäre ich doch auf dem Schloß der goldenen Sonne!“ und kaum waren die Worte über seine Lippen, so stand er auf einem hohen Berg vor dem Thor des Schlosses. Er trat hinein und gieng durch alle Zimmer, bis er in dem letzten die Königstochter fand. Aber wie erschrack er, als er sie anblickte: sie hatte ein aschgraues Gesicht voll Runzeln, trübe Augen und rothe Haare. „Seid ihr die Königstochter, deren Schönheit alle Welt rühmt?“ rief er aus. „Ach,“ erwiederte sie, „das ist meine Gestalt nicht, die Augen der Menschen können mich nur in dieser Häßlichkeit erblicken, aber damit du weißt wie ich aussehe, so schau in den Spiegel, der läßt sich nicht irre machen, der zeigt dir mein Bild, wie es in Wahrheit ist.“ Sie gab ihm den Spiegel in die Hand, und er sah darin das Abbild der schönsten Jungfrau, die auf der Welt war, und sah wie ihr vor Traurigkeit die Thränen über die Wangen rollten. Da sprach er „wie kannst du erlöst werden? ich scheue keine Gefahr.“ Sie sprach „wer die krystallne Kugel erlangt und hält sie dem Zauberer vor, der bricht damit seine Macht, und ich kehre in meine wahre Gestalt zurück. „Ach,“ setzte sie hinzu, „schon so mancher ist darum in seinen Tod gegangen, und du junges Blut, du jammerst mich, wenn du dich in die großen Gefährlichkeiten begiebst.“ „Mich kann nichts abhalten“ sprach er, „aber sage mir was ich thun muß.“ „Du sollst alles wissen,“ sprach die Königstochter, „wenn du den Berg auf dem das Schloß steht, hinabgehst, so wird unten an einer Quelle ein wilder Auerochs stehen, mit dem mußt du kämpfen. Und wenn es dir glückt ihn zu tödten, so wird sich aus ihm ein feuriger Vogel erheben, der trägt in seinem Leib ein glühendes Ei, und in dem Ei steckt als Dotter die Krystallkugel. Er läßt aber das Ei nicht fallen, bis er dazu gedrängt wird, fällt es aber auf die Erde, so zündet es und verbrennt alles in seiner Nähe, und das Eis selbst zerschmilzt und mit ihm die krystallne Kugel, und all deine Mühe ist vergeblich gewesen.“ Der Jüngling stieg hinab zu der Quelle, wo der Auerochse schnaubte und ihn anbrüllte. Nach langem Kampf stieß er ihm sein Schwert in den Leib und er sank nieder. Augenblicklich erhob sich aus ihm der Feuervogel und wollte fort fliegen, aber der Adler, der Bruder des Jünglings, der zwischen den Wolken daher zog, stürzte auf ihn herab, jagte ihn nach dem Meer hin und stieß ihn mit seinem Schnabel an, so daß er in der Bedrängnis das Ei fallen ließ. Es fiel aber nicht in das Meer, sondern auf eine Fischerhütte, die am Ufer stand, und die fieng gleich an zu rauchen und wollte in Flammen aufgehen. Da erhoben sich im Meer haushohe Wellen, strömten über die Hütte und bezwangen das Feuer. Der andere Bruder, der Wallfisch, war heran geschwommen und hatte das Wasser in die Höhe getrieben. Als der Brand gelöscht war, suchte der Jüngling nach dem Ei und fand es glücklicher Weise: es war noch nicht geschmolzen, aber die Schaale war von der plötzlichen Abkühlung durch das kalte Wasser zerbröckelt und er konnte die Krystallkugel unversehrt heraus nehmen. Als der Jüngling zu dem Zauberer gieng und sie ihm vorhielt, so sagte dieser „meine Macht ist zerstört und du bist von nun an der König vom Schloß der goldenen Sonne. Auch deinen Brüdern kannst du die menschliche Gestalt damit zurück geben.“ Da eilte der Jüngling zu der Königstochter, und als er in ihr Zimmer trat, so stand sie da in vollem Glanz ihrer Schönheit, und beide wechselten voll Freude ihre Ringe mit einander.

Der junge Riese

90. Der junge Riese Ein Bauersmann hatte einen Sohn, der war so groß wie ein Daumen und ward gar nicht größer und wuchs in etlichen Jahren nicht ein Haarbreit. Einmal wollte der Bauer ins Feld gehen und pflügen, da sagte der Kleine „Vater, ich will mit hinaus.“ „Du willst mit hinaus?“ sprach der Vater, „bleib du hier, dort bist du zu nichts nutz: du könntest mir auch verloren gehen.“ Da fieng der Däumling an zu weinen, und um Ruhe zu haben, steckte ihn der Vater in die Tasche und nahm ihn mit. Draußen auf dem Felde holte er ihn wieder heraus und setzte ihn in eine frische Furche. Wie er da so saß, kam über den Berg ein großer Riese daher. „Siehst du dort den großen Butzemann?“ sagte der Vater, und wollte den Kleinen schrecken, damit er artig wäre, „der kommt und holt dich.“ Der Riese aber hatte mit seinen langen Beinen kaum ein paar Schritte gethan, so war er bei der Furche. Er hob den kleinen Däumling mit zwei Fingern behutsam in die Höhe, betrachtete ihn und gieng ohne ein Wort zu sprechen, mit ihm fort. Der Vater stand dabei, konnte vor Schrecken keinen Laut hervor bringen und dachte nicht anders als sein Kind für verloren, also daß ers sein Lebtag nicht wieder mit Augen sehen würde. Der Riese aber trug es heim und ließ es an seiner Brust saugen, und der Däumling wuchs und ward groß und stark nach Art der Riesen. Nach Verlauf von zwei Jahren gieng der Alte mit ihm in den Wald, wollte ihn versuchen und sprach „zieh dir eine Gerte heraus.“ Da war der Knabe schon so stark, daß er einen jungen Baum mit den Wurzeln aus der Erde riß. Der Riese aber meinte „das muß besser kommen,“ nahm ihn wieder mit, und säugte ihn noch zwei Jahre. Als er ihn versuchte, hatte seine Kraft schon so zugenommen, daß er einen alten Baum aus der Erde brechen konnte. Das war dem Riesen noch immer nicht genug, er säugte ihn abermals zwei Jahre, und als er dann mit ihm in den Wald gieng, und sprach „nun reiß einmal eine ordentliche Gerte aus,“ so riß der Junge den dicksten Eichenbaum aus der Erde, daß er krachte, und war ihm nur ein Spaß. „Nun ists genug,“ sprach der Riese, „du hast ausgelernt,“ und führte ihn zurück auf den Acker, wo er ihn geholt hatte. Sein Vater stand da hinter dem Pflug, der junge Riese gieng auf ihn zu und sprach „sieht er wohl, Vater, was sein Sohn für ein Mann geworden ist.“ Der Bauer erschrack, und sagte „nein, du bist mein Sohn nicht, ich will dich nicht, geh weg von mir.“ „Freilich bin ich sein Sohn, laß er mich an die Arbeit, ich kann pflügen so gut als er und noch besser.“ „Nein, nein, du bist mein Sohn nicht, du kannst auch nicht pflügen, geh weg von mir.“ Weil er sich aber vor dem großen Mann fürchtete, ließ er den Pflug los, trat zurück und setzte sich zur Seite ans Land. Da nahm der Junge das Geschirr und drückte blos mit einer Hand darauf, aber der Druck war so gewaltig, daß der Pflug tief in die Erde gieng. Der Bauer konnte das nicht mit ansehen und rief ihm zu „wenn du pflügen willst, mußt du nicht so gewaltig drücken, das gibt schlechte Arbeit.“ Der Junge aber spannte die Pferde aus, zog selber den Pflug und sagte „geh er nur nach Haus, Vater, und laß er die Mutter eine große Schüssel voll Essen kochen; ich will derweil den Acker schon umreißen.“ Da gieng der Bauer heim und bestellte das Essen bei seiner Frau: der Junge aber pflügte das Feld, zwei Morgen groß, ganz allein, und dann spannte er sich auch selber vor die Egge und eggte alles mit zwei Eggen zugleich. Wie er fertig war, gieng er in den Wald und riß zwei Eichenbäume aus, legte sie auf die Schultern, und hinten und vorn eine Egge darauf, und hinten und vorn auch ein Pferd, und trug das alles, als wär es ein Bund Stroh, nach seiner Eltern Haus. Wie er in den Hof kam, erkannte ihn seine Mutter nicht und fragte „wer ist der entsetzliche, große Mann?“ Der Bauer sagte „das ist unser Sohn.“ Sie sprach „nein, unser Sohn ist das nimmermehr, so groß haben wir keinen gehabt, unser war ein kleines Ding.“ Sie rief ihm zu „geh fort, wir wollen dich nicht.“ Der Junge schwieg still, zog seine Pferde in den Stall, gab ihnen Hafer und Heu, alles wie sichs gehörte. Als er fertig war, gieng er in die Stube, setzte sich auf die Bank und sagte „Mutter, nun hätte ich Lust zu essen, ists bald fertig?“ Da sagte sie „ja“ und brachte zwei große große Schüsseln voll herein, daran hätten sie und ihr Mann acht Tage lang satt gehabt. Der Junge aber aß sie allein auf und fragte ob sie nicht mehr vorsetzen könnte? „Nein,“ sagte sie, „das ist alles, was wir haben.“ „Das war ja nur zum Schmecken, ich muß mehr haben.“ Sie getraute nicht ihm zu widerstehen, gieng hin und setzte einen großen Schweinekessel voll übers Feuer, und wie es gahr war, trug sie es herein. „Endlich kommen noch ein paar Brocken“ sagte er und aß alles hinein; es war aber doch nicht genug seinen Hunger zu stillen. Da sprach er „Vater, ich sehe wohl, bei ihm werd ich nicht satt, will er mir einen Stab von Eisen verschaffen, der stark ist, und den ich vor meinen Knien nicht zerbrechen kann, so will ich fort in die Welt gehen.“ Der Bauer war froh, spannte seine zwei Pferde vor den Wagen und holte bei dem Schmied einen Stab so groß und dick, als ihn die zwei Pferde nur fort schaffen konnten. Der Junge nahm ihn vor die Knie, und ratsch! brach er ihn wie eine Bohnenstange in der Mitte entzwei und warf ihn weg. Der Vater spannte vier Pferde vor und holte einen Stab so groß und dick, als ihn die vier Pferde fort schaffen konnten. Der Sohn knickte auch diesen vor dem Knie entzwei, warf ihn hin und sprach „Vater, der kann mir nicht helfen, er muß besser vorspannen und einen stärkern Stab holen.“ Da spannte der Vater acht Pferde vor und holte einen so groß und dick, als ihn die acht Pferde herbei fahren konnten. Wie der Sohn den in die Hand nahm, brach er gleich oben ein Stück davon ab und sagte „Vater, ich sehe er kann mir keinen Stab anschaffen wie ich ihn brauche, ich will nicht länger bei ihm bleiben.“ Da gieng er fort und gab sich für einen Schmiedegesellen aus. Er kam in ein Dorf, darin wohnte ein Schmied, der war ein Geizmann, gönnte keinem Menschen etwas und wollte alles allein haben; zu dem trat er in die Schmiede und fragte ob er keinen Gesellen brauchte. „Ja“ sagte der Schmied, sah ihn an und dachte „das ist ein tüchtiger Kerl, der wird gut vorschlagen und sein Brot verdienen.“ Er fragte „wie viel willst du Lohn haben?“ „Gar keinen will ich haben,“ antwortete er, „nur alle vierzehn Tage, wenn die andern Gesellen ihren Lohn bezahlt kriegen, will ich dir zwei Streiche geben, die mußt du aushalten.“ Das war der Geizmann von Herzen zufrieden und dachte damit viel Geld zu sparen. Am andern Morgen sollte der fremde Geselle zuerst vorschlagen, wie aber der Meister den glühenden Stab brachte und jener den ersten Schlag that, so flog das Eisen von einander und der Ambos sank in die Erde, so tief, daß sie ihn gar nicht wieder heraus bringen konnten. Da ward der Geizmann bös und sagte „ei was, dich kann ich nicht brauchen, du schlägst gar zu grob, was willst du für den einen Zuschlag haben?“ Da sprach er „ich will dir nur einen ganz kleinen Streich geben, weiter nichts.“ Und hob seinen Fuß auf und gab ihm einen Tritt, daß er über vier Fuder Heu hinausflog. Darauf suchte er sich den dicksten Eisenstab aus, der in der Schmiede war, nahm ihn als einen Stock in die Hand und gieng weiter. Als er eine Weile gezogen war, kam er zu einem Vorwerk und fragte den Amtmann ob er keinen Großknecht nöthig hätte. „Ja,“ sagte der Amtmann, „ich kann einen brauchen: du siehst aus wie ein tüchtiger Kerl, der schon was vermag, wie viel willst du Jahrslohn haben?“ Er antwortete wiederum er verlangte gar keinen Lohn, aber alle Jahre wollte er ihm drei Streiche geben, die müßte er aushalten. Das war der Amtmann zufrieden, denn er war auch ein Geizhals. Am andern Morgen, da sollten die Knechte ins Holz fahren, und die andern Knechte waren schon auf, er aber lag noch im Bett. Da rief ihn einer an „steh auf, es ist Zeit, wir wollen ins Holz, und du mußt mit.“ „Ach,“ sagte er ganz grob und trotzig, „geht ihr nur hin, ich komme doch eher wieder als ihr alle mit einander.“ Da giengen die andern zum Amtmann und erzählten ihm der Großknecht läge noch im Bett und wollte nicht mit ins Holz fahren. Der Amtmann sagte sie sollten ihn noch einmal wecken und ihn heißen die Pferde vorspannen. Der Großknecht sprach aber wie vorher „geht ihr nur hin, ich komme doch eher wieder als ihr alle mit einander.“ Darauf blieb er noch zwei Stunden liegen, da stieg er endlich aus den Federn, holte sich aber erst zwei Scheffel voll Erbsen vom Boden, kochte sich einen Brei und aß den mit guter Ruhe, und wie das alles geschehen war, gieng er hin, spannte die Pferde vor und fuhr ins Holz. Nicht weit vor dem Holz war ein Hohlweg, wo er durch mußte, da fuhr er den Wagen erst vorwärts, dann mußten die Pferde stille halten, und er gieng hinter den Wagen, nahm Bäume und Reisig und machte da eine große Hucke (Verhack), so daß kein Pferd durchkommen konnte. Wie er nun vors Holz kam, fuhren die andern eben mit ihren beladenen Wagen heraus und wollten heim, da sprach er zu ihnen „fahrt nur hin, ich komme doch eher als ihr nach Haus.“ Er fuhr gar nicht weit ins Holz, riß gleich zwei der allergrößten Bäume aus der Erde, warf sie auf den Wagen und drehte um. Als er vor der Hucke anlangte, standen die andern noch da und konnten nicht durch. „Seht ihr wohl,“ sprach er, „wärt ihr bei mir geblieben, so wärt ihr eben so schnell nach Haus gekommen und hättet noch eine Stunde schlafen können.“ Er wollte nun zufahren, aber seine Pferde konnten sich nicht durcharbeiten, da spannte er sie aus, legte sie oben auf den Wagen, nahm selber die Deichsel in die Hand, und hüf! zog er alles durch, und das gieng so leicht als hätt er Federn geladen. Wie er drüben war, sprach er zu den andern „seht ihr wohl, ich bin schneller hindurch als ihr,“ fuhr weiter, und die andern mußten stehen bleiben. In dem Hof aber nahm er einen Baum in die Hand, zeigte ihn dem Amtmann und sagte „ist das nicht ein schönes Klafterstück?“ Da sprach der Amtmann zu seiner Frau „der Knecht ist gut; wenn er auch lang schläft, er ist doch eher wieder da als die andern.“ Nun diente er dem Amtmann ein Jahr: wie das herum war, und die andern Knechte ihren Lohn kriegten, sprach er es wäre Zeit, er wollte sich auch seinen Lohn nehmen. Dem Amtmann ward aber angst vor den Streichen, die er kriegen sollte, und bat ihn inständig er möchte sie ihm schenken, lieber wollte er selbst Großknecht werden, und er sollte Amtmann sein. „Nein,“ sprach er, „ich will kein Amtmann werden, ich bin Großknecht und wills bleiben, ich will aber austheilen was bedungen ist.“ Der Amtmann wollte ihm geben, was er nur verlangte, aber es half nichts, der Großknecht sprach zu allem „nein.“ Da wußte sich der Amtmann nicht zu helfen und bat ihn um vierzehn Tage Frist, er wollte sich auf etwas besinnen. Der Großknecht sprach die Frist sollte er haben. Der Amtmann berief alle seine Schreiber zusammen, sie sollten sich bedenken und ihm einen Rath geben. Die Schreiber besannen sich lange, endlich sagten sie vor dem Großknecht wäre niemand seines Lebens sicher, der schlüge einen Menschen wie eine Mücke todt. Er sollte ihn heißen in den Brunnen steigen und ihn reinigen, wenn er unten wäre, wollten sie einen von den Mühlensteinen, die da lägen, herbei rollen und ihm auf den Kopf werfen, dann würde er nicht wieder an des Tages Licht kommen. Der Rath gefiel dem Amtmann, und der Großknecht war bereit in den Brunnen hinab zu steigen. Als er unten auf dem Grund stand, rollten sie den größten Mühlstein hinab, und meinten der Kopf wäre ihm eingeschlagen, aber er rief „jagt die Hühner vom Brunnen weg, die kratzen da oben im Sand und werfen mir die Körner in die Augen, daß ich nicht sehen kann.“ Da rief der Amtmann „husch! husch!“ und that als scheuchte er die Hühner weg. Als der Großknecht mit seiner Arbeit fertig war, stieg er herauf und sagte „seht einmal, ich habe doch ein schönes Halsband um,“ da war es der Mühlenstein, den er um den Hals trug. Der Großknecht wollte jetzt seinen Lohn nehmen, aber der Amtmann bat wieder um vierzehn Tage Bedenkzeit. Die Schreiber kamen zusammen und gaben den Rath er sollte den Großknecht in die verwünschte Mühle schicken um dort in der Nacht Korn zu mahlen: von da wäre noch kein Mensch Morgens lebendig herausgekommen. Der Anschlag gefiel dem Amtmann, er rief den Großknecht noch denselben Abend und hieß ihn acht Malter Korn in die Mühle fahren und in der Nacht noch mahlen; sie hättens nöthig. Da gieng der Großknecht auf den Boden und that zwei Malter in seine rechte Tasche, zwei in die linke, vier nahm er in einem Quersack halb auf den Rücken, halb auf die Brust, und gieng also beladen nach der verwünschten Mühle. Der Müller sagte ihm bei Tag könnte er recht gut da mahlen, aber nicht in der Nacht, da wäre die Mühle verwünscht, und wer da noch hinein gegangen wäre, den hätte man am Morgen todt darin gefunden. Er sprach „ich will schon durchkommen, macht euch nur fort und legt euch aufs Ohr.“ Darauf gieng er in die Mühle und schüttete das Korn auf. Gegen elf Uhr gieng er in die Müllerstube und setzte sich auf die Bank. Als er ein Weilchen da gesessen hatte, that sich auf einmal die Thür auf und kam eine große große Tafel herein, und auf die Tafel stellte sich Wein und Braten, und viel gutes Essen, alles von selber, denn es war niemand da, ders auftrug. Und danach rückten sich die Stühle herbei, aber es kamen keine Leute, bis auf einmal sah er Finger, die handthierten mit den Messern und Gabeln und legten Speisen auf die Teller, aber sonst konnte er nichts sehen. Da er hungrig war und die Speisen sah, so setzte er sich auch an die Tafel, aß mit und ließ sichs gut schmecken. Als er satt war und die andern ihre Schüsseln auch ganz leer gemacht hatten, da wurden die Lichter auf einmal alle ausgeputzt, das hörte er deutlich, und wies nun stockfinster war, so kriegte er so etwas wie eine Ohrfeige ins Gesicht. Da sprach er „wenn noch einmal so etwas kommt, so theil ich auch wieder aus.“ Und wie er zum zweiten Mal eine Ohrfeige kriegte, da schlug er gleichfalls mit hinein. Und so gieng das fort die ganze Nacht, er nahm nichts umsonst, sondern gab reichlich zurück und schlug nicht faul um sich herum: bei Tagesanbruch aber hörte alles auf. Wie der Müller aufgestanden war, wollt er nach ihm sehen und verwunderte sich daß er noch lebte. Da sprach er „ich habe mich satt gegessen, habe Ohrfeigen gekriegt, aber ich habe auch Ohrfeigen ausgetheilt.“ Der Müller freute sich und sagte nun wäre die Mühle erlöst, und wollte ihm gern zur Belohnung viel Geld geben. Er sprach aber „Geld will ich nicht, ich habe doch genug.“ Dann nahm er sein Mehl auf den Rücken, gieng nach Haus und sagte dem Amtmann er hätte die Sache ausgerichtet und wollte nun seinen bedungenen Lohn haben. Wie der Amtmann das hörte, da ward ihm erst recht angst: er wußte sich nicht zu lassen, gieng in der Stube auf und ab, und die Schweißtropfen liefen ihm von der Stirne herunter. Da machte er das Fenster auf nach frischer Luft, eh er sichs aber versah, hatte ihm der Großknecht einen Tritt gegeben, daß er durchs Fenster in die Luft hinein flog, immer fort, bis ihn niemand mehr sehen konnte. Da sprach der Großknecht zur Frau des Amtmanns „kommt er nicht wieder, so müßt ihr den anderen Streich hinnehmen.“ Sie rief „nein, nein, ich kanns nicht aushalten,“ und machte das andere Fenster auf, weil ihr die Schweißtropfen die Stirne herunter liefen. Da gab er ihr einen Tritt, daß sie gleichfalls hinaus flog und da sie leichter war, noch viel höher als ihr Mann. Der Mann rief „komm doch zu mir,“ sie aber rief „komm du zu mir, ich kann nicht zu dir.“ Und sie schwebten da in der Luft, und konnte keins zum andern kommen, und ob sie da noch schweben, das weiß ich nicht; der junge Riese aber nahm seine Eisenstange und gieng weiter.

Die drei Männlein im Walde

13. Die drei Männlein im Walde Es war ein Mann, dem starb seine Frau, und eine Frau, der starb ihr Mann; und der Mann hatte eine Tochter, und die Frau hatte auch eine Tochter. Die Mädchen waren mit einander bekannt und giengen zusammen spazieren und kamen hernach zu der Frau ins Haus. Da sprach sie zu des Mannes Tochter „hör, sage deinem Vater, ich wollt ihn heirathen, dann sollst du jeden Morgen dich in Milch waschen und Wein trinken, meine Tochter aber soll sich in Wasser waschen und Wasser trinken.“ Das Mädchen gieng nach Haus und erzählte seinem Vater was die Frau gesagt hatte. Der Mann sprach „was soll ich thun? das Heirathen ist eine Freude und ist auch eine Qual.“ Endlich, weil er keinen Entschluß fassen konnte, zog er seinen Stiefel aus und sagte „nimm diesen Stiefel, der hat in der Sohle ein Loch, geh damit auf den Boden, häng ihn an den großen Nagel und gieß dann Wasser hinein. Hält er das Wasser, so will ich wieder eine Frau nehmen, läufts aber durch, so will ich nicht.“ Das Mädchen that wie ihm geheißen war: aber das Wasser zog das Loch zusammen, und der Stiefel ward voll bis obenhin. Es verkündigte seinem Vater wies ausgefallen war. Da stieg er selbst hinauf, und als er sah daß es seine Richtigkeit hatte, gieng er zu der Wittwe und freite sie, und die Hochzeit ward gehalten. Am andern Morgen, als die beiden Mädchen sich aufmachten, da stand vor des Mannes Tochter Milch zum Waschen und Wein zum Trinken, vor der Frau Tochter aber stand Wasser zum Waschen und Wasser zum Trinken. Am zweiten Morgen stand Wasser zum Waschen und Wasser zum Trinken so gut vor des Mannes Tochter als vor der Frau Tochter. Und am dritten Morgen stand Wasser zum Waschen und Wasser zum Trinken vor des Mannes Tochter, und Milch zum Waschen und Wein zum Trinken vor der Frau Tochter, und dabei bliebs. Die Frau ward ihrer Stieftochter spinnefeind und wußte nicht wie sie es ihr von einem Tag zum andern schlimmer machen sollte. Auch war sie neidisch, weil ihre Stieftochter schön und lieblich war, ihre rechte Tochter aber häßlich und widerlich. Einmal im Winter, als es steinhart gefroren hatte und Berg und Thal vollgeschneit lag, machte die Frau ein Kleid von Papier, rief das Mädchen und sprach „da zieh das Kleid an, geh hinaus in den Wald und hol mir ein Körbchen voll Erdbeeren; ich habe Verlangen danach.“ „Du lieber Gott,“ sagte das Mädchen, „im Winter wachsen ja keine Erdbeeren, die Erde ist gefroren, und der Schnee hat auch alles zugedeckt. Und warum soll ich in dem Papierkleide gehen? es ist draußen so kalt, daß einem der Athem friert: da weht ja der Wind hindurch und die Dornen reißen mirs vom Leib.“ „Willst du mir noch widersprechen?“ sagte die Stiefmutter, „mach daß du fortkommst, und laß dich nicht eher wieder sehen als bis du das Körbchen voll Erdbeeren hast.“ Dann gab sie ihm noch ein Stückchen hartes Brot und sprach „davon kannst du den Tag über essen,“ und dachte „draußen wirds erfrieren und verhungern und mir nimmermehr wieder vor die Augen kommen.“ Nun war das Mädchen gehorsam, that das Papierkleid an und gieng mit dem Körbchen hinaus. Da war nichts als Schnee die Weite und Breite, und war kein grünes Hälmchen zu merken. Als es in den Wald kam, sah es ein kleines Häuschen, daraus guckten drei kleine Haulemännerchen. Es wünschte ihnen die Tageszeit und klopfte bescheidenlich an die Thür. Sie riefen herein, und es trat in die Stube und setzte sich auf die Bank am Ofen, da wollte es sich wärmen und sein Frühstück essen. Die Haulemännerchen sprachen „gib uns auch etwas davon.“ „Gerne“ sprach es, theilte sein Stückchen Brot entzwei und gab ihnen die Hälfte. Sie fragten „was willst du zur Winterzeit in deinem dünnen Kleidchen hier im Wald?“ „Ach,“ antwortete es, „ich soll ein Körbchen voll Erdbeeren suchen, und darf nicht eher nach Hause kommen als bis ich es mitbringe.“ Als es sein Brot gegessen hatte, gaben sie ihm einen Besen und sprachen „kehre damit an der Hinterthüre den Schnee weg.“ Wie es aber draußen war, sprachen die drei Männerchen untereinander „was sollen wir ihm schenken, weil es so artig und gut ist und sein Brot mit uns getheilt hat?“ Da sagte der erste „ich schenk ihm daß es jeden Tag schöner wird.“ Der zweite sprach „ich schenk ihm daß Goldstücke ihm aus dem Mund fallen, so oft es ein Wort spricht.“ Der dritte sprach „ich schenk ihm daß ein König kommt und es zu seiner Gemahlin nimmt.“ Das Mädchen aber that wie die Haulemännerchen gesagt hatten, kehrte mit dem Besen den Schnee hinter dem kleinen Hause weg, und was glaubt ihr wohl daß es gefunden hat? lauter reife Erdbeeren, die ganz dunkelroth aus dem Schnee hervor kamen. Da raffte es in seiner Freude sein Körbchen voll, dankte den kleinen Männern, gab jedem die Hand und lief nach Haus, und wollte der Stiefmutter das Verlangte bringen. Wie es eintrat und „guten Abend“ sagte, fiel ihm gleich ein Goldstück aus dem Mund. Darauf erzählte es was ihm im Walde begegnet war, aber bei jedem Worte, das es sprach, fielen ihm die Goldstücke aus dem Mund, so daß bald die ganze Stube damit bedeckt ward. „Nun sehe einer den Übermuth,“ rief die Stiefschwester, „das Geld so hinzuwerfen,“ aber heimlich war sie neidisch darüber und wollte auch hinaus in den Wald und Erdbeeren suchen. Die Mutter: „nein, mein liebes Töchterchen, es ist zu kalt, du könntest mir erfrieren.“ Weil sie ihr aber keine Ruhe ließ, gab sie endlich nach, nähte ihm einen prächtigen Pelzrock, den es anziehen mußte, und gab ihm Butterbrot und Kuchen mit auf den Weg. Das Mädchen gieng in den Wald und gerade auf das kleine Häuschen zu. Die drei kleinen Haulemänner guckten wieder, aber es grüßte sie nicht, und, ohne sich nach ihnen umzusehen und ohne sie zu grüßen, stolperte es in die Stube hinein, setzte sich an den Ofen und fieng an sein Butterbrot und seinen Kuchen zu essen. „Gib uns etwas davon,“ riefen die Kleinen, aber es antwortete „es schickt mir selber nicht, wie kann ich andern noch davon abgeben?“ Als es nun fertig war mit dem Essen, sprachen sie „da hast du einen Besen, kehr uns draußen vor der Hinterthür rein.“ „Ei, kehrt euch selber,“ antwortete es, „ich bin eure Magd nicht.“ Wie es sah daß sie ihm nichts schenken wollten, gieng es zur Thüre hinaus. Da sprachen die kleinen Männer untereinander „was sollen wir ihm schenken, weil es so unartig ist und ein böses neidisches Herz hat, das niemand etwas gönnt?“ Der erste sprach „ich schenk ihm daß es jeden Tag häßlicher wird.“ Der zweite sprach „ich schenk ihm daß ihm bei jedem Wort, das es spricht, eine Kröte aus dem Munde springt.“ Der dritte sprach „ich schenk ihm daß es eines unglücklichen Todes stirbt.“ Das Mädchen suchte draußen nach Erdbeeren, als es aber keine fand, gieng es verdrießlich nach Haus. Und wie es den Mund aufthat und seiner Mutter erzählen wollte was ihm im Walde begegnet war, da sprang ihm bei jedem Wort eine Kröte aus dem Mund, so daß alle einen Abscheu vor ihm bekamen. Nun ärgerte sich die Stiefmutter noch viel mehr und dachte nur darauf wie sie der Tochter des Mannes alles Herzeleid anthun wollte, deren Schönheit doch alle Tage größer ward. Endlich nahm sie einen Kessel, setzte ihn zum Feuer und sott Garn darin. Als es gesotten war, hieng sie es dem armen Mädchen auf die Schulter, und gab ihm eine Axt dazu, damit sollte es auf den gefrornen Fluß gehen, ein Eisloch hauen und das Garn schlittern. Es war gehorsam, gieng hin und hackte ein Loch in das Eis, und als es mitten im Hacken war, kam ein prächtiger Wagen hergefahren, worin der König saß. Der Wagen hielt still und der König fragte „mein Kind, wer bist du und was machst du da?“ „Ich bin ein armes Mädchen und schlittere Garn.“ Da fühlte der König Mitleiden, und als er sah wie es so gar schön war, sprach er „willst du mit mir fahren?“ „Ach ja, von Herzen gern,“ antwortete es, denn es war froh daß es der Mutter und Schwester aus den Augen kommen sollte. Also stieg es in den Wagen und fuhr mit dem König fort, und als sie auf sein Schloß gekommen waren, ward die Hochzeit mit großer Pracht gefeiert, wie es die kleinen Männlein dem Mädchen geschenkt hatten. Über ein Jahr gebar die junge Königin einen Sohn, und als die Stiefmutter von dem großen Glücke gehört hatte, so kam sie mit ihrer Tochter in das Schloß und that als wollte sie einen Besuch machen. Als aber der König einmal hinausgegangen und sonst niemand zugegen war, packte das böse Weib die Königin am Kopf, und ihre Tochter packte sie an den Füßen, hoben sie aus dem Bett und warfen sie zum Fenster hinaus in den vorbei fließenden Strom. Darauf legte sich ihre häßliche Tochter ins Bett, und die Alte deckte sie zu bis über den Kopf. Als der König wieder zurück kam und mit seiner Frau sprechen wollte, rief die Alte „still, still, jetzt geht das nicht, sie liegt in starkem Schweiß, ihr müßt sie heute ruhen lassen.“ Der König dachte nichts Böses dabei und kam erst den andern Morgen wieder, und wie er mit seiner Frau sprach, und sie ihm Antwort gab, sprang bei jedem Wort eine Kröte hervor, während sonst ein Goldstück heraus gefallen war. Da fragte er was das wäre, aber die Alte sprach das hätte sie von dem starken Schweiß gekriegt, und würde sich schon wieder verlieren. In der Nacht aber sah der Küchenjunge wie eine Ente durch die Gosse geschwommen kam, die sprach „König, was machst du? schläfst du oder wachst du?“ Und als er keine Antwort gab, sprach sie „was machen meine Gäste?“ Da antwortete der Küchenjunge „sie schlafen feste.“ Fragte sie weiter „was macht mein Kindelein?“ Antwortete er „es schläft in der Wiege fein.“ Da gieng sie in der Königin Gestalt hinauf, gab ihm zu trinken, schüttelte ihm sein Bettchen, deckte es zu und schwamm als Ente wieder durch die Gosse fort. So kam sie zwei Nächte, in der dritten sprach sie zu dem Küchenjungen „geh und sage dem König daß er sein Schwert nimmt und auf der Schwelle dreimal über mir schwingt.“ Da lief der Küchenjunge und sagte es dem König, der kam mit seinem Schwert und schwang es dreimal über dem Geist: und beim drittenmal stand seine Gemahlin vor ihm, frisch, lebendig und gesund, wie sie vorher gewesen war. Nun war der König in großer Freude, er hielt aber die Königin in einer Kammer verborgen bis auf den Sonntag, wo das Kind getauft werden sollte. Und als es getauft war, sprach er „was gehört einem Menschen, der den andern aus dem Bett trägt und ins Wasser wirft?“ „Nichts besseres,“ antwortete die Alte, „als daß man den Bösewicht in ein Faß steckt, das mit Nägeln ausgeschlagen ist, und den Berg hinab ins Wasser rollt.“ Da sagte der König „du hast dein Urtheil gesprochen,“ ließ ein solches Faß holen und die Alte mit ihrer Tochter hineinstecken, dann ward der Boden zugehämmert und das Faß bergab gekullert, bis es in den Fluß rollte.

Frau Holle

24. Frau Holle Eine Wittwe hatte zwei Töchter, davon war die eine schön und fleißig, die andere häßlich und faul. Sie hatte aber die häßliche und faule, weil sie ihre rechte Tochter war, viel lieber, und die andere mußte alle Arbeit thun und der Aschenputtel im Hause sein. Das arme Mädchen mußte sich täglich auf die große Straße bei einem Brunnen setzen, und mußte so viel spinnen, daß ihm das Blut aus den Fingern sprang. Nun trug es sich zu, daß die Spule einmal ganz blutig war, da bückte es sich damit in den Brunnen und wollte sie abwaschen: sie sprang ihm aber aus der Hand und fiel hinab. Es weinte, lief zur Stiefmutter und erzählte ihr das Unglück. Sie schalt es aber so heftig und war so unbarmherzig, daß sie sprach „hast du die Spule hinunterfallen lassen, so hol sie auch wieder herauf.“ Da gieng das Mädchen zu dem Brunnen zurück und wußte nicht was es anfangen sollte: und in seiner Herzensangst sprang es in den Brunnen hinein, um die Spule zu holen. Es verlor die Besinnung, und als es erwachte und wieder zu sich selber kam, war es auf einer schönen Wiese wo die Sonne schien und viel tausend Blumen standen. Auf dieser Wiese gieng es fort und kam zu einem Backofen, der war voller Brot; das Brot aber rief „ach, zieh mich raus, zieh mich raus, sonst verbrenn ich: ich bin schon längst ausgebacken.“ Da trat es herzu, und holte mit dem Brotschieber alles nach einander heraus. Danach gieng es weiter und kam zu einem Baum, der hieng voll Äpfel, und rief ihm zu „ach schüttel mich, schüttel mich, wir Äpfel sind alle mit einander reif.“ Da schüttelte es den Baum, daß die Äpfel fielen als regneten sie, und schüttelte bis keiner mehr oben war; und als es alle in einen Haufen zusammengelegt hatte, gieng es wieder weiter. Endlich kam es zu einem kleinen Haus, daraus guckte eine alte Frau, weil sie aber so große Zähne hatte, ward ihm angst, und es wollte fortlaufen. Die alte Frau aber rief ihm nach „was fürchtest du dich, liebes Kind? bleib bei mir, wenn du alle Arbeit im Hause ordentlich thun willst, so soll dirs gut gehn. Du mußt nur Acht geben daß du mein Bett gut machst und es fleißig aufschüttelst, daß die Federn fliegen, dann schneit es in der Welt; ich bin die Frau Holle.“ Weil die Alte ihm so gut zusprach, so faßte sich das Mädchen ein Herz, willigte ein und begab sich in ihren Dienst. Es besorgte auch alles nach ihrer Zufriedenheit, und schüttelte ihr das Bett immer gewaltig auf daß die Federn wie Schneeflocken umher flogen; dafür hatte es auch ein gut Leben bei ihr, kein böses Wort, und alle Tage Gesottenes und Gebratenes. Nun war es eine Zeitlang bei der Frau Holle, da ward es traurig und wußte anfangs selbst nicht was ihm fehlte, endlich merkte es daß es Heimweh war; ob es ihm hier gleich viel tausendmal besser gieng als zu Haus, so hatte es doch ein Verlangen dahin. Endlich sagte es zu ihr „ich habe den Jammer nach Haus kriegt, und wenn es mir auch noch so gut hier unten geht, so kann ich doch nicht länger bleiben, ich muß wieder hinauf zu den Meinigen.“ Die Frau Holle sagte „es gefällt mir, daß du wieder nach Haus verlangst, und weil du mir so treu gedient hast, so will ich dich selbst wieder hinauf bringen.“ Sie nahm es darauf bei der Hand und führte es vor ein großes Thor. Das Thor ward aufgethan, und wie das Mädchen gerade darunter stand, fiel ein gewaltiger Goldregen, und alles Gold blieb an ihm hängen, so daß es über und über davon bedeckt war. „Das sollst du haben, weil du so fleißig gewesen bist“ sprach die Frau Holle und gab ihm auch die Spule wieder, die ihm in den Brunnen gefallen war. Darauf ward das Thor verschlossen, und das Mädchen befand sich oben auf der Welt, nicht weit von seiner Mutter Haus: und als es in den Hof kam, saß der Hahn auf dem Brunnen und rief „kikeriki, unsere goldene Jungfrau ist wieder hie.“ Da gieng es hinein zu seiner Mutter, und weil es so mit Gold bedeckt ankam, ward es von ihr und der Schwester gut aufgenommen. Das Mädchen erzählte alles, was ihm begegnet war, und als die Mutter hörte wie es zu dem großen Reichthum gekommen war, wollte sie der andern häßlichen und faulen Tochter gerne dasselbe Glück verschaffen. Sie mußte sich an den Brunnen setzen und spinnen; und damit ihre Spule blutig ward, stach sie sich in die Finger und stieß sich die Hand in die Dornhecke. Dann warf sie die Spule in den Brunnen und sprang selber hinein. Sie kam, wie die andere, auf die schöne Wiese und gieng auf demselben Pfade weiter. Als sie zu dem Backofen gelangte, schrie das Brot wieder „ach, zieh mich raus, zieh mich raus, sonst verbrenn ich, ich bin schon längst ausgebacken.“ Die Faule aber antwortete „da hätt ich Lust mich schmutzig zu machen,“ und gieng fort. Bald kam sie zu dem Apfelbaum, der rief „ach, schüttel mich, schüttel mich, wir Äpfel sind alle mit einander reif.“ Sie antwortete aber „du kommst mir recht, es könnte mir einer auf den Kopf fallen,“ und gieng damit weiter. Als sie vor der Frau Holle Haus kam, fürchtete sie sich nicht, weil sie von ihren großen Zähnen schon gehört hatte, und verdingte sich gleich zu ihr. Am ersten Tag that sie sich Gewalt an, war fleißig und folgte der Frau Holle, wenn sie ihr etwas sagte, denn sie dachte an das viele Gold, das sie ihr schenken würde; am zweiten Tag aber fieng sie schon an zu faullenzen, am dritten noch mehr, da wollte sie Morgens gar nicht aufstehen. Sie machte auch der Frau Holle das Bett nicht wie sichs gebührte, und schüttelte es nicht, daß die Federn aufflogen. Das ward die Frau Holle bald müde und sagte ihr den Dienst auf. Die Faule war das wohl zufrieden und meinte nun würde der Goldregen kommen; die Frau Holle führte sie auch zu dem Thor, als sie aber darunter stand, ward statt des Goldes ein großer Kessel voll Pech ausgeschüttet. „Das ist zur Belohnung deiner Dienste“ sagte die Frau Holle und schloß das Thor zu. Da kam die Faule heim, aber sie war ganz mit Pech bedeckt, und der Hahn auf dem Brunnen, als er sie sah, rief „kikeriki, unsere schmutzige Jungfrau ist wieder hie.“ Das Pech aber blieb fest an ihr hängen und wollte, so lange sie lebte, nicht abgehen.

Eisenhans

136. Der Eisenhans Es war einmal ein König, der hatte einen großen Wald bei seinem Schloß, darin lief Wild aller Art herum. Zu einer Zeit schickte er einen Jäger hinaus, der sollte ein Reh schießen, aber er kam nicht wieder. „Vielleicht ist ihm ein Unglück zugestoßen,“ sagte der König, und schickte den folgenden Tag zwei andere Jäger hinaus, die sollten ihn auf suchen, aber die blieben auch weg. Da ließ er am dritten Tag alle seine Jäger kommen und sprach „streift durch den ganzen Wald und laßt nicht ab bis ihr sie alle drei gefunden habt.“ Aber auch von diesen kam keiner wieder heim, und von der Meute Hunde, die sie mitgenommen hatten, ließ sich keiner wieder sehen. Von der Zeit an wollte sich niemand mehr in den Wald wagen, und er lag da in tiefer Stille und Einsamkeit, und man sah nur zuweilen einen Adler oder Habicht darüber hin fliegen. Das dauerte viele Jahre, da meldete sich ein fremder Jäger bei dem König, suchte eine Versorgung und erbot sich in den gefährlichen Wald zu gehen. Der König aber wollte seine Einwilligung nicht geben und sprach „es ist nicht geheuer darin, ich fürchte es geht dir nicht besser als den andern, und du kommst nicht wieder heraus.“ Der Jäger antwortete „Herr, ich wills auf meine Gefahr wagen: von Furcht weiß ich nichts.“ Der Jäger begab sich also mit seinem Hund in den Wald. Es dauerte nicht lange, so gerieth der Hund einem Wild auf die Fährte und wollte hinter ihm her: kaum aber war er ein paar Schritte gelaufen, so stand er vor einem tiefen Pfuhl, konnte nicht weiter und ein nackter Arm streckte sich aus dem Wasser, packte ihn und zog ihn hinab. Als der Jäger das sah, gieng er zurück und holte drei Männer, die mußten mit Eimern kommen und das Wasser ausschöpfen. Als sie auf den Grund sehen konnten, so lag da ein wilder Mann, der braun am Leib war, wie rostiges Eisen, und dem die Haare über das Gesicht bis zu den Knieen herab hiengen. Sie banden ihn mit Stricken und führten ihn fort, in das Schloß. Da war große Verwunderung über den wilden Mann, der König aber ließ ihn in einen eisernen Käfig auf seinen Hof setzen und verbot bei Lebensstrafe die Thüre des Käfigs zu öffnen, und die Königin mußte den Schlüssel selbst in Verwahrung nehmen. Von nun an konnte ein jeder wieder mit Sicherheit in den Wald gehen. Der König hatte einen Sohn von acht Jahren, der spielte einmal auf dem Hof, und bei dem Spiel fiel ihm sein goldener Ball in den Käfig. Der Knabe lief hin und sprach „gib mir meinen Ball heraus.“ „Nicht eher,“ antwortete der Mann, „als bis du mir die Thüre aufgemacht hast.“ „Nein,“ sagte der Knabe, „das thue ich nicht, das hat der König verboten,“ und lief fort. Am andern Tag kam er wieder und forderte seinen Ball: der wilde Mann sagte „öffne meine Thüre,“ aber der Knabe wollte nicht. Am dritten Tag war der König auf die Jagd geritten, da kam der Knabe nochmals und sagte „wenn ich auch wollte, ich kann die Thüre nicht öffnen, ich habe den Schlüssel nicht.“ Da sprach der wilde Mann „er liegt unter dem Kopfkissen deiner Mutter, da kannst du ihn holen.“ Der Knabe, der seinen Ball wieder haben wollte, schlug alles Bedenken in den Wind und brachte den Schlüssel herbei. Die Thüre gieng schwer auf, und der Knabe klemmte sich den Finger. Als sie offen war, trat der wilde Mann heraus, gab ihm den goldenen Ball und eilte hinweg. Dem Knaben war angst geworden, er schrie und rief ihm nach „ach, wilder Mann, geh nicht fort, sonst bekomme ich Schläge.“ Der wilde Mann kehrte um, hob ihn auf, setzte ihn auf seinen Nacken und gieng mit schnellen Schritten in den Wald hinein. Als der König heim kam, bemerkte er den leeren Käfig und fragte die Königin wie das zugegangen wäre. Sie wußte nichts davon, suchte den Schlüssel, aber er war weg. Sie rief den Knaben, aber niemand antwortete. Der König schickte Leute aus, die ihn auf dem Feld suchen sollten, aber sie fanden ihn nicht. Da konnte er leicht errathen was geschehen war, und es herrschte große Trauer an dem königlichen Hof. Als der wilde Mann wieder in dem finstern Wald angelangt war, so setzte er den Knaben von den Schultern herab und sprach zu ihm „Vater und Mutter siehst du nicht wieder, aber ich will dich bei mir behalten, denn du hast mich befreit, und ich habe Mitleid mit dir. Wenn du alles thust, was ich dir sage, so sollst dus gut haben. Schätze und Gold habe ich genug und mehr als jemand in der Welt.“ Er machte dem Knaben ein Lager von Moos, auf dem er einschlief, und am andern Morgen führte ihn der Mann zu einem Brunnen und sprach „siehst du der Goldbrunnen ist hell und klar wie Krystall: du sollst dabei sitzen und acht haben daß nichts hinein fällt, sonst ist er verunehrt. Jeden Abend komme ich und sehe ob du mein Gebot befolgt hast.“ Der Knabe setzte sich an den Rand des Brunnens, sah wie manchmal ein goldner Fisch, manchmal eine goldne Schlange sich darin zeigte, und hatte acht daß nichts hinein fiel. Als er so saß, schmerzte ihn einmal der Finger so heftig daß er ihn unwillkürlich in das Wasser steckte. Er zog ihn schnell wieder heraus, sah aber daß er ganz vergoldet war, und wie große Mühe er sich gab das Gold wieder abzuwischen, es war alles vergeblich. Abends kam der Eisenhans zurück, sah den Knaben an und sprach „was ist mit dem Brunnen geschehen?“ „Nichts, nichts“ antwortete er und hielt den Finger auf den Rücken, daß er ihn nicht sehen sollte. Aber der Mann sagte „du hast den Finger in das Wasser getaucht: diesmal mags hingehen, aber hüte dich daß du nicht wieder etwas hinein fallen läßt.“ Am frühsten Morgen saß er schon bei dem Brunnen und bewachte ihn. Der Finger that ihm wieder weh und er fuhr damit über seinen Kopf, da fiel unglücklicher Weise ein Haar herab in den Brunnen. Er nahm es schnell heraus, aber es war schon ganz vergoldet. Der Eisenhans kam und wußte schon was geschehen war. „Du hast ein Haar in den Brunnen fallen lassen,“ sagte er, „ich will dirs noch einmal nachsehen, aber wenns zum drittenmal geschieht, so ist der Brunnen entehrt, und du kannst nicht länger bei mir bleiben.“ Am dritten Tag saß der Knabe am Brunnen, und bewegte den Finger nicht, wenn er ihm noch so weh that. Aber die Zeit ward ihm lang, und er betrachtete sein Angesicht, das auf dem Wasserspiegel stand. Und als er sich dabei immer mehr beugte, und sich recht in die Augen sehen wollte, so fielen ihm seine langen Haare von den Schultern herab in das Wasser. Er richtete sich schnell in die Höhe, aber das ganze Haupthaar war schon vergoldet und glänzte wie eine Sonne. Ihr könnt denken wie der arme Knabe erschrack. Er nahm sein Taschentuch und band es um den Kopf, damit es der Mann nicht sehen sollte. Als er kam, wußte er schon alles und sprach „binde das Tuch auf.“ Da quollen die goldenen Haare hervor und der Knabe mochte sich entschuldigen, wie er wollte, es half ihm nichts. „Du hast die Probe nicht bestanden und kannst nicht länger hier bleiben. Geh hinaus in die Welt, da wirst du erfahren, wie die Armuth thut. Aber weil du kein böses Herz hast und ichs gut mit dir meine, so will ich dir eins erlauben: wenn du in Noth geräthst, so geh zu dem Wald und rufe „Eisenhans,“ dann will ich kommen und dir helfen. Meine Macht ist groß, größer als du denkst, und Gold und Silber habe ich im Überfluß.“ Da verließ der Königssohn den Wald und gieng über gebahnte und ungebahnte Wege immer zu, bis er zuletzt in eine große Stadt kam. Er suchte da Arbeit, aber er konnte keine finden und hatte auch nichts erlernt, womit er sich hätte forthelfen können. Endlich gieng er in das Schloß und fragte ob sie ihn behalten wollten. Die Hofleute wußten nicht wozu sie ihn brauchen sollten, aber sie hatten Wohlgefallen an ihm und hießen ihn bleiben. Zuletzt nahm ihn der Koch in Dienst und sagte er könnte Holz und Wasser tragen und die Asche zusammen kehren. Einmal, als gerade kein anderer zur Hand war, hieß ihn der Koch die Speisen zur königlichen Tafel tragen, da er aber seine goldenen Haare nicht wollte sehen lassen, so behielt er sein Hütchen auf. Dem König war so etwas noch nicht vorgekommen, und er sprach „wenn du zur königlichen Tafel kommst, mußt du deinen Hut abziehen.“ „Ach Herr,“ antwortete er, „ich kann nicht, ich habe einen bösen Grind auf dem Kopf.“ Da ließ der König den Koch herbei rufen, schalt ihn und fragte wie er einen solchen Jungen hätte in seinen Dienst nehmen können; er sollte ihn gleich fortjagen. Der Koch aber hatte Mitleiden mit ihm und vertauschte ihn mit dem Gärtnerjungen. Nun mußte der Junge im Garten pflanzen und begießen, hacken und graben, und Wind und böses Wetter über sich ergehen lassen. Einmal im Sommer als er allein im Garten arbeitete, war der Tag so heiß daß er sein Hütchen abnahm und die Luft ihn kühlen sollte. Wie die Sonne auf das Haar schien, glitzte und blitzte es daß die Strahlen in das Schlafzimmer der Königstochter fielen und sie aufsprang um zu sehen was das wäre. Da erblickte sie den Jungen und rief ihn an „Junge, bring mir einen Blumenstrauß.“ Er setzte in aller Eile sein Hütchen auf, brach wilde Feldblumen ab und band sie zusammen. Als er damit die Treppe hinauf stieg, begegnete ihm der Gärtner und sprach „wie kannst du der Königstochter einen Strauß von schlechten Blumen bringen? geschwind hole andere, und suche die schönsten und seltensten aus.“ „Ach nein,“ antwortete der Junge, „die wilden riechen kräftiger und werden ihr besser gefallen.“ Als er in ihr Zimmer kam, sprach die Königstochter „nimm dein Hütchen ab, es ziemt sich nicht daß du ihn vor mir auf behältst.“ Er antwortete wieder „ich darf nicht, ich habe einen grindigen Kopf.“ Sie griff aber nach dem Hütchen und zog es ab, da rollten seine goldenen Haare auf die Schultern herab, daß es prächtig anzusehen war. Er wollte fortspringen, aber sie hielt ihn am Arm und gab ihm eine Hand voll Dukaten. Er gieng damit fort, achtete aber des Goldes nicht, sondern er brachte es dem Gärtner und sprach „ich schenke es deinen Kindern, die können damit spielen.“ Den andern Tag rief ihm die Königstochter abermals zu er sollte ihr einen Strauß Feldblumen bringen, und als er damit eintrat, grapste sie gleich nach seinem Hütchen und wollte es ihm wegnehmen, aber er hielt es mit beiden Händen fest. Sie gab ihm wieder eine Hand voll Dukaten, aber er wollte sie nicht behalten und gab sie dem Gärtner zum Spielwerk für seine Kinder. Den dritten Tag giengs nicht anders, sie konnte ihm sein Hütchen nicht weg nehmen, und er wollte ihr Gold nicht. Nicht lange danach ward das Land mit Krieg überzogen. Der König sammelte sein Volk und wußte nicht ob er dem Feind, der übermächtig war und ein großes Heer hatte, Widerstand leisten könnte. Da sagte der Gärtnerjunge „ich bin herangewachsen und will mit in den Krieg ziehen, gebt mir nur ein Pferd.“ Die andern lachten und sprachen „wenn wir fort sind, so suche dir eins: wir wollen dir eins im Stall zurück lassen.“ Als sie ausgezogen waren, gieng er in den Stall und zog das Pferd heraus; es war an einem Fuß lahm und hickelte hunkepuus, hunkepuus. Dennoch setzte er sich auf und ritt fort nach dem dunkeln Wald. Als er an den Rand desselben gekommen war, rief er dreimal Eisenhans so laut daß es durch die Bäume schallte. Gleich darauf erschien der wilde Mann und sprach „was verlangst du?“ „Ich verlange ein starkes Roß, denn ich will in den Krieg ziehen.“ „Das sollst du haben und noch mehr als du verlangst.“ Dann gieng der wilde Mann in den Wald zurück, und es dauerte nicht lange, so kam ein Stallknecht aus dem Wald und führte ein Roß herbei, das schnaubte aus den Nüstern, und war kaum zu bändigen. Und hinterher folgte eine große Schaar Kriegsvolk, ganz in Eisen gerüstet, und ihre Schwerter blitzten in der Sonne. Der Jüngling übergab dem Stallknecht sein dreibeiniges Pferd, bestieg das andere und ritt vor der Schaar her. Als er sich dem Schlachtfeld näherte, war schon ein großer Theil von des Königs Leuten gefallen und es fehlte nicht viel, so mußten die übrigen weichen. Da jagte der Jüngling mit seiner eisernen Schaar heran, fuhr wie ein Wetter über die Feinde und schlug alles nieder was sich ihm widersetzte. Sie wollten fliehen, aber der Jüngling saß ihnen auf dem Nacken und ließ nicht ab bis kein Mann mehr übrig war. Statt aber zu dem König zurück zu kehren, führte er seine Schaar auf Umwegen wieder zu dem Wald und rief den Eisenhans heraus. „Was verlangst du?“ fragte der wilde Mann. „Nimm dein Roß und deine Schaar zurück und gib mir mein dreibeiniges Pferd wieder.“ Es geschah alles, was er verlangte, und ritt auf seinem dreibeinigen Pferd heim. Als der König wieder in sein Schloß kam, gieng ihm seine Tochter entgegen und wünschte ihm Glück zu seinem Sieg. „Ich bin es nicht, der den Sieg davon getragen hat“ sprach er „sondern ein fremder Ritter, der mir mit seiner Schaar zu Hilfe kam.“ Die Tochter wollte wissen wer der fremde Ritter wäre, aber der König wußte es nicht und sagte „er hat die Feinde verfolgt, und ich habe ihn nicht wieder gesehen.“ Sie erkundigte sich bei dem Gärtner nach seinem Jungen: der lachte aber und sprach „eben ist er auf seinem dreibeinigen Pferd heim gekommen, und die andern haben gespottet und gerufen „da kommt unser Hunkepuus wieder an.“ Sie fragten auch „hinter welcher Hecke hast du derweil gelegen und geschlafen?“ Er sprach aber „ich habe das beste gethan, und ohne mich wäre es schlecht gegangen.“ Da ward er noch mehr ausgelacht.“ Der König sprach zu seiner Tochter „ich will ein großes Fest ansagen lassen, das drei Tage währen soll, und du sollst einen goldenen Apfel werfen: vielleicht kommt der unbekannte herbei.“ Als das Fest verkündigt war, gieng der Jüngling hinaus zu dem Wald und rief den Eisenhans. „Was verlangst du?“ fragte er. „Daß ich den goldenen Apfel der Königstochter fange.“ „Es ist so gut als hättest du ihn schon“ sagte Eisenhans, „du sollst auch eine rothe Rüstung dazu haben und auf einem stolzen Fuchs reiten.“ Als der Tag kam, sprengte der Jüngling heran, stellte sich unter die Ritter und ward von niemand erkannt. Die Königstochter trat hervor und warf den Rittern einen goldenen Apfel zu, aber keiner fieng ihn als er allein, aber sobald er ihn hatte, jagte er davon. Am zweiten Tag hatte ihn Eisenhans als weißen Ritter ausgerüstet und ihm einen Schimmel gegeben. Abermals fieng er allein den Apfel, verweilte aber keinen Augenblick, sondern jagte damit fort. Der König ward bös und sprach „das ist nicht erlaubt, er muß vor mir erscheinen und seinen Namen nennen.“ Er gab den Befehl, wenn der Ritter, der den Apfel gefangen habe, sich wieder davon machte, so sollte man ihm nachsetzen und wenn er nicht gutwillig zurück kehrte, auf ihn hauen und stechen. Am dritten Tag erhielt er vom Eisenhans eine schwarze Rüstung und einen Rappen und fieng auch wieder den Apfel. Als er aber damit fortjagte, verfolgten ihn die Leute des Königs und einer kam ihm so nahe daß er mit der Spitze des Schwerts ihm das Bein verwundete. Er entkam ihnen jedoch, aber sein Pferd sprang so gewaltig daß der Helm ihm vom Kopf fiel, und sie konnten sehen daß er goldene Haare hatte. Sie ritten zurück und meldeten dem König alles. Am andern Tag fragte die Königstochter den Gärtner nach seinem Jungen. „Er arbeitet im Garten: der wunderliche Kautz ist auch bei dem Fest gewesen und erst gestern Abend wieder gekommen; er hat auch meinen Kindern drei goldene Äpfel gezeigt, die er gewonnen hat.“ Der König ließ ihn vor sich fordern, und er erschien und hatte wieder sein Hütchen auf dem Kopf. Aber die Königstochter gieng auf ihn zu und nahm es ihm ab, und da fielen seine goldenen Haare über die Schultern, und er war so schön, daß alle erstaunten. „Bist du der Ritter gewesen, der jeden Tag zu dem Fest gekommen ist, immer in einer andern Farbe, und der die drei goldenen Äpfel gefangen hat?“ fragte der König. „Ja“ antwortete er, „und da sind die Äpfel,“ holte sie aus seiner Tasche und reichte sie dem König. „Wenn ihr noch mehr Beweise verlangt, so könnt ihr die Wunde sehen, die mir eure Leute geschlagen haben, als sie mich verfolgten. Aber ich bin auch der Ritter, der euch zum Sieg über die Feinde geholfen hat.“ „Wenn du solche Thaten verrichten kannst, so bist du kein Gärtnerjunge: sage mir, wer ist dein Vater?“ „Mein Vater ist ein mächtiger König und Goldes habe ich die Fülle und so viel ich nur verlange.“ „Ich sehe wohl,“ sprach der König, „ich bin dir Dank schuldig, kann ich dir etwas zu Gefallen thun?“ „Ja“ antwortete er, „das könnt ihr wohl, gebt mir eure Tochter zur Frau.“ Da lachte die Jungfrau und sprach „der macht keine Umstände, aber ich habe schon an seinen goldenen Haaren gesehen daß er kein Gärtnerjunge ist:“ gieng dann hin und küßte ihn. Zu der Vermählung kam sein Vater und seine Mutter und waren in großer Freude, denn sie hatten schon alle Hoffnung aufgegeben ihren lieben Sohn wieder zu sehen. Und als sie an der Hochzeitstafel saßen, da schwieg auf einmal die Musik, die Thüren giengen auf und ein stolzer König trat herein mit großem Gefolge. Er gieng auf den Jüngling zu, umarmte ihn und sprach „ich bin der Eisenhans, und war in einen wilden Mann verwünscht, aber du hast mich erlöst. Alle Schätze, die ich besitze, die sollen dein Eigenthum sein.“

Der Schneider im Himmel

35. Der Schneider im Himmel Es trug sich zu, daß der liebe Gott an einem schönen Tag in dem himmlischen Garten sich ergehen wollte und alle Apostel und Heiligen mit nahm, also daß niemand mehr im Himmel blieb als der heilige Petrus. Der Herr hatte ihm befohlen während seiner Abwesenheit niemand einzulassen, Petrus stand also an der Pforte und hielt Wache. Nicht lange so klopfte jemand an. Petrus fragte wer da wäre und was er wollte. „Ich bin ein armer ehrlicher Schneider,“ antwortete eine feine Stimme, „der um Einlaß bittet.“ „Ja, ehrlich,“ sagte Petrus, „wie der Dieb am Galgen, du hast lange Finger gemacht und den Leuten das Tuch abgezwickt. Du kommst nicht in den Himmel, der Herr hat mir verboten, so lange er draußen wäre, irgend jemand einzulassen.“ „Seid doch barmherzig,“ rief der Schneider, „kleine Flicklappen, die von selbst vom Tisch herab fallen, sind nicht gestolen und nicht der Rede werth. Seht ich hinke und habe von dem Weg daher Blasen an den Füßen, ich kann unmöglich wieder umkehren. Laßt mich nur hinein, ich will alle schlechte Arbeit thun. Ich will die Kinder tragen, die Windeln waschen, die Bänke, darauf sie gespielt haben, säubern und abwischen, und ihre zerrissenen Kleider flicken.“ Der heilige Petrus ließ sich aus Mitleiden bewegen, und öffnete dem lahmen Schneider die Himmelspforte so weit, daß er mit seinem dürren Leib hineinschlüpfen konnte. Er mußte sich in einen Winkel hinter die Thüre setzen, und sollte sich da still und ruhig verhalten, damit ihn der Herr wenn er zurückkäme, nicht bemerkte und zornig würde. Der Schneider gehorchte, als aber der heilige Petrus einmal zur Thüre hinaus trat, stand er auf, gieng voll Neugierde in allen Winkeln des Himmels herum und besah sich die Gelegenheit. Endlich kam er zu einem Platz, da standen viele schöne und köstliche Stühle und in der Mitte ein ganz goldener Sessel, der mit glänzenden Edelsteinen besetzt war; er war auch viel höher als die übrigen Stühle, und ein goldener Fußschemel stand davor. Es war aber der Sessel, auf welchem der Herr saß, wenn er daheim war, und von welchem er alles sehen konnte, was auf Erden geschah. Der Schneider stand still und sah den Sessel eine gute Weile an, denn er gefiel ihm besser als alles andere. Endlich konnte er den Vorwitz nicht bezähmen, stieg hinauf und setzte sich in den Sessel. Da sah er alles was auf Erden geschah, und bemerkte eine alte häßliche Frau, die an einem Bach stand und wusch, und zwei Schleier heimlich bei Seite that. Der Schneider erzürnte sich bei diesem Anblicke so sehr, daß er den goldenen Fußschemel ergriff und durch den Himmel auf die Erde hinab nach der alten Diebin warf. Da er aber den Schemel nicht wieder herauf holen konnte, so schlich er sich sachte aus dem Sessel weg, setzte sich an seinen Platz hinter die Thüre und that als ob er kein Wasser getrübt hätte. Als der Herr und Meister mit dem himmlischen Gefolge wieder zurückkam, ward er zwar den Schneider hinter der Thüre nicht gewahr, als er sich aber auf seinen Sessel setzte, mangelte der Schemel. Er fragte den heiligen Petrus wo der Schemel hingekommen wäre, der wußte es nicht. Da fragte er weiter ob er jemand hereingelassen hätte. „Ich weiß niemand,“ antwortete Petrus „der da gewesen wäre, als ein lahmer Schneider, der noch hinter der Thüre sitzt.“ Da ließ der Herr den Schneider vor sich treten und fragte ihn ob er den Schemel weggenommen und wo er ihn hingethan hätte. „O Herr,“ antwortete der Schneider freudig, „ich habe ihn im Zorne hinab auf die Erde nach einem alten Weibe geworfen, das ich bei der Wäsche zwei Schleier stehlen sah.“ „O du Schalk,“ sprach der Herr, „wollt ich richten wie du richtest, wie meinst du daß es dir schon längst ergangen wäre? ich hätte schon lange keine Stühle, Bänke, Sessel, ja keine Ofengabel mehr hier gehabt, sondern alles nach den Sündern hinabgeworfen. Fortan kannst du nicht mehr im Himmel bleiben, sondern mußt wieder hinaus vor das Thor: da sieh zu wo du hinkommst. Hier soll niemand strafen, denn ich allein, der Herr.“ Petrus mußte den Schneider wieder hinaus vor den Himmel bringen, und weil er zerrissene Schuhe hatte und die Füße voll Blasen, nahm er einen Stock in die Hand, und zog nach Warteinweil, wo die frommen Soldaten sitzen und sich lustig machen.

Die drei Federn

63. Die drei Federn Es war einmal ein König, der hatte drei Söhne, davon waren zwei klug und gescheidt, aber der dritte sprach nicht viel, war einfältig und hieß nur der Dummling. Als der König alt und schwach ward und an sein Ende dachte, wußte er nicht welcher von seinen Söhnen nach ihm das Reich erben sollte. Da sprach er zu ihnen „ziehet aus, und wer mir den feinsten Teppich bringt, der soll nach meinem Tod König sein.“ Und damit es keinen Streit unter ihnen gab, führte er sie vor sein Schloß, blies drei Federn in die Luft und sprach „wie die fliegen, so sollt ihr ziehen.“ Die eine Feder flog nach Osten, die andere nach Westen, die dritte flog aber gerad aus, und flog nicht weit, sondern fiel bald zur Erde. Nun gieng der eine Bruder rechts, der andere gieng links, und sie lachten den Dummling aus, der bei der dritten Feder da wo sie nieder gefallen war, bleiben mußte. Der Dummling setzte sich nieder und war traurig. Da bemerkte er auf einmal daß neben der Feder eine Fallthüre lag. Er hob sie in die Höhe, fand eine Treppe und stieg hinab. Da kam er vor eine andere Thüre, klopfte an, und hörte wie es inwendig rief „Jungfer grün und klein, Hutzelbein, Hutzelbeins Hündchen, Hutzel hin und her, laß geschwind sehen, wer draußen wär.“ Die Thüre that sich auf, und er sah eine große dicke Itsche (Kröte) sitzen und rings um sie eine Menge kleiner Itschen. Die dicke Itsche fragte was sein Begehren wäre. Er antwortete „ich hätte gerne den schönsten und feinsten Teppich.“ Da rief sie eine junge und sprach „Jungfer grün und klein, Hutzelbein, Hutzelbeins Hündchen, Hutzel hin und her, bring mir die große Schachtel her.“ Die junge Itsche holte die Schachtel, und die dicke Itsche machte sie auf und gab dem Dummling einen Teppich daraus, so schön und so fein, wie oben auf der Erde keiner konnte gewebt werden. Da dankte er ihr und stieg wieder hinauf. Die beiden andern hatten aber ihren jüngsten Bruder für so albern gehalten, daß sie glaubten er würde gar nichts finden und aufbringen. „Was sollen wir uns mit Suchen groß Mühe geben“ sprachen sie, nahmen dem ersten besten Schäfersweib, das ihnen begegnete, die groben Tücher vom Leib und trugen sie dem König heim. Zu derselben Zeit kam auch der Dummling zurück, und brachte seinen schönen Teppich, und als der König den sah, erstaunte er, und sprach „wenn es dem Recht nach gehen soll, so gehört dem jüngsten das Königreich.“ Aber die zwei andern ließen dem Vater keine Ruhe und sprachen unmöglich könnte der Dummling, dem es in allen Dingen an Verstand fehlte, König werden, und baten ihn er möchte eine neue Bedingung machen. Da sagte der Vater, „der soll das Reich erben, der mir den schönsten Ring bringt,“ führte die drei Brüder hinaus, und blies drei Federn in die Luft, denen sie nachgehen sollten. Die zwei ältesten zogen wieder nach Osten und Westen, und für den Dummling flog die Feder gerade aus und fiel neben der Erdthüre nieder. Da stieg er wieder hinab zu der dicken Itsche und sagte ihr daß er den schönsten Ring brauchte. Sie ließ sich gleich ihre große Schachtel holen und gab ihm daraus einen Ring, der glänzte von Edelsteinen und war so schön daß ihn kein Goldschmied auf der Erde hätte machen können. Die zwei ältesten lachten über den Dummling, der einen goldenen Ring suchen wollte, gaben sich gar keine Mühe, sondern schlugen einem alten Wagenring die Nägel aus und brachten ihn dem König. Als aber der Dummling seinen goldenen Ring vorzeigte, so sprach der Vater abermals „ihm gehört das Reich.“ Die zwei ältesten ließen nicht ab den König zu quälen, bis er noch eine dritte Bedingung machte und den Ausspruch that, der sollte das Reich haben, der die schönste Frau heimbrächte. Die drei Federn blies er nochmals in die Luft, und sie flogen wie die vorigemale. Da gieng der Dummling ohne weiteres hinab zu der dicken Itsche und sprach „ich soll die schönste Frau heimbringen.“ „Ei,“ antwortete die Itsche, „die schönste Frau! die ist nicht gleich zur Hand, aber du sollst sie doch haben.“ Sie gab ihm eine ausgehölte gelbe Rübe mit sechs Mäuschen bespannt. Da sprach der Dummling ganz traurig „was soll ich damit anfangen?“ Die Itsche antwortete „setze nur eine von meinen kleinen Itschen hinein.“ Da griff er auf Gerathewohl eine aus dem Kreiß und setzte sie in die gelbe Kutsche, aber kaum saß sie darin, so ward sie zu einem wunderschönen Fräulein, die Rübe zur Kutsche, und die sechs Mäuschen zu Pferden. Da küßte er sie, jagte mit den Pferden davon und brachte sie zu dem König. Seine Brüder kamen nach, die hatten sich gar keine Mühe gegeben, eine schöne Frau zu suchen, sondern die ersten besten Bauernweiber mitgenommen. Als der König sie erblickte, sprach er „dem jüngsten gehört das Reich nach meinem Tod.“ Aber die zwei ältesten betäubten die Ohren des Königs aufs neue mit ihrem Geschrei, „wir könnens nicht zugeben daß der Dummling König wird,“ und verlangten der sollte den Vorzug haben, dessen Frau durch einen Ring springen könnte, der da mitten in dem Saal hieng. Sie dachten „die Bauernweiber können das wohl, die sind stark genug, aber das zarte Fräulein springt sich todt.“ Der alte König gab das auch noch zu. Da sprangen die zwei Bauernweiber, sprangen auch durch den Ring, waren aber so plump, daß sie fielen und ihre groben Arme und Beine entzwei brachen. Darauf sprang das schöne Fräulein, das der Dummling mitgebracht hatte, und sprang so leicht hindurch wie ein Reh, und aller Widerspruch mußte aufhören. Also erhielt er die Krone, und hat lange in Weisheit geherrscht.

Hans mein Igel

108. Hans mein Igel Es war einmal ein Bauer, der hatte Geld und Gut genung, aber wie reich er war, so fehlte doch etwas an seinem Glück: er hatte mit seiner Frau keine Kinder. Öfters, wenn er mit den andern Bauern in die Stadt gieng, spotteten sie und fragten warum er keine Kinder hätte. Da ward er endlich zornig, und als er nach Haus kam, sprach er „ich will ein Kind haben, und sollts ein Igel sein.“ Da kriegte seine Frau ein Kind, das war oben ein Igel und unten ein Junge, und als sie das Kind sah, erschrack sie und sprach „siehst du, du hast uns verwünscht.“ Da sprach der Mann „was kann das alles helfen, getauft muß der Junge werden, aber wir können keinen Gevatter dazu nehmen.“ Die Frau sprach „wir können ihn auch nicht anders taufen als Hans mein Igel.“ Als er getauft war, sagte der Pfarrer „der kann wegen seiner Stacheln in kein ordentlich Bett kommen.“ Da ward hinter dem Ofen ein wenig Stroh zurecht gemacht und Hans mein Igel darauf gelegt. Er konnte auch an der Mutter nicht trinken, denn er hätte sie mit seinen Stacheln gestochen. So lag er da hinter dem Ofen acht Jahre, und sein Vater war ihn müde und dachte wenn er nur stürbe; aber er starb nicht, sondern blieb da liegen. Nun trug es sich zu, daß in der Stadt ein Markt war, und der Bauer wollte hin gehen, da fragte er seine Frau, was er ihr sollte mitbringen. „Ein wenig Fleisch und ein paar Wecke, was zum Haushalt gehört“ sprach sie. Darauf fragte er die Magd, die wollte ein paar Toffeln und Zwickelstrümpfe. Endlich sagte er auch „Hans mein Igel, was willst du denn haben?“ „Väterchen,“ sprach er, „bring mir doch einen Dudelsack mit.“ Wie nun der Bauer wieder nach Haus kam, gab er der Frau, was er ihr gekauft hatte, Fleisch und Wecke, dann gab er der Magd die Toffeln und die Zwickelstrümpfe, endlich gieng er hinter den Ofen und gab dem Hans mein Igel den Dudelsack. Und wie Hans mein Igel den Dudelsack hatte, sprach er „Väterchen, geht doch vor die Schmiede und laßt mir meinen Göckelhahn beschlagen, dann will ich fortreiten und will nimmermehr wiederkommen.“ Da war der Vater froh daß er ihn los werden sollte, und ließ ihm den Hahn beschlagen, und als er fertig war, setzte sich Hans mein Igel darauf, ritt fort, nahm auch Schweine und Esel mit, die wollt er draußen im Walde hüten. Im Wald aber mußte der Hahn mit ihm auf einen hohen Baum fliegen, da saß er und hütete die Esel und Schweine, und saß lange Jahre bis die Heerde ganz groß war, und wußte sein Vater nichts von ihm. Wenn er aber auf dem Baum saß, blies er seinen Dudelsack und machte Musik, die war sehr schön. Einmal kam ein König vorbeigefahren, der hatte sich verirrt, und hörte die Musik: da verwunderte er sich darüber und schickte seinen Bedienten hin, er sollte sich einmal umgucken wo die Musik herkäme. Er guckte sich um, sah aber nichts als ein kleines Thier auf dem Baum oben sitzen, das war wie ein Göckelhahn, auf dem ein Igel saß, und der machte die Musik. Da sprach der König zum Bedienten er sollte fragen warum er da säße, und ob er nicht wüßte wo der Weg in sein Königreich gienge. Da stieg Hans mein Igel vom Baum und sprach er wollte den Weg zeigen, wenn der König ihm wollte verschreiben und versprechen was ihm zuerst begegnete am königlichen Hofe, sobald er nach Haus käme. Da dachte der König „das kann ich leicht thun, Hans mein Igel verstehts doch nicht, und ich kann schreiben was ich will.“ Da nahm der König Feder und Dinte und schrieb etwas auf, und als es geschehen war, zeigte ihm Hans mein Igel den Weg, und er kam glücklich nach Haus. Seine Tochter aber, wie sie ihn von weitem sah, war so voll Freuden, daß sie ihm entgegen lief und ihn küßte. Da gedachte er an Hans mein Igel und erzählte ihr wie es ihm gegangen wäre, und daß er einem wunderlichen Thier hätte verschreiben sollen was ihm daheim zuerst begegnen würde, und das Thier hätte auf einem Hahn wie auf einem Pferde gesessen und schöne Musik gemacht; er hätte aber geschrieben es sollts nicht haben, denn Hans mein Igel könnt es doch nicht lesen. Darüber war die Prinzessin froh und sagte das wäre gut, denn sie wäre doch nimmermehr hingegangen. Hans mein Igel aber hütete die Esel und Schweine, war immer lustig, saß auf dem Baum und blies auf seinem Dudelsack. Nun geschah es, daß ein anderer König gefahren kam mit seinen Bedienten und Laufern, und hatte sich verirrt, und wußte nicht wieder nach Haus zu kommen, weil der Wald so groß war. Da hörte er gleichfalls die schöne Musik von weitem und sprach zu seinem Laufer was das wohl wäre, er sollte einmal zusehen. Da gieng der Laufer hin unter den Baum und sah den Göckelhahn sitzen und Hans mein Igel oben drauf. Der Laufer fragte ihn was er da oben vorhätte. „Ich hüte meine Esel und Schweine; aber was ist euer Begehren?“ Der Laufer sagte sie hätten sich verirrt und könnten nicht wieder ins Königreich, ob er ihnen den Weg nicht zeigen wollte. Da stieg Hans mein Igel mit dem Hahn vom Baum herunter, und sagte zu dem alten König er wolle ihm den Weg zeigen, wenn er ihm zu eigen geben wollte was ihm zu Haus vor seinem königlichen Schlosse das erste begegnen würde. Der König sagte „ja,“ und unterschrieb sich dem Hans mein Igel, er sollte es haben. Als das geschehen war, ritt er auf dem Göckelhahn voraus und zeigte ihm den Weg, und gelangte der König glücklich wieder in sein Reich. Wie er auf den Hof kam, war große Freude darüber. Nun hatte er eine einzige Tochter, die war sehr schön, die lief ihm entgegen, fiel ihm um den Hals und küßte ihn und freute sich daß ihr alter Vater wieder kam. Sie fragte ihn auch wo er so lange in der Welt gewesen wäre, da erzählte er ihr er hätte sich verirrt und wäre beinahe gar nicht wieder gekommen, aber als er durch einen großen Wald gefahren wäre, hätte einer, halb wie ein Igel, halb wie ein Mensch, rittlings auf einem Hahn in einem hohen Baum gesessen, und schöne Musik gemacht, der hätte ihm fortgeholfen und den Weg gezeigt, er aber hätte ihm dafür versprochen was ihm am königlichen Hofe zuerst begegnete, und das wäre sie, und das thäte ihm nun so leid. Da versprach sie ihm aber sie wollte gerne mit ihm gehen wann er käme, ihrem alten Vater zu Liebe. Hans mein Igel aber hütete seine Schweine, und die Schweine bekamen wieder Schweine, und wurden ihrer so viel, daß der ganze Wald voll war. Da wollte Hans mein Igel nicht länger im Walde leben, und ließ seinem Vater sagen sie sollten alle Ställe im Dorf räumen, denn er käme mit einer so großen Heerde, daß jeder schlachten könnte, der nur schlachten wollte. Da war sein Vater betrübt, als er das hörte, denn er dachte Hans mein Igel wäre schon lange gestorben. Hans mein Igel aber setzte sich auf seinen Göckelhahn, trieb die Schweine vor sich her ins Dorf, und ließ schlachten; hu! da war ein Gemetzel und ein Hacken, daß mans zwei Stunden weit hören konnte. Danach sagte Hans mein Igel „Väterchen, laßt mir meinen Göckelhahn noch einmal vor der Schmiede beschlagen, dann reit ich fort und komme mein Lebtag nicht wieder.“ Da ließ der Vater den Göckelhahn beschlagen und war froh daß Hans mein Igel nicht wieder kommen wollte. Hans mein Igel ritt fort in das erste Königreich, da hatte der König befohlen wenn einer käme auf einem Hahn geritten, und hätte einen Dudelsack bei sich, dann sollten alle auf ihn schießen, hauen und stechen, damit er nicht ins Schloß käme. Als nun Hans mein Igel daher geritten kam, drangen sie mit den Bajonetten auf ihn ein, aber er gab dem Hahn die Sporn, flog auf, über das Thor hin vor des Königs Fenster, ließ sich da nieder, und rief ihm zu er sollt ihm geben was er versprochen hätte, sonst so wollt er ihm und seiner Tochter das Leben nehmen. Da gab der König seiner Tochter gute Worte, sie möchte zu ihm hinaus gehen, damit sie ihm und sich das Leben rettete. Da zog sie sich weiß an, und ihr Vater gab ihr einen Wagen mit sechs Pferden und herrliche Bedienten, Geld und Gut. Sie setzte sich ein, und Hans mein Igel mit seinem Hahn und Dudelsack neben sie, dann nahmen sie Abschied und zogen fort, und der König dachte er kriegte sie nicht wieder zu sehen. Es gieng aber anders als er dachte, denn als sie ein Stück Wegs von der Stadt waren, da zog ihr Hans mein Igel die schönen Kleider aus, und stach sie mit seiner Igelhaut bis sie ganz blutig war, sagte „das ist der Lohn für eure Falschheit, geh hin, ich will dich nicht,“ und jagte sie damit nach Haus, und war sie beschimpft ihr Lebtag. Hans mein Igel aber ritt weiter auf seinem Göckelhahn und mit seinem Dudelsack nach dem zweiten Königreich, wo er dem König auch den Weg gezeigt hatte. Der aber hatte bestellt, wenn einer käme, wie Hans mein Igel, sollten sie das Gewehr präsentieren, ihn frei hereinführen, Vivat rufen, und ihn ins königliche Schloß bringen. Wie ihn nun die Königstochter sah, war sie erschrocken, weil er doch gar zu wunderlich aussah, sie dachte aber es wäre nicht anders, sie hätte es ihrem Vater versprochen. Da ward Hans mein Igel von ihr bewillkommt, und ward mit ihr vermählt, und er mußte mit an die königliche Tafel gehen, und sie setzte sich zu seiner Seite, und sie aßen und tranken. Wies nun Abend ward, daß sie wollten schlafen gehen, da fürchtete sie sich sehr vor seinen Stacheln: er aber sprach, sie sollte sich nicht fürchten, es geschähe ihr kein Leid, und sagte zu dem alten König, er sollte vier Mann bestellen, die sollten wachen vor der Kammerthüre und ein großes Feuer anmachen, und wann er in die Kammer eingienge und sich ins Bett legen wollte, würde er aus seiner Igelshaut herauskriechen und sie vor dem Bett liegen lassen: dann sollten die Männer hurtig herbeispringen und sie ins Feuer werfen, auch dabei bleiben, bis sie vom Feuer verzehrt wäre. Wie die Glocke nun elfe schlug, da gieng er in die Kammer, streifte die Igelshaut ab, und ließ sie vor dem Bette liegen: da kamen die Männer und holten sie geschwind und warfen sie ins Feuer; und als sie das Feuer verzehrt hatte, da war er erlöst, und lag da im Bett ganz als ein Mensch gestaltet, aber er war kohlschwarz wie gebrannt. Der König schickte zu seinem Arzt, der wusch ihn mit guten Salben und balsamirte ihn, da ward er weiß, und war ein schöner junger Herr. Wie das die Königstochter sah, war sie froh, und am andern Morgen stiegen sie mit Freuden auf, aßen und tranken, und ward die Vermählung erst recht gefeiert, und Hans mein Igel bekam das Königreich von dem alten König. Wie etliche Jahre herum waren, fuhr er mit seiner Gemahlin zu seinem Vater und sagte er wäre sein Sohn; der Vater aber sprach er hätte keinen, er hätte nur einen gehabt, der wäre aber wie ein Igel mit Stacheln geboren worden, und wäre in die Welt gegangen. Da gab er sich zu erkennen, und der alte Vater freute sich und gieng mit ihm in sein Königreich. Mein Märchen ist aus, und geht vor Gustchen sein Haus.
 

Aschenbuttel

21. Aschenbuttel Einem reichen Manne dem wurde seine Frau krank, und als sie fühlte daß ihr Ende heran kam, rief sie ihr einziges Töchterlein zu sich ans Bett und sprach „liebes Kind, bleib fromm und gut, so wird dir der liebe Gott immer beistehen, und ich will vom Himmel auf dich herabblicken, und will um dich sein.“ Darauf that sie die Augen zu und verschied. Das Mädchen gieng jeden Tag hinaus zu dem Grabe der Mutter und weinte, und blieb fromm und gut. Als der Winter kam, deckte der Schnee ein weißes Tüchlein auf das Grab, und als die Sonne im Frühjahr es wieder herabgezogen hatte, nahm sich der Mann eine andere Frau. Die Frau hatte zwei Töchter mit ins Haus gebracht, die schön und weiß von Angesicht waren, aber garstig und schwarz von Herzen. Da gieng eine schlimme Zeit für das arme Stiefkind an. „Soll die dumme Gans bei uns in der Stube sitzen!“ sprachen sie, „wer Brot essen will, muß es verdienen: hinaus mit der Küchenmagd.“ Sie nahmen ihm seine schönen Kleider weg, zogen ihm einen grauen alten Kittel an, und gaben ihm hölzerne Schuhe. „Seht einmal die stolze Prinzessin, wie sie geputzt ist!“ riefen sie, lachten und führten es in die Küche. Da mußte es von Morgen bis Abend schwere Arbeit thun, früh vor Tag aufstehn, Wasser tragen, Feuer anmachen, kochen und waschen. Obendrein thaten ihm die Schwestern alles ersinnliche Herzeleid an, verspotteten es und schütteten ihm die Erbsen und Linsen in die Asche, so daß es sitzen und sie wieder auslesen mußte. Abends, wenn es sich müde gearbeitet hatte, kam es in kein Bett, sondern mußte sich neben den Herd in die Asche legen. Und weil es darum immer staubig und schmutzig aussah, nannten sie es Aschenputtel. Es trug sich zu, daß der Vater einmal in die Messe ziehen wollte, da fragte er die beiden Stieftöchter was er ihnen mitbringen sollte? „Schöne Kleider“ sagte die eine, „Perlen und Edelsteine“ die zweite. „Aber du, Aschenputtel,“ sprach er, „was willst du haben?“ „Vater, das erste Reis, das euch auf eurem Heimweg an den Hut stößt, das brecht für mich ab.“ Er kaufte nun für die beiden Stiefschwestern schöne Kleider, Perlen und Edelsteine, und auf dem Rückweg, als er durch einen grünen Busch ritt, streifte ihn ein Haselreis und stieß ihm den Hut ab. Da brach er das Reis ab und nahm es mit. Als er nach Haus kam, gab er den Stieftöchtern was sie sich gewünscht hatten, und dem Aschenputtel gab er das Reis von dem Haselbusch. Aschenputtel dankte ihm, gieng zu seiner Mutter Grab und pflanzte das Reis darauf, und weinte so sehr, daß die Thränen darauf niederfielen und es begossen. Es wuchs aber, und ward ein schöner Baum. Aschenputtel gieng alle Tage dreimal darunter, weinte und betete, und allemal kam ein weißes Vöglein auf den Baum, und wenn es einen Wunsch aussprach, so warf ihm das Vöglein herab was es sich gewünscht hatte. Es begab sich aber, daß der König ein Fest anstellte, das drei Tage dauern sollte, und wozu alle schönen Jungfrauen im Lande eingeladen wurden, damit sich sein Sohn eine Braut aussuchen möchte. Die zwei Stiefschwestern als sie hörten daß sie auch dabei erscheinen sollten, waren guter Dinge, riefen Aschenputtel, und sprachen „kämm uns die Haare, bürste uns die Schuhe und mache uns die Schnallen fest, wir gehen zur Hochzeit auf des Königs Schloß.“ Aschenputtel gehorchte, weinte aber, weil es auch gern zum Tanz mitgegangen wäre, und bat die Stiefmutter sie möchte es ihm erlauben. „Du Aschenputtel,“ sprach sie, „bist voll Staub und Schmutz und willst zur Hochzeit? du hast keine Kleider und Schuhe, und willst tanzen!“ Als es aber mit Bitten anhielt, sprach sie endlich „da habe ich dir eine Schüssel Linsen in die Asche geschüttet, wenn du die Linsen in zwei Stunden wieder ausgelesen hast, so sollst du mitgehen.“ Das Mädchen gieng durch die Hinterthüre nach dem Garten und rief „ihr zahmen Täubchen, ihr Turteltäubchen, all ihr Vöglein unter dem Himmel, kommt und helft mir lesen, die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen.“ Da kamen zum Küchenfenster zwei weiße Täubchen herein, und danach die Turteltäubchen, und endlich schwirrten und schwärmten alle Vöglein unter dem Himmel herein, und ließen sich um die Asche nieder. Und die Täubchen nickten mit den Köpfchen und fiengen an pik, pik, pik, pik, und da fiengen die übrigen auch an pik, pik, pik, pik, und lasen alle guten Körnlein in die Schüssel. Kaum war eine Stunde herum, so waren sie schon fertig und flogen alle wieder hinaus. Da brachte das Mädchen die Schüssel der Stiefmutter, freute sich und glaubte es dürfte nun mit auf die Hochzeit gehen. Aber sie sprach „nein, Aschenputtel, du hast keine Kleider, und kannst nicht tanzen: du wirst nur ausgelacht.“ Als es nun weinte, sprach sie „wenn du mir zwei Schüsseln voll Linsen in einer Stunde aus der Asche rein lesen kannst, so sollst du mitgehen,“ und dachte „das kann es ja nimmermehr.“ Als sie die zwei Schüsseln Linsen in die Asche geschüttet hatte, gieng das Mädchen durch die Hinterthüre nach dem Garten und rief „ihr zahmen Täubchen, ihr Turteltäubchen, all ihr Vöglein unter dem Himmel, kommt und helft mir lesen, die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen.“ Da kamen zum Küchenfenster zwei weiße Täubchen herein und danach die Turteltäubchen, und endlich schwirrten und schwärmten alle Vöglein unter dem Himmel herein, und ließen sich um die Asche nieder. Und die Täubchen nickten mit ihren Köpfchen und fiengen an pik, pik, pik, pik, und da fiengen die übrigen auch an pik, pik, pik, pik, und lasen alle guten Körner in die Schüsseln. Und eh eine halbe Stunde herum war, waren sie schon fertig, und flogen alle wieder hinaus. Da trug das Mädchen die Schüsseln zu der Stiefmutter, freute sich und glaubte nun dürfte es mit auf die Hochzeit gehen. Aber sie sprach „es hilft dir alles nichts: du kommst nicht mit, denn du hast keine Kleider und kannst nicht tanzen; wir müßten uns deiner schämen.“ Darauf kehrte sie ihm den Rücken zu und eilte mit ihren zwei stolzen Töchtern fort. Als nun niemand mehr daheim war, gieng Aschenputtel zu seiner Mutter Grab unter den Haselbaum und rief „Bäumchen, rüttel dich und schüttel dich wirf Gold und Silber über mich.“ Da warf ihm der Vogel ein golden und silbern Kleid herunter, und mit Seide und Silber ausgestickte Pantoffeln. In aller Eile zog es das Kleid an und gieng zur Hochzeit. Seine Schwestern aber und die Stiefmutter kannten es nicht, und meinten es müßte eine fremde Königstochter sein, so schön sah es in dem goldenen Kleide aus. An Aschenputtel dachten sie gar nicht und dachten es säße daheim im Schmutz und suchte die Linsen aus der Asche. Der Königssohn kam ihm entgegen, nahm es bei der Hand und tanzte mit ihm. Er wollte auch mit sonst niemand tanzen, also daß er ihm die Hand nicht los ließ, und wenn ein anderer kam, es aufzufordern, sprach er „das ist meine Tänzerin.“ Es tanzte bis es Abend war, da wollte es nach Haus gehen. Der Königssohn aber sprach „ich gehe mit und begleite dich,“ denn er wollte sehen wem das schöne Mädchen angehörte. Sie entwischte ihm aber und sprang in das Taubenhaus. Nun wartete der Königssohn bis der Vater kam und sagte ihm das fremde Mädchen wär in das Taubenhaus gesprungen. Der Alte dachte „sollte es Aschenputtel sein,“ und sie mußten ihm Axt und Hacken bringen, damit er das Taubenhaus entzwei schlagen konnte: aber es war niemand darin. Und als sie ins Haus kamen, lag Aschenputtel in seinen schmutzigen Kleidern in der Asche, und ein trübes Öllämpchen brannte im Schornstein; denn Aschenputtel war geschwind aus dem Taubenhaus hinten herab gesprungen, und war zu dem Haselbäumchen gelaufen: da hatte es die schönen Kleider abgezogen und aufs Grab gelegt, und der Vogel hatte sie wieder weggenommen, und dann hatte es sich in seinem grauen Kittelchen in die Küche zur Asche gesetzt. Am andern Tag, als das Fest von neuem anhub, und die Eltern und Stiefschwestern wieder fort waren, gieng Aschenputtel zu dem Haselbaum und sprach „Bäumchen, rüttel dich und schüttel dich, wirf Gold und Silber über mich.“ Da warf der Vogel ein noch viel stolzeres Kleid herab, als am vorigen Tag. Und als es mit diesem Kleide auf der Hochzeit erschien, erstaunte jedermann über seine Schönheit. Der Königssohn aber hatte gewartet bis es kam, nahm es gleich bei der Hand und tanzte nur allein mit ihm. Wenn die andern kamen und es aufforderten, sprach er „das ist meine Tänzerin.“ Als es nun Abend war, wollte es fort, und der Königssohn gieng ihm nach und wollte sehen in welches Haus es gieng: aber es sprang ihm fort und in den Garten hinter dem Haus. Darin stand ein schöner großer Baum an dem die herrlichsten Birnen hiengen, es kletterte so behend wie ein Eichhörnchen zwischen die Äste, und der Königssohn wußte nicht wo es hingekommen war. Er wartete aber bis der Vater kam und sprach zu ihm „das fremde Mädchen ist mir entwischt, und ich glaube es ist auf den Birnbaum gesprungen.“ Der Vater dachte „sollte es Aschenputtel sein,“ ließ sich die Axt holen und hieb den Baum um, aber es war niemand darauf. Und als sie in die Küche kamen, lag Aschenputtel da in der Asche, wie sonst auch, denn es war auf der andern Seite vom Baum herabgesprungen, hatte dem Vogel auf dem Haselbäumchen die schönen Kleider wieder gebracht und sein graues Kittelchen angezogen. Am dritten Tag, als die Eltern und Schwestern fort waren, gieng Aschenputtel wieder zu seiner Mutter Grab und sprach zu dem Bäumchen „Bäumchen, rüttel dich und schüttel dich, wirf Gold und Silber über mich.“ Nun warf ihm der Vogel ein Kleid herab, das war so prächtig und glänzend wie es noch keins gehabt hatte, und die Pantoffeln waren ganz golden. Als es in dem Kleid zu der Hochzeit kam, wußten sie alle nicht was sie vor Verwunderung sagen sollten. Der Königssohn tanzte ganz allein mit ihm, und wenn es einer aufforderte, sprach er „das ist meine Tänzerin.“ Als es nun Abend war, wollte Aschenputtel fort, und der Königssohn wollte es begleiten, aber es entsprang ihm so geschwind daß er nicht folgen konnte. Der Königssohn hatte aber eine List gebraucht, und hatte die ganze Treppe mit Pech bestreichen lassen: da war, als es hinabsprang, der linke Pantoffel des Mädchens hängen geblieben. Der Königssohn hob ihn auf, und er war klein und zierlich und ganz golden. Am nächsten Morgen gieng er damit zu dem Mann, und sagte zu ihm „keine andere soll meine Gemahlin werden als die, an deren Fuß dieser goldene Schuh paßt.“ Da freuten sich die beiden Schwestern, denn sie hatten schöne Füße. Die Älteste gieng mit dem Schuh in die Kammer und wollte ihn anprobieren, und die Mutter stand dabei. Aber sie konnte mit der großen Zehe nicht hineinkommen, und der Schuh war ihr zu klein, da reichte ihr die Mutter ein Messer und sprach „hau die Zehe ab: wann du Königin bist, so brauchst du nicht mehr zu Fuß zu gehen.“ Das Mädchen hieb die Zehe ab, zwängte den Fuß in den Schuh, verbiß den Schmerz und gieng heraus zum Königssohn. Da nahm er sie als seine Braut aufs Pferd, und ritt mit ihr fort. Sie mußten aber an dem Grabe vorbei, da saßen die zwei Täubchen auf dem Haselbäumchen, und riefen „rucke di guck, rucke di guck, Blut ist im Schuck (Schuh): Der Schuck ist zu klein, die rechte Braut sitzt noch daheim.“ Da blickte er auf ihren Fuß und sah wie das Blut herausquoll. Er wendete sein Pferd um, brachte die falsche Braut wieder nach Haus und sagte das wäre nicht die rechte, die andere Schwester sollte den Schuh anziehen. Da gieng diese in die Kammer und kam mit den Zehen glücklich in den Schuh, aber die Ferse war zu groß. Da reichte ihr die Mutter ein Messer und sprach „hau ein Stück von der Ferse ab: wann du Königin bist, brauchst du nicht mehr zu Fuß zu gehen.“ Das Mädchen hieb ein Stück von der Ferse ab, zwängte den Fuß in den Schuh, verbiß den Schmerz und gieng heraus zum Königssohn. Da nahm er sie als seine Braut aufs Pferd und ritt mit ihr fort. Als sie an dem Haselbäumchen vorbeikamen, saßen die zwei Täubchen darauf und riefen „rucke di guck, rucke di guck, Blut ist im Schuck: der Schuck ist zu klein, die rechte Braut sitzt noch daheim.“ Er blickte nieder auf ihren Fuß, und sah wie das Blut aus dem Schuh quoll und an den weißen Strümpfen ganz roth heraufgestiegen war. Da wendete er sein Pferd, und brachte die falsche Braut wieder nach Haus. „Das ist auch nicht die rechte,“ sprach er, „habt ihr keine andere Tochter?“ „Nein,“ sagte der Mann, „nur von meiner verstorbenen Frau ist noch ein kleines verbuttetes Aschenputtel da: das kann unmöglich die Braut sein.“ Der Königssohn sprach er sollte es heraufschicken, die Mutter aber antwortete „ach nein, das ist viel zu schmutzig, das darf sich nicht sehen lassen.“ Er wollte es aber durchaus haben, und Aschenputtel mußte gerufen werden. Da wusch es sich erst Hände und Angesicht rein, gieng dann hin und neigte sich vor dem Königssohn, der ihm den goldenen Schuh reichte. Dann setzte es sich auf einen Schemel, zog den Fuß aus dem schweren Holzschuh und steckte ihn in den Pantoffel, der war wie angegossen. Und als es sich in die Höhe richtete und der König ihm ins Gesicht sah, so erkannte er das schöne Mädchen, das mit ihm getanzt hatte, und rief „das ist die rechte Braut!“ Die Stiefmutter und die beiden Schwestern erschraken und wurden bleich vor Ärger: er aber nahm Aschenputtel aufs Pferd und ritt mit ihm fort. Als sie an dem Haselbäumchen vorbei kamen, riefen die zwei weißen Täubchen „rucke di guck, rucke di guck, kein Blut im Schuck: der Schuck ist nicht zu klein, die rechte Braut, die führt er heim.“ Und als sie das gerufen hatten, kamen sie beide herab geflogen und setzten sich dem Aschenputtel auf die Schultern, eine rechts, die andere links, und blieben da sitzen. Als die Hochzeit mit dem Königssohn sollte gehalten werden, kamen die falschen Schwestern, wollten sich einschmeicheln und Theil an seinem Glück nehmen. Als die Brautleute nun zur Kirche giengen, war die älteste zur rechten, die jüngste zur linken Seite: da pickten die Tauben einer jeden das eine Auge aus. Hernach als sie heraus giengen, war die älteste zur linken und die jüngste zur rechten: da pickten die Tauben einer jeden das andere Auge aus. Und waren sie also für ihre Bosheit und Falschheit mit Blindheit auf ihr Lebtag gestraft.

Sneewittchen

53. Sneewittchen Es war einmal mitten im Winter, und die Schneeflocken fielen wie Federn vom Himmel herab, da saß eine Königin an einem Fenster, das einen Rahmen von schwarzem Ebenholz hatte, und nähte. Und wie sie so nähte und nach dem Schnee aufblickte, stach sie sich mit der Nadel in den Finger, und es fielen drei Tropfen Blut in den Schnee. Und weil das Rothe im weißen Schnee so schön aussah, dachte sie bei sich „hätt ich ein Kind so weiß wie Schnee, so roth wie Blut, und so schwarz wie das Holz an dem Rahmen.“ Bald darauf bekam sie ein Töchterlein, das war so weiß wie Schnee, so roth wie Blut, und so schwarzhaarig wie Ebenholz, und ward darum das Sneewittchen (Schneeweißchen) genannt. Und wie das Kind geboren war, starb die Königin. Über ein Jahr nahm sich der König eine andere Gemahlin. Es war eine schöne Frau, aber sie war stolz und übermüthig, und konnte nicht leiden daß sie an Schönheit von jemand sollte übertroffen werden. Sie hatte einen wunderbaren Spiegel, wenn sie vor den trat und sich darin beschaute, sprach sie „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die schönste im ganzen Land?“ so antwortete der Spiegel „Frau Königin, ihr seid die schönste im Land.“ Da war sie zufrieden, denn sie wußte daß der Spiegel die Wahrheit sagte. Sneewittchen aber wuchs heran, und wurde immer schöner, und als es sieben Jahr alt war, war es so schön, wie der klare Tag, und schöner als die Königin selbst. Als diese einmal ihren Spiegel fragte „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die schönste im ganzen Land?“ so antwortete er „Frau Königin, ihr seid die schönste hier, aber Sneewittchen ist tausendmal schöner als ihr.“ Da erschrack die Königin, und ward gelb und grün vor Neid. Von Stund an, wenn sie Sneewittchen erblickte, kehrte sich ihr das Herz im Leibe herum, so haßte sie das Mädchen. Und der Neid und Hochmuth wuchsen wie ein Unkraut in ihrem Herzen immer höher, daß sie Tag und Nacht keine Ruhe mehr hatte. Da rief sie einen Jäger und sprach „bring das Kind hinaus in den Wald, ich wills nicht mehr vor meinen Augen sehen. Du sollst es tödten, und mir Lunge und Leber zum Wahrzeichen mitbringen.“ Der Jäger gehorchte und führte es hinaus, und als er den Hirschfänger gezogen hatte und Sneewittchens unschuldiges Herz durchbohren wollte, fieng es an zu weinen und sprach „ach, lieber Jäger, laß mir mein Leben; ich will in den wilden Wald laufen und nimmermehr wieder heim kommen.“ Und weil es so schön war, hatte der Jäger Mitleiden und sprach „so lauf hin, du armes Kind.“ „Die wilden Thiere werden dich bald gefressen haben“ dachte er, und doch wars ihm als wär ein Stein von seinem Herzen gewälzt, weil er es nicht zu tödten brauchte. Und als gerade ein junger Frischling daher gesprungen kam, stach er ihn ab, nahm Lunge und Leber heraus, und brachte sie als Wahrzeichen der Königin mit. Der Koch mußte sie in Salz kochen, und das boshafte Weib aß sie auf und meinte sie hätte Sneewittchens Lunge und Leber gegessen. Nun war das arme Kind in dem großen Wald mutterseelig allein, und ward ihm so angst, daß es alle Blätter an den Bäumen ansah und nicht wußte wie es sich helfen sollte. Da fieng es an zu laufen und lief über die spitzen Steine und durch die Dornen, und die wilden Thiere sprangen an ihm vorbei, aber sie thaten ihm nichts. Es lief so lange nur die Füße noch fort konnten, bis es bald Abend werden wollte, da sah es ein kleines Häuschen und gieng hinein sich zu ruhen. In dem Häuschen war alles klein, aber so zierlich und reinlich, daß es nicht zu sagen ist. Da stand ein weiß gedecktes Tischlein mit sieben kleinen Tellern, jedes Tellerlein mit seinem Löffelein, ferner sieben Messerlein und Gäblein, und sieben Becherlein. An der Wand waren sieben Bettlein neben einander aufgestellt und schneeweiße Laken darüber gedeckt. Sneewittchen, weil es so hungrig und durstig war, aß von jedem Tellerlein ein wenig Gemüs und Brot, und trank aus jedem Becherlein einen Tropfen Wein; denn es wollte nicht einem allein alles wegnehmen. Hernach, weil es so müde war, legte es sich in ein Bettchen, aber keins paßte; das eine war zu lang, das andere zu kurz, bis endlich das siebente recht war: und darin blieb es liegen, befahl sich Gott und schlief ein. Als es ganz dunkel geworden war, kamen die Herren von dem Häuslein, das waren die sieben Zwerge, die in den Bergen nach Erz hackten und gruben. Sie zündeten ihre sieben Lichtlein an, und wie es nun hell im Häuslein ward, sahen sie daß jemand darin gewesen war, denn es stand nicht alles so in der Ordnung, wie sie es verlassen hatten. Der erste sprach „wer hat auf meinem Stühlchen gesessen?“ Der zweite „wer hat von meinem Tellerchen gegessen?“ Der dritte „wer hat von meinem Brötchen genommen?“ Der vierte „wer hat von meinem Gemüschen gegessen?“ Der fünfte „wer hat mit meinem Gäbelchen gestochen?“ Der sechste „wer hat mit meinem Messerchen geschnitten?“ Der siebente „wer hat aus meinem Becherlein getrunken?“ Dann sah sich der erste um und sah daß auf seinem Bett eine kleine Dälle war, da sprach er „wer hat in mein Bettchen getreten?“ Die andern kamen gelaufen und riefen „in meinem hat auch jemand gelegen.“ Der siebente aber, als er in sein Bett sah, erblickte Sneewittchen, das lag darin und schlief. Nun rief er die andern, die kamen herbeigelaufen, und schrien vor Verwunderung, holten ihre sieben Lichtlein, und beleuchteten Sneewittchen. „Ei, du mein Gott! ei, du mein Gott!“ riefen sie, „was ist das Kind so schön!“ und hatten so große Freude, daß sie es nicht aufweckten, sondern im Bettlein fortschlafen ließen. Der siebente Zwerg aber schlief bei seinen Gesellen, bei jedem eine Stunde, da war die Nacht herum. Als es Morgen war, erwachte Sneewittchen, und wie es die sieben Zwerge sah, erschrack es. Sie waren aber freundlich und fragten „wie heißt du?“ „Ich heiße Sneewittchen,“ antwortete es. „Wie bist du in unser Haus gekommen?“ sprachen weiter die Zwerge. Da erzählte es ihnen daß seine Stiefmutter es hätte wollen umbringen lassen, der Jäger hätte ihm aber das Leben geschenkt, und da wär es gelaufen den ganzen Tag, bis es endlich ihr Häuslein gefunden hätte. Die Zwerge sprachen „willst du unsern Haushalt versehen, kochen, betten, waschen, nähen und stricken, und willst du alles ordentlich und reinlich halten, so kannst du bei uns bleiben, und es soll dir an nichts fehlen.“ „Ja,“ sagte Sneewittchen, „von Herzen gern,“ und blieb bei ihnen. Es hielt ihnen das Haus in Ordnung: Morgens giengen sie in die Berge und suchten Erz und Gold, Abends kamen sie wieder, und da mußte ihr Essen bereit sein. Den Tag über war das Mädchen allein, da warnten es die guten Zwerglein und sprachen „hüte dich vor deiner Stiefmutter, die wird bald wissen daß du hier bist; laß ja niemand herein.“ Die Königin aber, nachdem sie Sneewittchens Lunge und Leber glaubte gegessen zu haben, dachte nicht anders als sie wäre wieder die erste und allerschönste, trat vor ihren Spiegel und sprach „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die schönste im ganzen Land?“ Da antwortete der Spiegel „Frau Königin, ihr seid die schönste hier, aber Sneewittchen über den Bergen bei den sieben Zwergen ist noch tausendmal schöner als ihr.“ Da erschrack sie, denn sie wußte, daß der Spiegel keine Unwahrheit sprach, und merkte daß der Jäger sie betrogen hatte, und Sneewittchen noch am Leben war. Und da sann und sann sie aufs neue, wie sie es umbringen wollte; denn so lange sie nicht die schönste war im ganzen Land, ließ ihr der Neid keine Ruhe. Und als sie sich endlich etwas ausgedacht hatte, färbte sie sich das Gesicht, und kleidete sich wie eine alte Krämerin, und war ganz unkenntlich. In dieser Gestalt gieng sie über die sieben Berge zu den sieben Zwergen, klopfte an die Thüre, und rief „schöne Waare feil! feil!“ Sneewittchen guckte zum Fenster heraus und rief „guten Tag, liebe Frau, was habt ihr zu verkaufen?“ „Gute Waare, schöne Waare,“ antwortete sie, „Schnürriemen von allen Farben,“ und holte einen hervor, der aus bunter Seide geflochten war. „Die ehrliche Frau kann ich herein lassen“ dachte Sneewittchen, riegelte die Thüre auf und kaufte sich den hübschen Schnürriemen. „Kind,“ sprach die Alte, „wie du aussiehst! komm, ich will dich einmal ordentlich schnüren.“ Sneewittchen hatte kein Arg, stellte sich vor sie, und ließ sich mit dem neuen Schnürriemen schnüren: aber die Alte schnürte geschwind und schnürte so fest, daß dem Sneewittchen der Athem vergieng, und es für todt hinfiel. „Nun bist du die schönste gewesen“ sprach sie, und eilte hinaus. Nicht lange darauf, zur Abendzeit, kamen die sieben Zwerge nach Haus, aber wie erschraken sie, als sie ihr liebes Sneewittchen auf der Erde liegen sahen; und es regte und bewegte sich nicht, als wäre es todt. Sie hoben es in die Höhe, und weil sie sahen daß es zu fest geschnürt war, schnitten sie den Schnürriemen entzwei: da fieng es an ein wenig zu athmen, und ward nach und nach wieder lebendig. Als die Zwerge hörten was geschehen war, sprachen sie, „die alte Krämerfrau war niemand als die gottlose Königin: hüte dich und laß keinen Menschen herein, wenn wir nicht bei dir sind.“ Das böse Weib aber, als es nach Haus gekommen war, gieng vor den Spiegel und fragte „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die schönste im ganzen Land?“ Da antwortete er wie sonst „Frau Königin, ihr seid die schönste hier, aber Sneewittchen über den Bergen bei den sieben Zwergen ist noch tausendmal schöner als ihr.“ Als sie das hörte, lief ihr alles Blut zum Herzen, so erschrack sie, denn sie sah wohl daß Sneewittchen wieder lebendig geworden war. „Nun aber,“ sprach sie, „will ich etwas aussinnen, das dich zu Grunde richten soll,“ und mit Hexenkünsten, die sie verstand, machte sie einen giftigen Kamm. Dann verkleidete sie sich und nahm die Gestalt eines andern alten Weibes an. So gieng sie hin über die sieben Berge zu den sieben Zwergen, klopfte an die Thüre, und rief „gute Waare feil! feil!“ Sneewittchen schaute heraus und sprach „geht nur weiter, ich darf niemand hereinlassen.“ „Das Ansehen wird dir doch erlaubt sein“ sprach die Alte, zog den giftigen Kamm heraus und hielt ihn in die Höhe. Da gefiel er dem Kinde so gut, daß es sich bethören ließ und die Thüre öffnete. Als sie des Kaufs einig waren, sprach die Alte „nun will ich dich einmal ordentlich kämmen.“ Das arme Sneewittchen dachte an nichts, und ließ die Alte gewähren, aber kaum hatte sie den Kamm in die Haare gesteckt, als das Gift darin wirkte, und das Mädchen ohne Besinnung niederfiel. „Du Ausbund von Schönheit,“ sprach das boshafte Weib, „jetzt ists um dich geschehen,“ und gieng fort. Zum Glück aber war es bald Abend, wo die sieben Zwerglein nach Haus kamen. Als sie Sneewittchen wie todt auf der Erde liegen sahen, hatten sie gleich die Stiefmutter in Verdacht, suchten nach, und fanden den giftigen Kamm, und kaum hatten sie ihn herausgezogen, so kam Sneewittchen wieder zu sich, und erzählte was vorgegangen war. Da warnten sie es noch einmal auf seiner Hut zu sein und niemand die Thüre zu öffnen. Die Königin stellte sich daheim vor den Spiegel und sprach „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die schönste im ganzen Land?“ Da antwortete er, wie vorher, „Frau Königin, ihr seid die schönste hier, aber Sneewittchen über den Bergen bei den sieben Zwergen ist doch noch tausendmal schöner als ihr.“ Als sie den Spiegel so reden hörte, zitterte und bebte sie vor Zorn. „Sneewittchen soll sterben,“ rief sie, „und wenn es mein eignes Leben kostet.“ Darauf gieng sie in eine ganz verborgene einsame Kammer, wo niemand hinkam, und machte da einen giftigen giftigen Apfel. Äußerlich sah er schön aus, weiß mit rothen Backen, daß jeder, der ihn erblickte, Lust danach bekam, aber wer ein Stückchen davon aß, der mußte sterben. Als der Apfel fertig war, färbte sie sich das Gesicht, und verkleidete sich in eine Bauersfrau, und so gieng sie über die sieben Berge zu den sieben Zwergen. Sie klopfte an, Sneewittchen streckte den Kopf zum Fenster heraus, und sprach „ich darf keinen Menschen einlassen, die sieben Zwerge haben mirs verboten.“ „Mir auch recht,“ antwortete die Bäurin, „meine Äpfel will ich schon los werden. Da, einen will ich dir schenken.“ „Nein,“ sprach Sneewittchen, „ich darf nichts annehmen.“ „Fürchtest du dich vor Gift?“ sprach die Alte, „siehst du, da schneide ich den Apfel in zwei Theile; den rothen Backen iß du, den weißen will ich essen.“ Der Apfel war aber so künstlich gemacht, daß der rothe Backen allein vergiftet war. Sneewittchen lusterte den schönen Apfel an, und als es sah, daß die Bäurin davon aß, so konnte es nicht länger widerstehen, streckte die Hand hinaus und nahm die giftige Hälfte. Kaum aber hatte es einen Bissen davon im Mund, so fiel es todt zur Erde nieder. Da betrachtete es die Königin mit grausigen Blicken und lachte überlaut, und sprach „weiß wie Schnee, roth wie Blut, schwarz wie Ebenholz! diesmal können dich die Zwerge nicht wieder erwecken.“ Und als sie daheim den Spiegel befragte, „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die schönste im ganzen Land?“ so antwortete er endlich „Frau Königin, ihr seid die schönste im Land.“ Da hatte ihr neidisches Herz Ruhe, so gut ein neidisches Herz Ruhe haben kann. Die Zwerglein, wie sie Abends nach Haus kamen, fanden Sneewittchen auf der Erde liegen, und es gieng kein Athem mehr aus seinem Mund, und es war todt. Sie hoben es auf, suchten ob sie was giftiges fänden, schnürten es auf, kämmten ihm die Haare, wuschen es mit Wasser und Wein, aber es half alles nichts; das liebe Kind war todt und blieb todt. Sie legten es auf eine Bahre und setzten sich alle siebene daran und beweinten es, und weinten drei Tage lang. Da wollten sie es begraben, aber es sah noch so frisch aus wie ein lebender Mensch, und hatte noch seine schönen rothen Backen. Sie sprachen „das können wir nicht in die schwarze Erde versenken,“ und ließen einen durchsichtigen Sarg von Glas machen, daß man es von allen Seiten sehen konnte, legten es hinein, und schrieben mit goldenen Buchstaben seinen Namen darauf, und daß es eine Königstochter wäre. Dann setzten sie den Sarg hinaus auf den Berg, und einer von ihnen blieb immer dabei, und bewachte ihn. Und die Thiere kamen auch und beweinten Sneewittchen, erst eine Eule, dann ein Rabe, zuletzt ein Täubchen. Nun lag Sneewittchen lange lange Zeit in dem Sarg und verweste nicht, sondern sah aus als wenn es schliefe, denn es war noch so weiß als Schnee, so roth als Blut, und so schwarzhaarig wie Ebenholz. Es geschah aber, daß ein Königssohn in den Wald gerieth und zu dem Zwergenhaus kam, da zu übernachten. Er sah auf dem Berg den Sarg, und das schöne Sneewittchen darin, und las was mit goldenen Buchstaben darauf geschrieben war. Da sprach er zu den Zwergen „laßt mir den Sarg, ich will euch geben, was ihr dafür haben wollt.“ Aber die Zwerge antworteten „wir geben ihn nicht um alles Gold in der Welt.“ Da sprach er „so schenkt mir ihn, denn ich kann nicht leben ohne Sneewittchen zu sehen, ich will es ehren und hochachten wie mein Liebstes.“ Wie er so sprach, empfanden die guten Zwerglein Mitleiden mit ihm und gaben ihm den Sarg. Der Königssohn ließ ihn nun von seinen Dienern auf den Schultern forttragen. Da geschah es, daß sie über einen Strauch stolperten, und von dem Schüttern fuhr der giftige Apfelgrütz, den Sneewittchen abgebissen hatte, aus dem Hals. Und nicht lange so öffnete es die Augen, hob den Deckel vom Sarg in die Höhe, und richtete sich auf, und war wieder lebendig. „Ach Gott, wo bin ich?“ rief es. Der Königssohn sagte voll Freude „du bist bei mir,“ und erzählte was sich zugetragen hatte und sprach „ich habe dich lieber als alles auf der Welt; komm mit mir in meines Vaters Schloß, du sollst meine Gemahlin werden.“ Da war ihm Sneewittchen gut und gieng mit ihm, und ihre Hochzeit ward mit großer Pracht und Herrlichkeit angeordnet. Zu dem Fest wurde aber auch Sneewittchens gottlose Stiefmutter eingeladen. Wie sie sich nun mit schönen Kleidern angethan hatte, trat sie vor den Spiegel und sprach „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die schönste im ganzen Land?“ Der Spiegel antwortete „Frau Königin, ihr seid die schönste hier, aber die junge Königin ist tausendmal schöner als ihr.“ Da stieß das böse Weib einen Fluch aus, und ward ihr so angst, so angst, daß sie sich nicht zu lassen wußte. Sie wollte zuerst gar nicht auf die Hochzeit kommen: doch ließ es ihr keine Ruhe, sie mußte fort und die junge Königin sehen. Und wie sie hineintrat, erkannte sie Sneewittchen, und vor Angst und Schrecken stand sie da und konnte sich nicht regen. Aber es waren schon eiserne Pantoffeln über Kohlenfeuer gestellt und wurden mit Zangen herein getragen und vor sie hingestellt. Da mußte sie in die rothglühenden Schuhe treten und so lange tanzen, bis sie todt zur Erde fiel.

Von dem Machandelboom -plattdeutsch-

47. Von dem Machandelboom Dat is nu all lang heer, wol twe dusend Johr, do wöör dar en ryk Mann, de hadd ene schöne frame Fru, un se hadden sik beyde sehr leef, hadden awerst kene Kinner, se wünschden sik awerst sehr welke, un de Fru bedd’d so veel dorüm Dag un Nacht, man se kregen keen un kregen keen. Vör erem Huse wöör en Hof, dorup stünn en Machandelboom, ünner dem stünn de Fru eens im Winter un schelld sik enen Appel, un as se sik den Appel so schelld, so sneet se sik in’n Finger un dat Blood feel in den Snee. „Ach,“ säd de Fru, un süft’d so recht hoog up, un seg dat Blood vör sik an, un wöör so recht wehmödig, „hadd ik doch en Kind, so rood as Blood un so witt as Snee.“ Un as se dat säd, so wurr ehr so recht fröhlich to Mode: ehr wöör recht, as schull dat wat warden. Do güng se to dem Huse, un’t güng een Maand hen, de Snee vorgüng: un twe Maand, do wöör dat gröön: un dre Maand, do kömen de Blömer uut der Eerd: un veer Maand, do drungen sik alle Bömer in dat Holt, un de grönen Twyge wören all in eenanner wussen: door süngen de Vögelkens dat dat ganße Holt schalld, un de Blöiten felen von den Bömern: do wöör de fofte Maand wech, un se stünn ünner dem Machandelboom, de röök so schön, do sprüng ehr dat Hart vör Freuden, un se füll up ere Knee un kunn sik nich laten: un as de soste Maand vorby wöör, do wurren de Früchte dick un staark, do wurr se ganß still: un de söwde Maand, do greep se na den Machandelbeeren un eet se so nydsch, do wurr se trurig un krank: do güng de achte Maand hen, un se reep eren Mann un weend un säd „wenn ik staarw, so begraaf my ünner den Machandelboom.“ Do wurr se ganß getrost, un freude sik, bet de neegte Maand vorby wöör, do kreeg se en Kind so witt as Snee un so rood as Blood, un as se dat seeg, so freude se sik so, dat se stürw. Do begroof ehr Mann se ünner den Machandelboom, un he füng an to wenen so sehr; ene Tyd lang, do wurr dat wat sachter, un do he noch wat weend hadd, do hüll he up, un noch en Tyd, do nöhm he sik wedder ene Fru. Mit de tweden Fru kreeg he ene Dochter, dat Kind awerst von der eersten Fru wöör en lüttje Sähn, un wöör so rood as Blood un so witt as Snee. Wenn de Fru ere Dochter so anseeg, so hadd se se so leef, awerst denn seeg se den lüttjen Jung an, un dat güng ehr so dorch’t Hart, un ehr düchd as stünn he ehr allerwegen im Weg, un dachd denn man jümmer wo se ehr Dochter all das Vörmägent towenden wull, un de Böse gaf ehr dat in, dat se dem lüttjen Jung ganß gramm wurr un stödd em herüm von een Eck in de anner, un buffd em hier un knuffd em door, so dat dat aarme Kind jümmer in Angst wöör. Wenn he denn uut de School köhm, so hadd he kene ruhige Städ. Eens wöör de Fru up de Kamer gaan, do köhm de lüttje Dochter ook herup un säd „Moder, gif my enen Appel.“ „Ja, myn Kind“ säd de Fru un gaf ehr enen schönen Appel uut der Kist; de Kist awerst hadd enen grooten sworen Deckel mit en groot schaarp ysern Slott. „Moder,“ säd de lüttje Dochter, „schall Broder nich ook enen hebben?“ Dat vördrööt de Fru, doch säd se „ja, wenn he uut de School kummt.“ Un as se uut dat Fenster wohr wurr dat he köhm, so wöör dat recht, as wenn de Böse äwer ehr köhm, un se grappst to un nöhm erer Dochter den Appel wedder wech un säd „du schalst nich ehr enen hebben as Broder.“ Do smeet se den Appel in de Kist un maakd de Kist to: do köhm de lüttje Jung in de Döhr, do gaf ehr de Böse in dat se fründlich to em säd „myn Sähn, wullt du enen Appel hebben?“ un seeg em so hastig an. „Moder,“ säd de lüttje Jung, „wat sühst du gräsig uut! ja, gif my enen Appel.“ Do wöör ehr as schull se em toreden. „Kumm mit my,“ säd se un maakd den Deckel up, „hahl dy enen Appel heruut.“ Un as sik de lüttje Jung henin bückd, so reet ehr de Böse, bratsch! slöög se den Deckel to dat de Kopp afflöög un ünner de roden Appel füll. Da äwerleep ehr dat in de Angst, un dachd „kunn ik dat von my bringen!“ Da güng se bawen na ere Stuw na erem Draagkasten un hahl’ uut de bäwelste Schuuflad enen witten Dook, un sett’t den Kopp wedder up den Hals un bünd den Halsdook so üm, dat’n niks sehn kunn, un sett’t em vör de Döhr up enen Stohl un gaf em den Appel in de Hand. Do köhm doorna Marleenken to erer Moder in de Kääk de stünn by dem Führ un hadd enen Putt mit heet Water vör sik, den röhrd se jümmer üm. „Moder,“ säd Marleenken, „Broder sitt vör de Döhr un süht ganß witt uut un hett enen Appel in de Hand, ik heb em beden he schull my den Appel gewen, awerst he antwöörd my nich, do wurr my ganß grolich.“ „Gah nochmaal hen,“ säd de Moder, „un wenn he dy nich antworden will, so gif em eens an de Oren.“ Do güng Marleenken hen un säd, „Broder, gif my den Appel.“ Awerst he sweeg still, do gaf se em eens up de Oren, do feel de Kopp herünn, doräwer vörschrock se sik un füng an to wenen un to roren, un löp to erer Moder un säd „ach, Moder, ik hebb mynem Broder den Kopp afslagen,“ un weend un weend un wull sik nich tofreden gewen. „Marleenken,“ säd de Moder, „wat hest du dahn! awerst swyg man still, dat et keen Mensch maarkt, dat is nu doch nich to ännern; wy willen em in Suhr kaken.“ Do nöhm de Moder den lüttjen Jung un hackd em in Stücken, ded de in den Putt un kaakd em in Suhr. Marleenken awerst stünn daarby un weend un weend, un de Tranen füllen all in den Putt un se bruukden goor keen Solt. Do köhm de Vader to Huus un sett’t sik to Disch un säd „wo is denn myn Sähn?“ Da droog de Moder ene groote groote Schöttel up mit Swartsuhr, un Marleenken weend un kunn sich nich hollen. Do säd de Vader wedder „wo is denn myn Sähn?“ „Ach,“ säd de Moder, „he is äwer Land gaan, na Mütten erer Grootöhm: he wull door wat blywen.“ „Wat dait he denn door? un heft my nich maal Adjüüs sechd!“ „O he wull geern hen un bed my of he door wol sos Wäken blywen kunn; he is jo woll door uphawen.“ „Ach,“ säd de Mann, „my is so recht trurig dat is doch nich recht, he hadd my doch Adjüüs sagen schullt.“ Mit des füng he an to äten un säd „Marleenken, wat weenst du? Broder wart wol wedder kamen.“ „Ach, Fru,“ säd he do, „wat smeckt my dat Äten schöön? gif my mehr!“ Un je mehr he eet, je mehr wull he hebben, un säd „geeft my mehr, gy schöhlt niks door af hebben, dat is as wenn dat all myn wör.“ Un he eet un eet, un de Knakens smeet he all ünner den Disch, bet he allens up hadd. Marleenken awerst güng hen na ere Commod un nöhm ut de ünnerste Schuuf eren besten syden Dook, un hahl all de Beenkens un Knakens ünner den Disch heruut un bünd se in den syden Dook un droog se vör de Döhr un weend ere blödigen Tranen. Door läd se se ünner den Machandelboom in dat gröne Gras, un as se se door henlechd hadd’, so war ehr mit eenmal so recht licht, un weend nich mer. Do füng de Machandelboom an sik to bewegen, un de Twyge deden sik jümmer so recht von eenanner, un denn wedder tohoop, so recht as wenn sik eener so recht freut un mit de Händ so dait. Mit des so güng dar so’n Newel von dem Boom un recht in dem Newel dar brennd dat as Führ, un uut dem Führ dar flöög so’n schönen Vagel heruut, de süng so herrlich und flöög hoog in de Luft, un as he wech wöör, do wöör de Machandelboom as he vörhen west wöör, un de Dook mit de Knakens wöör wech. Marleenken awerst wöör so recht licht un vörgnöögt, recht as wenn de Broder noch leewd. Do güng se wedder ganß lustig in dat Huus by Disch un eet. De Vagel awerst flöög wech un sett’t sik up enen Goldsmidt syn Huus un füng an to singen „mein Mutter der mich schlacht, mein Vater der mich aß, mein Schwester der Marlenichen sucht alle meine Benichen, bind’t sie in ein seiden Tuch, legt’s unter den Machandelbaum. Kywitt, kywitt, wat vör’n schöön Vagel bün ik!“ De Goldsmidt seet in syn Waarkstäd un maakd ene gollne Kede, do höörd he den Vagel, de up syn Dack seet un süng, un dat dünkd em so schöön. Da stünn he up, un as he äwer den Süll güng, do vörlöör he eenen Tüffel. He güng awer so recht midden up de Strat hen, eenen Tüffel un een Sock an: syn Schortfell hadd he vör, un in de een Hand hadd he de golln Kede un in de anner de Tang; un de Sünn schynd so hell up de Strat. Door güng he recht so staan un seeg den Vagel an. „Vagel,“ secht he do, „wo schöön kanst du singen! Sing my dat Stück nochmaal.“ „Ne,“ secht de Vagel, „twemaal sing ik nich umsünst. Gif my de golln Kede, so will ik dy’t nochmaal singen.“ „Door,“ secht de Goldsmidt, „hest du de golln Kede, nu sing my dat nochmaal.“ Do köhm de Vagel un nöhm de golln Kede so in de rechte Poot, un güng vor den Goldsmidt sitten un süng „mein Mutter der mich schlacht, mein Vater der mich aß, mein Schwester der Marlenichen sucht alle meine Benichen, bindt sie in ein seiden Tuch, legts unter den Machandelbaum. Kywitt, kywitt, was vör’n schöön Vagel bün ik!“ Do flög de Vagel wech na enem Schooster un sett’t sik up den syn Dack un süng „mein Mutter der mich schlacht, mein Vater der mich aß, mein Schwester der Marlenichen sucht alle meine Benichen, bindet sie in ein seiden Tuch, legts unter den Machandelbaum. Kywitt, kywitt, wat vör’n schöön Vagel bün ik!“ De Schooster höörd dat un leep vör syn Döhr in Hemdsaarmels, un seeg na syn Dack un mussd de Hand vör de Ogen hollen, dat de Sünn em nich blend’t. „Vagel,“ secht he, „wat kannst du schöön singen.“ Do rööp he in syn Döhr henin „Fru, kumm mal heruut, dar is een Vagel: süh mal den Vagel, de kann maal schöön singen.“ Do rööp he syn Dochter un Kinner un Gesellen, Jung un Maagd, un se kömen all up de Strat un seegen den Vagel an wo schöön he wöör, un he hadd so recht rode un gröne Feddern, un üm den Hals wöör dat as luter Gold, un de Ogen blünken em im Koop as Steern. „Vagel,“ sägd de Schooster, „nu sing my dat Stück nochmaal.“ „Ne,“ secht de Vagel, „twemaal sing ik nich umsünst, du must my wat schenken.“ „Fru,“ säd de Mann, „gah na dem Bähn: up dem bäwelsten Boord door staan een Poor rode Schö, de bring herünn.“ Do güng de Fru hen un hahl de Schö. „Door, Vagel,“ säd de Mann, „nu sing my dat Stück nochmaal.“ Do köhm de Vagel un nöhm de Schö in de linke Klau, un flöög wedder up dat Dack un süng „mein Mutter der mich schlacht, mein Vater der mich aß, mein Schwester der Marlenichen sucht alle meine Benichen bindet sie in ein seiden Tuch, legts unter den Machandelbaum. Kywitt, kywitt, wat vör’n schöön Vagel bün ik!“ Un as he uutsungen hadd, so flöög he wech: de Kede hadd he in de rechte un de Schö in de linke Klau, un he flöög wyt wech na ene Mähl, un de Mähl güng „klippe klappe, klippe klappe, klippe klappe.“ Un in de Mähl door seeten twintig Mählenburßen, de hauden enen Steen un hackden „hick hack, hick hack, hick hack,“ un de Mähl güng „klippe klappe, klippe klappe, klippe klappe.“ Do güng de Vagel up enen Lindenboom sitten, de vör de Mähl stünn und süng „mein Mutter der mich schlacht,“ do höörd een up, „mein Vater der mich aß,“ do höörden noch twe up un höörden dat, „mein Schwester der Marlenichen“ do höörden wedder veer up, „sucht alle meine Benichen, bindet sie in ein seiden Tuch,“ nu hackden noch man acht, „legts unter“ nu noch man fyw, „den Machandelbaum.“ nu noch man een. „Kywitt, kywitt, wat vör’n schöön Vagel bün ik!“ Do hüll de lezte ook up un hadd dat lezte noch höörd. „Vagel,“ secht he, „wat singst du schöön! laat my dat ook hören, sing my dat nochmaal.“ „Ne,“ secht de Vagel, „twemaal sing ik nich umsünst, gif my den Mählensteen, so will ik dat nochmaal singen.“ „Ja,“ secht he, „wenn he my alleen tohöörd, so schullst du em hebben.“„Ja,“ säden de annern, „wenn he nochmaal singt, so schall he em hebben.“ Do köhm de Vagel herünn, un de Möllers saat’n all twintig mit Böhm an un böhrden den Steen up, „hu uh uhp, hu uh uhp, hu uh uhp!“ Do stöök de Vagel den Hals döör dat Lock un nöhm em üm as enen Kragen, un flöög wedder up den Boom un süng „mein Mutter der mich schlacht, mein Vater der mich aß, mein Schwester der Marlenichen sucht alle meine Benichen, bindt sie in ein seiden Tuch, legts unter den Machandelbaum. Kywitt, kywitt, wat vör’n schöön Vagel bün ik!“ Un as he dat uutsungen hadd, do deed he de Flünk von eenanner, un hadd in de rechte Klau de Kede un in de linke de Schö un üm den Hals den Mählensteen, un floog wyt wech na synes Vaders Huse. In de Stuw seet de Vader, de Moder un Marleenken by Disch, un de Vader säd „ach, wat waart my licht, my is recht so good to Mode.“ „Nä,“ säd de Moder, „my is recht so angst, so recht as wenn en swoor Gewitter kummt.“ Marleenken awerst seet un weend un weend, da köhm de Vagel anflegen, un as he sik up dat Dack sett’t, „ach,“ säd de Vader, „my is so recht freudig un de Sünn schynt buten so schöön, my is recht, as schull ik enen olen Bekannten weddersehn.“ „Ne,“ säd de Fru, „my is so angst, de Täne klappern my, un dat is my as Führ in den Adern.“ Un se reet sik ehr Lyfken up un so mehr, awer Marleenken seet in en Eck un weend, un hadd eren Platen vör de Ogen, un weend den Platen ganß meßnatt. Do sett’t sik de Vagel up den Machandelboom un süng „mein Mutter der mich schlacht,“ Do hüll de Moder de Oren to un kneep de Ogen to, un wull nich sehn un hören, awer dat bruusde ehr in de Oren as de allerstaarkste Storm, un de Ogen brennden ehr un zackden as Blitz. „mein Vater der mich aß,“ „Ach, Moder,“ secht de Mann, „door is en schöön Vagel, de singt so herrlich, de Sünn schynt so warm, un dat rückt als luter Zinnemamen.“ „mein Schwester der Marlenichen“ Do läd Marleenken den Kopp up de Knee un weend in eens wech, de Mann awerst säd „ik ga henuut, ik mutt den Vagel dicht by sehn.“ „Ach, gah nich,“ säd de Fru, „my is as beewd dat ganße Huus un stünn in Flammen.“ Awerst de Mann güng henuut un seeg den Vagel an. „sucht alle meine Benichen, bindt sie in ein seiden Tuch, legts unter den Machandelbaum. Kywitt, kywitt, wat vör’n schöön Vagel bün ik!“ Mit des leet de Vagel de gollne Kede fallen, un se feel dem Mann jüst um’n Hals, so recht hier herüm, dat se recht so schöön passd. Do güng he herin un säd „süh, wat is dat vör’n schöön Vagel, heft my so ’ne schöne gollne Kede schenkd, un süht so schöön uut.“ De Fru awerst wöör so angst, un füll langs in de Stuw hen, un de Mütz füll ehr von dem Kopp. Do süng de Vagel wedder „mein Mutter der mich schlacht,“ „Ach, dat ik dusend Föder ünner de Eerd wöör, dat ik dat nich hören schull!“ „mein Vater der mich aß,“ Do füll de Fru vör dood nedder. „mein Schwester der Marlenichen“ „Ach,“ säd Marleenken, „ik will ook henuut gahn un sehn of de Vagel my wat schenkt?“ Do güng se henuut. „sucht alle meine Benichen, bindt sie in ein seiden Tuch,“ Do smeet he ehr de Schöh herünn. „legts unter den Machandelbaum. Kywitt, kywitt, wat vör’n schöön Vagel bün ik!“ Do wöör ehr so licht un frölich. Do truck se de neen roden Schö an, un danßd un sprüng herin. „Ach,“ säd se, „ick wöör so trurig, as ik henuut güng, un nu is my so licht, dat is maal en herrlichen Vagel, hett my en Poor rode Schö schenkd.“ „Ne,“ säd de Fru un sprüng up, un de Hoor stünnen ehr to Baarg as Führsflammen, „my is as schull de Welt ünnergahn, ik will ook henuut, of my lichter warden schull.“ Un as se uut de Döhr köhm, bratsch! smeet ehr de Vagel den Mählensteen up den Kopp, dat se ganß tomatscht wurr. De Vader un Marleenken höörden dat un güngen henuut: do güng en Damp un Flamm un Führ up von der Städ, un as dat vorby wöör, do stünn de lütje Broder door, un he nöhm synen Vader un Marleenken by der Hand, un wören all dre so recht vergnöögt un güngen in dat Huus by Disch, un eeten.

Von den Machandelboom Übersetzung

Das Märchen geht wie das vom Fischer und seiner Frau auf Philipp Otto Runge zurück. Der »Machandelboom« ist ein Wachholderbaum. Ein wohlhabendes Ehepaar wünscht sich ein Kind, kann aber lange keins bekommen. An einem Wintertag steht die Frau im Hof unter dem Wachholderbaum und schneidet sich beim Schälen eines Apfels in den Finger. Als sie das Blut in den Schnee tropfen sieht, seufzt sie: Hätte ich doch ein Kind, so rot wie Blut und so weiss wie Schnee. Nachdem sie das gesagt hat, fühlt sie sich auf einmal ganz froh. In den nächsten Monaten blüht sie auf wie die erwachende Natur. Immer wieder steht sie unter dem Wachholderbaum, sieht die Zweige ausschlagen, die Blüten aufgehen, verwelken und zur Erde fallen, hört die Vögel singen und genießt den würzigen Duft der Wachholderbeeren. Im siebenten Monat isst sie von den Beeren und wird davon traurig und krank. Im achten Monat erfasst sie eine dunkle Ahnung, sie bittet ihren Mann, sie unter dem Wachholderbaum zu begraben, wenn sie stirbt. Nach neun Monaten bringt sie einen Jungen zur Welt und stirbt bei der Geburt. Der Witwer heiratet nach der Trauerzeit erneut. Mit der zweiten Frau bekommt er eine Tochter, Marlenchen. So sehr die Frau ihr Töchterchen liebt, so sehr kommt ihr die Galle hoch, wenn sie den Stiefsohn nur sieht. Eines Tages bittet Marlenchen die Mutter um einen Apfel. Als sie fragt, ob der Bruder nicht auch einen bekommen sollte, wird die Frau von ihrem Hass überwältigt. Sie bietet dem Jungen scheinheilig an, nach oben in ihre Kammer zu gehen und sich einen der Äpfel zu nehmen, die sie in einer Kiste mit einem schweren Eisenschloss aufbewahrt. Als sich der Junge über die Kiste beugt, schlägt sie den Deckel zu und trennt ihm damit den Kopf ab. Als sie das Ergebnis ihrer Boshaftigkeit sieht, wird sie panisch. Sie setzt dem toten Jungen den Kopf wieder auf und legt ein Tuch um seinen Hals. So setzt sie ihn auf einen Stuhl vor dem Haus und legt ihm noch einen Apfel in die Hand. Marlenchen spricht ihren Bruder an und bekommt keine Antwort. Sie fragt ihre Mutter, was mit dem Bruder los ist. Die sagt ihr, sie solle es noch einmal versuchen, und ihm, wenn er wieder nicht antwortet, eine Ohrfeige geben. Das tut Marlenchen denn auch, aber — oh weh! — da fällt sein Kopf ab. Marlenchen fühlt sich, wie von der Mutter beabsichtigt, schuldig am Tod ihres Bruders. Weinend hilft sie ihrer Mutter die Tat zu vertuschen, indem sie aus dem Leichnam des Bruders Sauerfleisch (eine Art Sülze) herstellen. Die schaurige Speise wird dem Vater aufgetischt, zusammen mit der Lüge, der Junge sei für ein paar Wochen zu den Verwandten seiner Mutter gegangen. Dem Vater schmeckt das Essen so gut, dass nur die Knochen übrig bleiben. Marlenchen, die die ganze Zeit über geweint hat, sammelt die Knochen ein und legt sie in ihr liebstes Seidentuch. Das Tuch mit den Knochen legt sie unter den Wachholderbaum. Kaum hat sie das Tuch ins Gras gelegt, da wird ihr leicht zumute, als würde alle Traurigkeit von ihr abfallen. Die Zweige des Wachholderbaums bewegen sich, als wären es Arme. Aus dem Baum steigt ein Nebel, und in dem Nebel brennt ein Feuer, und aus dem Feuer erhebt sich ein schöner Vogel. Dann ist alles wie vorher, nur das Tuch mit den Knochen ist weg. Der Vogel fliegt zum Haus eines Goldschmieds und singt so wunderschön, dass der Goldschmied seine Arbeit unterbricht und mitsamt der Kette, an der er gerade arbeitet, vors Haus läuft. Der Vogel singt davon, dass er von seiner Mutter getötet und sein Fleisch von seinem Vater gegessen wurde, sowie von Marlenchen, das seine »Beenchen« eingesammelt hat. Der Mann versteht die Worte nicht, doch ihm gefällt das Lied so gut, dass er dem Vogel die Kette schenkt, um das Lied ein zweites Mal zu hören. Der Vogel fliegt weiter zu einem Schuster und einem Müller, von denen er ein Paar roter Schuhe und einen Mühlstein als Belohnung für seinen Gesang bekommt. Dann kehrt er zum Haus mit dem Wachholderbaum im Garten zurück. Den Bewohnern wird beim Gesang des Vogels ganz anders, doch jedem auf eine ganz andere Weise. Marlenchen weint ihre ganze Schürze nass. Der Vater wird von einem unerklärlichen Glücksgefühl erfasst, die Mutter dagegen von brennender Angst. Nacheinander treten sie vors Haus, weil der Gesang sie magisch anzieht. Auf den Vater lässt der Vogel die dicke Goldkette fallen. Marlenchen bekommt die roten Schuhe und verliert, als sie sie anzieht, augenblicklich ihre Traurigkeit. Die boshafte Mutter aber wird von dem Mühlstein erschlagen. Aus dem aufsteigenden Staub lodern Flammen, und als diese wieder verlöschen, steht an dieser Stelle der lebendige Junge. Die Kinder leben in Frieden mit ihrem Vater.

 

Rapunzel

12. Rapunzel Es war einmal ein Mann und eine Frau, die wünschten sich schon lange vergeblich ein Kind, endlich machte sich die Frau Hoffnung der liebe Gott werde ihren Wunsch erfüllen. Die Leute hatten in ihrem Hinterhaus ein kleines Fenster, daraus konnte man in einen prächtigen Garten sehen, der voll der schönsten Blumen und Kräuter stand; er war aber von einer hohen Mauer umgeben, und niemand wagte hinein zu gehen, weil er einer Zauberin gehörte, die große Macht hatte und von aller Welt gefürchtet ward. Eines Tags stand die Frau an diesem Fenster und sah in den Garten hinab, da erblickte sie ein Beet, das mit den schönsten Rapunzeln bepflanzt war: und sie sahen so frisch und grün aus, daß sie lüstern ward und das größte Verlangen empfand von den Rapunzeln zu essen. Das Verlangen nahm jeden Tag zu, und da sie wußte daß sie keine davon bekommen konnte, so fiel sie ganz ab, sah blaß und elend aus. Da erschrack der Mann und fragte „was fehlt dir, liebe Frau?“ „Ach,“ antwortete sie, „wenn ich keine Rapunzeln aus dem Garten hinter unserm Hause zu essen kriege, so sterbe ich.“ Der Mann, der sie lieb hatte, dachte „eh du deine Frau sterben lässest, holst du ihr von den Rapunzeln, es mag kosten was es will.“ In der Abenddämmerung stieg er also über die Mauer in den Garten der Zauberin, stach in aller Eile eine Hand voll Rapunzeln und brachte sie seiner Frau. Sie machte sich sogleich Salat daraus und aß sie in voller Begierde auf. Sie hatten ihr aber so gut, so gut geschmeckt, daß sie den andern Tag noch dreimal so viel Lust bekam. Sollte sie Ruhe haben, so mußte der Mann noch einmal in den Garten steigen. Er machte sich also in der Abenddämmerung wieder hinab, als er aber die Mauer herabgeklettert war, erschrack er gewaltig, denn er sah die Zauberin vor sich stehen. „Wie kannst du es wagen,“ sprach sie mit zornigem Blick, „in meinen Garten zu steigen und wie ein Dieb mir meine Rapunzeln zu stehlen? das soll dir schlecht bekommen.“ „Ach,“ antwortete er, „laßt Gnade für Recht ergehen, ich habe mich nur aus Noth dazu entschlossen: meine Frau hat eure Rapunzeln aus dem Fenster erblickt, und empfindet ein so großes Gelüsten, daß sie sterben würde, wenn sie nicht davon zu essen bekäme.“ Da ließ die Zauberin in ihrem Zorne nach und sprach zu ihm „verhält es sich so, wie du sagst, so will ich dir gestatten Rapunzeln mitzunehmen so viel du willst, allein ich mache eine Bedingung: du mußt mir das Kind geben, das deine Frau zur Welt bringen wird. Es soll ihm gut gehen, und ich will für es sorgen wie eine Mutter.“ Der Mann sagte in der Angst alles zu, und als die Frau in Wochen kam, so erschien sogleich die Zauberin, gab dem Kinde den Namen Rapunzel und nahm es mit sich fort. Rapunzel ward das schönste Kind unter der Sonne. Als es zwölf Jahre alt war, schloß es die Zauberin in einen Thurm, der in einem Walde lag, und weder Treppe noch Thüre hatte, nur ganz oben war ein kleines Fensterchen. Wenn die Zauberin hinein wollte, so stellte sie sich unten hin, und rief „Rapunzel, Rapunzel, laß mir dein Haar herunter.“ Rapunzel hatte lange prächtige Haare, fein wie gesponnen Gold. Wenn sie nun die Stimme der Zauberin vernahm, so band sie ihre Zöpfe los, wickelte sie oben um einen Fensterhaken, und dann fielen die Haare zwanzig Ellen tief herunter, und die Zauberin stieg daran hinauf. Nach ein paar Jahren trug es sich zu, daß der Sohn des Königs durch den Wald ritt und an dem Thurm vorüber kam. Da hörte er einen Gesang, der war so lieblich, daß er still hielt und horchte. Das war Rapunzel, die in ihrer Einsamkeit sich die Zeit damit vertrieb, ihre süße Stimme erschallen zu lassen. Der Königssohn wollte zu ihr hinauf steigen und suchte nach einer Thüre des Thurms, aber es war keine zu finden. Er ritt heim, doch der Gesang hatte ihm so sehr das Herz gerührt, daß er jeden Tag hinaus in den Wald gieng und zuhörte. Als er einmal so hinter einem Baum stand, sah er daß eine Zauberin heran kam und hörte wie sie hinauf rief „Rapunzel, Rapunzel, laß dein Haar herunter.“ Da ließ Rapunzel die Haarflechten herab, und die Zauberin stieg zu ihr hinauf. „Ist das die Leiter, auf welcher man hinauf kommt, so will ich auch einmal mein Glück versuchen.“ Und den folgenden Tag, als es anfieng dunkel zu werden, gieng er zu dem Thurme und rief „Rapunzel, Rapunzel, laß dein Haar herunter.“ Alsbald fielen die Haare herab und der Königssohn stieg hinauf. Anfangs erschrack Rapunzel gewaltig als ein Mann zu ihr herein kam, wie ihre Augen noch nie einen erblickt hatten, doch der Königssohn fing an ganz freundlich mit ihr zu reden und erzählte ihr daß von ihrem Gesang sein Herz so sehr sei bewegt worden, daß es ihm keine Ruhe gelassen, und er sie selbst habe sehen müssen. Da verlor Rapunzel ihre Angst, und als er sie fragte ob sie ihn zum Manne nehmen wollte, und sie sah daß er jung und schön war, so dachte sie „der wird mich lieber haben als die alte Frau Gothel,“ und sagte ja und legte ihre Hand in seine Hand. Sie sprach „ich will gerne mit dir gehen, aber ich weiß nicht wie ich herab kommen kann. Wenn du kommst, so bring jedesmal einen Strang Seide mit, daraus will ich eine Leiter flechten und wenn die fertig ist, so steige ich herunter und du nimmst mich auf dein Pferd.“ Sie verabredeten daß er bis dahin alle Abend zu ihr kommen sollte, denn bei Tag kam die Alte. Die Zauberin merkte auch nichts davon, bis einmal Rapunzel anfieng und zu ihr sagte „sag sie mir doch, Frau Gothel, wie kommt es nur, sie wird mir viel schwerer heraufzuziehen, als der junge Königssohn, der ist in einem Augenblick bei mir.“ „Ach du gottloses Kind,“ rief die Zauberin, „was muß ich von dir hören, ich dachte ich hätte dich von aller Welt geschieden, und du hast mich doch betrogen!“ In ihrem Zorne packte sie die schönen Haare der Rapunzel, schlug sie ein paar mal um ihre linke Hand, griff eine Scheere mit der rechten, und ritsch, ratsch, waren sie abgeschnitten, und die schönen Flechten lagen auf der Erde. Und sie war so unbarmherzig daß sie die arme Rapunzel in eine Wüstenei brachte, wo sie in großem Jammer und Elend leben mußte. Denselben Tag aber, wo sie Rapunzel verstoßen hatte, machte Abends die Zauberin die abgeschnittenen Flechten oben am Fensterhaken fest, und als der Königssohn kam und rief „Rapunzel, Rapunzel, laß dein Haar herunter,“ so ließ sie die Haare hinab. Der Königssohn stieg hinauf, aber er fand oben nicht seine liebste Rapunzel, sondern die Zauberin, die ihn mit bösen und giftigen Blicken ansah. „Aha,“ rief sie höhnisch, „du willst die Frau Liebste holen, aber der schöne Vogel sitzt nicht mehr im Nest und singt nicht mehr, die Katze hat ihn geholt und wird dir auch noch die Augen auskratzen. Für dich ist Rapunzel verloren, du wirst sie nie wieder erblicken.“ Der Königssohn gerieth außer sich vor Schmerz, und in der Verzweiflung sprang er den Thurm herab: das Leben brachte er davon, aber die Dornen, in die er fiel, zerstachen ihm die Augen. Da irrte er blind im Walde umher, aß nichts als Wurzeln und Beeren, und that nichts als jammern und weinen über den Verlust seiner liebsten Frau. So wanderte er einige Jahre im Elend umher und gerieth endlich in die Wüstenei, wo Rapunzel mit den Zwillingen, die sie geboren hatte, einem Knaben und Mädchen, kümmerlich lebte. Er vernahm eine Stimme, und sie däuchte ihn so bekannt: da gieng er darauf zu, und wie er heran kam, erkannte ihn Rapunzel und fiel ihm um den Hals und weinte. Zwei von ihren Thränen aber benetzten seine Augen, da wurden sie wieder klar, und er konnte damit sehen wie sonst. Er führte sie in sein Reich, wo er mit Freude empfangen ward, und sie lebten noch lange glücklich und vergnügt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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